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Urgroßvaters Grab

Yali Sobol besucht Deutschland im Rahmen der Deutsch-Israelischen Literaturtage das erste Mal. Für die Jüdische Allgemeine schreibt er an dieser Stelle, wie dieser Besuch auf ihn wirkt – in Worten, Bildern oder mit Musik.

Wir sind keine Familie, die viel gedenkt. Wir besuchen keine Gräber an Jahrestagen – darin sehen wir keinen Sinn. Und offen gesagt, keiner unserer Lieben, die verstorben sind, hat sich darüber beschwert.

Allerdings war das Erste, was ich in Berlin gemacht habe, mit meinen Eltern, die mich auf meiner Reise begleiten, auf den jüdischen Friedhof zu gehen, um das Grab meines Urgroßvaters zu besuchen. Ich habe keinen großen Gefühlsausbruch erwartet, aber es fühlte sich schon irgendwie anders und neu an.

Schwarzes Loch Ehrlich gesagt, ich wusste bislang nichts über die Vorfahren meiner Großeltern – das war eine Art schwarzes Loch. Das ist für einen Israeli nichts Ungewöhnliches, so wie für die meisten Juden. Einige von uns wissen nichts über die Großeltern, außer, dass sie in einem fernen Land einen furchtbaren Tod starben.

Es bedurfte einiger Recherche, um dieses Grab ausfindig zu machen. Wie sich herausstellte, wurde der Leichnam meines Urgroßvaters aus irgendeinem unerfindlichen Grund von den Nazis von Spandau nach Weißensee gebracht. Seltsamerweise haben sie sogar tote Juden nicht in Ruhe gelassen.

Kippa Nun standen wir also da und gaben ein komisches Bild ab, mein Vater und ich, beide mit einer Kippa. Wir tragen nie eine, aber so sind nun einmal die Friedhofsregeln. Jedenfalls sah mein Vater aus wie ein Priester.

Ich fragte meine Mutter, was Max, mein Urgroßvater, gearbeitet hatte. Sie sagte, er hatte ein Tabakgeschäft. Dann fragte ich meinen Vater zum allerersten Mal, was denn sein Großvater beruflich gemacht habe. Und er sagte, er sei ein Experte im Tabakanbau gewesen. Wenn das keine Fügung gewesen ist.

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

Zahl der Woche

22.233 israelische Kinder und Jugendliche

Fun Facts und Wissenswertes

 09.09.2026

Ausstellung

Der zerbrochene Messias

Utopien, Visionen und eine Frau als Erlöserin: 25 Jahre nach seiner Gründung zeigt das Jüdische Museum Berlin zwölf zeitgenössische Künstler als Kontrast zu den Schrecken der Gegenwart

von Ayala Goldmann  09.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  09.09.2026

Philosophie

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Vor rund 100 Jahren kam Hilary Putnam 1926 in Chicago zur Welt. Der amerikanische Denker revidierte regelmäßig seine Positionen. Seine Philosophie ist überraschend dialogisch – was eine wenig bekannte judaistische Perspektive eröffnet.

von Richard Blättel  08.09.2026

Jubiläum

60 Jahre »Star Trek«: Faszinierend!

Vor 60 Jahren landete das Raumschiff »Enterprise« in den US-Wohnzimmern - und damit auch ein jüdischer Segen

von Alexander Brüggemann  08.09.2026

Kino

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Albrecht Weinberg überlebte den Holocaust und wollte Deutschland für immer den Rücken kehren. Doch zum Ende seines Lebens fand er in seine Heimat Friedland zurück. Ein neuer Dokufilm zeigt seine letzten Jahre

von Kira Taszman  08.09.2026

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Shortlist für Deutschen Buchpreis veröffentlicht

Dana Vowinckel und Shida Bazya sind für die Auszeichnung nominiert – der Preisträger wird am 5. Oktober bekanntgegeben

 08.09.2026

Kommentar

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Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  08.09.2026