Spaß

Was Kinder lieben

Eine lange Reihe von Feiertagen liegt vor uns, und die Wettervorhersage für die nächsten Wochen ist lausig. Und weil der Fernseher zwangsweise aus bleibt, beginnen meine Kinder voraussichtlich bereits nach einem Tag, unruhig in der Wohnung auf und ab zu tigern wie kleine Knastbrüder. Nach spätestens zwei Tagen beginnt der große Balagan, und die Kinder schmieren sich aus lauter Langeweile Honig in die Haare oder entwerfen mit meinen Lippenstiften Graffiti auf der Wohnzimmerwand. Das alles unter ohrenbetäubendem Lärm und Gehüpfe auf sämtlichen Polstermöbeln.

Währenddessen dringt aus den Nachbarwohnungen tiefe feiertägliche Stille. Meine Nachbarn sind allesamt superreligiöse Großfamilien mit mindestens fünf Kindern. Wie machen die das bloß? Ich bitte Schula Pomerantz von nebenan, mich über das Spielverhalten ihrer Kinder aufzuklären.

Anscheinend stehen ihre Kids Mendi, Faygi, Herschy und Chaya so wie alle anderen Kinder in der streng religiösen Antwerpener Yesodei-Hatora-Schule auf »Kosher Toys«. Alles Spiele, die den Charakter formen und die richtigen Werte vermitteln sollen, was durchaus zu funktionieren scheint.

mitzve kinder Ich frage also die kleinen Pomerantzen, Mendi (6), Faygi (4), Herschy (8) und Chaya (4), nach den Top Ten der Frum-Spiele-Welt. Ganz oben stehen natürlich die »Mitzve Kinder« – der ganz große Hit aus den USA. Kleine Plastikfiguren, den »Little People« von Fisher Price nachempfunden, aber natürlich alle tzniesdig und frum. Mendi will unbedingt Feuerwehrmann werden und spielt am liebsten mit den »Mitzvah Mentchen«. Die Püppchen im Sechserpack heißen: Hershel from Hatzoloh, Pinchus the Postman, Mendy the Fireman, Esty, die Kinderkrankenschwester von Osah Chesed und Brucha von Bikur Cholim, spezialisiert auf Krankenbesuche. Allesamt sind sie ausgestattet mit Bärten oder Scheitels, langen Ärmeln, hochgeschlossenen Kleidern oder Anzügen und einem wohlwollenden Lächeln.

Faygis Lieblinge in der Serie sind die Mommy Mentchees, vier Mamis und Omis, die aussehen wie direkt aus einer Antwerpener Schul herausgegriffen, die Süßigkeitenpäckchen in der Hand halten und sie von der Frauenempore hinunterwerfen. Dazu passende Barmizwa-Jungen – komplett mit Großfamilie – kann man auch dazukaufen sowie eine ganze Schul mit Toraschrank und Gebetbüchern aus Plastik.

hatzoloh go »Hatzoloh Go!« ist das Lieblingsspiel von Hershy, denn seine großen Helden sind die rasenden Retter von Hatzoloh, dem jüdischen Pendant zum Roten Kreuz, die auf den Straßen Antwerpens mit neonfarbenen Motorrollern und wehenden Schläfenlocken im Einsatz sind. Bei diesem Spiel geht es darum, als Erstes am Einsatzort zu sein. Auf dem rasterförmigen Spielfeld müssen die Figuren nach vorn gerückt werden, wobei es Hindernisse zu überwinden gilt wie Schneehaufen, Müllautos, Baustellen und neugierige Passanten.

kosherland Der absolute Klassiker, beinahe in jedem jüdischen Haushalt in Antwerpen zu finden, ist »Kosherland«. Das Gesellschaftsspiel bietet eine Reise durch Kosher Town – vorbei am Gefilte-Fisch-See, dem Kiddusch-Ozean und dem Mazza-Mann. Vor allem bei älteren Kindern beliebt: »Shmear – das Bagelschmierspiel«. Hier kann man sich seine eigene Bagel-Kreation zusammenstellen. Es gibt verschiedene runde Karten mit Tomate, Gurke und Cream Cheese. Doch Vorsicht! Die Karten liegen verdeckt auf dem Tisch, wenn man Pech hat, erwischt man einen Gullydeckel oder einen alten Autoreifen.

Überhaupt scheint es bei den meisten Spielen ums Futtern zu gehen, wie zum Beispiel »Tchulent – The Game«, wo man auf dem Schuk die preiswertesten Bohnen und Gewürze für seinen Tscholent erstehen muss, oder bei »Chap A Nosh«, dem Quartettspiel rund um zucker-, fett- und cholesterinreiche Snacks. Das Spiel fürs Ende eines langen Tages schließlich: »Roimen mit a Schmeichel«. Aufräumen mit einem Lächeln, das Lottospiel zum Zimmeraufräumen. Na dann, viel Spaß!

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  10.03.2026

New York

Ben Stiller: »Krieg ist kein Film«

Immer wieder nutzt die US-Regierung bekanntes Film- oder Musikmaterial für eigene Videoclips - wohl ohne zu fragen. Jetzt beschwert sich deswegen Schauspieler Ben Stiller

 10.03.2026

Comedy

Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Sprache

»Wat willste?«

Die Autorin Lea Streisand hat ein Buch über den vielleicht schönsten Dialekt des Deutschen geschrieben, das Berlinerische. Ein Besuch zwischen »ick«, »icke« und »dufte«

von Katrin Richter  08.03.2026

Berlin/Los Angeles

Weimer lädt Chalamet in die Oper ein: »Kann mal daneben liegen«

Interessiert sich wirklich niemand mehr für Oper und Ballett? So findet es zumindest »Marty Supreme«-Star Timothée Chalamet. Wie der Kulturstaatsminister den Oscar-Anwärter umstimmen will

 08.03.2026