TU Berlin

»Meinungsfreiheit für antisemitische Boykottaufrufe?«

Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin hält die Kritik der Studierenden für nicht berechtigt. Foto: imago images/Rolf Kremming

Gegen den umstrittenen Aufruf der Initiative »5.3 GG Weltoffenheit«, die auch von der Führung des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin unterschrieben wurde, regt sich Protest von Seiten einiger Studierender.

EINBEZIEHUNG Diese Woche veröffentlichte eine Fachschaftsinitiative Antisemitismusforschung ein Statement unter der Überschrift »Alle Jahre wieder«, in dem der ZfA-Leitung vorgeworfen wird, die Erklärung mehrerer Kunst- und Wissenschaftsinstitutionen eigenmächtig und ohne Einbeziehung der Studierenden am ZfA unterzeichnet zu haben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Aufruf beginne vielversprechend, so die Fachschaftsinitiative, da er zum gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus auffordere. Doch folge dieser Selbstvergewisserung jedoch nicht »die Sorge um den gegenwärtig wachsenden verschwörungsideologischen Antisemitismus im Kontext von Corona«. Die Sorge der Unterzeichner gelte vielmehr Personen, die sich »israelkritisch« äußerten. Namentlich wird der Kameruner Historiker Achille Mbembe genannt, über dessen Einladung als Hauptredner bei der Ruhrtriennale im Frühjahr ein heftiger Streit entbrannt war.

In ihrem Statement werfen die Studenten den Protagonisten der Initiative »5.3 GG Weltoffenheit« zudem vor, kein einziges konkretes Beispiel für die angeblich »missbräuchliche Verwendung des Antisemitismusvorwurfs« vorgelegt zu haben. Es müsse eigentlich »Konsens sein«, so die Fachschaftsinitiative, dass niemand staatliche Gelder in Deutschland erhalten dürfe, der Israel das Existenzrecht abspricht oder die laut Deutschem Bundestag ebenso israelfeindliche wie in Zielen und Handlungen antisemitische BDS-Bewegung unterstützt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der von der »5.3 GG«-Initiative als Hauptanliegen benannte Kampf gegen Antisemitismus und religiösen Fundamentalismus müsse daher bezweifelt werden, erklärten die Studierenden. »So werden die zahlreichen Verbindungen des BDS zu gewaltbereiten teils fundamental religiösen terroristischen Vereinigungen wie Hamas oder PFLP schlicht ignoriert.«

DEFIZITE Wo das Aushalten von Kritik an Israel eingefordert werde, gehe es in Wahrheit darum, Kritik zu unterbinden. Die Meinungsfreiheit sei nicht in Gefahr, wenn eine rote Linie gezogen werde zu antisemitischen Boykottaufrufen, Schoa-Relativierungen oder generell diskriminierendem Handeln.

Scharf ins Gericht gehen die Studierenden mit ZfA-Direktorin Stefanie Schüler-Springorum: »Antisemitismus in all seinen modernen und strukturellen Ausformungen zu begreifen und kritisch zu betrachten, ist offenbar nicht das Anliegen des Zentrums für Antisemitismusforschung. Dies zeigt sich oft sowohl in unseren Seminarthemen, als auch symbolisch mit der Unterschrift des ZfA unter diesem Plädoyer«, so die Studenten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Und weiter: »Dabei ist auffällig, dass das ZfA äußerst wenig zu israelbezogenem Antisemitismus arbeitet. Bis auf wenige vereinzelte Projekte in Lehre und Forschung werden BDS und der Nahostkonflikt kaum behandelt. Ohne ausgiebiges historisches Grundlagenwissen lässt sich aber eine Debatte kaum konstruktiv führen, hier müsste das ZfA in seinem fachlichen Kernbereich deutlich nachbessern.«

REAKTION In einer ausführlichen Stellungnahme wies das ZfA die von der Initiative gemachten Anschuldigungen zurück. Das Statement enthalte »Aussagen über den Masterstudiengang ‚Interdisziplinäre Antisemitismusforschung‘, die nicht der Wahrheit entsprächen, schrieb der Studiengangsbeauftragte Marcus Funck in einer ausführlichen Reaktion, die der Jüdischen Allgemeinen vorliegt.

Das Dokument sei «voller Unwahrheiten und Verzerrungen in den sozialen Medien und darüber hinaus verbreitet worden», so die Erklärung weiter. Die Studierenden des ZfA seien «umfassend eingebunden» und «unmittelbar an der Gestaltung des Curriculums beteiligt», so Funck. «Wenn Studierende wie öffentliche Kommentatoren einem engmaschigen, mehrstufigen und transparenten Verfahren zur Kontrolle und fortlaufenden Entwicklung eines Studiengangs derart Hohn sprechen, drückt sich darin ein rein instrumentelles Verhältnis zu Wissenschaft und universitärer Lehre aus. Es ist auch ein Affront gegenüber all jenen Studierenden und Lehrenden, die sich in Seminaren und Gremien im offenen Austausch für die kontinuierliche Verbesserung von Lehrstrukturen und Lehrinhalten einsetzen», erklärte er.

ABSPRACHEN «Sämtliche von der ‚Fachschaftsinitiative‘ vermissten Themen wurden im Rahmen des Studiengangs bereits unterrichtet oder werden als Seminare entwickelt und werden auch weiterhin unterrichtet werden», schrieb Funck. Als weltweit respektierte wissenschaftliche Einrichtung verfüge das ZfA über zahlreiche nationale und internationale Kontakte. Studierende hätten demnach auch die Möglichkeit, Auslandssemester und Praktika zu absolvieren, «nicht zuletzt auch an renommierten israelischen Universitäten und Einrichtungen, etwa in Tel Aviv, Haifa und Beer Sheva oder Yad Vashem».

Die «unbekannten Mitglieder der sogenannten ‚Fachschaftsinitiative‘» hätten von alledem Kenntnis gehabt, so Funck weiter, dies aber «nicht nur verschwiegen, sondern auch massiv gegen die einvernehmlich getroffenen Absprachen verstoßen.» mth

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026

Boca Raton (Florida)

Billy Joel kann derzeit weder Auto fahren noch auftreten

Der jüdische Sänger, Pianist und Komponist leidet unter einer Gehirnerkrankung

 16.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich keine Flugangst mehr habe

von Katrin Richter  15.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

Gesellschaft

Mehr Skepsis

Wie ist es aktuell um gegenseitige Wahrnehmung von Deutschen und Israelis bestellt? An der Hebräischen Universität Jerusalem wurde nun die »Temperatur« der Beziehungen gemessen

von Ralf Balke  15.10.2026

Kolumne

Von der Kreuzigung zu Flydubai

Schon vor 2000 Jahren waren die Juden an allem schuld. Und heute sogar mit Videobeweis!

von Maria Ossowski  14.10.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Oktober bis zum 22. Oktober

 14.10.2026