Hip-Hop

Rapper provoziert mit Rothschild-Anspielung

Jay Electronica beim »Budweiser Made In America« Festival 2016 in Philadelphia Foto: dpa

Das neue Hip-Hop-Album A Written Testimony des amerikanischen Rappers Jay Electronica sorgt für Furore – aber nicht nur wegen seiner Musik. Der Künstler sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, krude antisemitische Stereotype zu verbreiten.

In dem Stück Ghost of Soulja Slim singt Jay Electronica den Vers: »And I bet you a Rothschild, I get a bang for my dollar, the synagogue of Satan want to hang me by my collar,« zu Deutsch: »Und ich wette einen Rothschild darauf, dass das mein Geld wert ist, die Synagoge des Satans will mich an meinem Kragen aufhängen.«

FARRAKAN Außerdem verwendet der Künstler in dem gleichen Song Auszüge aus einer Rede Louis Farrakhans. Das umstrittene Oberhaupt der Nation of Islam-Gemeinschaft, der auch der Rapper angehört, hat in der Vergangenheit mehrmals durch antisemitische Ausfälle von sich reden gemacht hat. 2018 sagte Farrakhan: »Ich frage mich, ob ihr den satanischen Juden und die Synagoge des Satans erkennen werdet. Denn Satan hat die ganze Welt getäuscht.«

In einem Song des neuen Albums heißt es, dass »Satan Palästina mit einer weiteren Mörsergranate« geschlagen habe.

Schon 2014 hatte Jay Electronica in einem seiner Songs getextet: »My feet might fail me, my heart might ail me, the synagogues of Satan might accuse or jail me.«

In Fruits of the Spirit, einem anderen Titel auf seinem neuen Album, singt der in New Orleans aufgewachsene Rapper außerdem davon, dass »Satan Palästina mit einer weiteren Mörsergranate« geschlagen habe.

Kritik Der populäre Radiomoderator Peter Rosenberg kritisierte ihn auf Twitter scharf für diese Anspielungen. Für ihn als Juden habe sich das wie eine Beleidigung angefühlt, so Rosenberg.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Jay Electronica verteidigte sich und erklärte, der Ausdruck »Synagoge des Satans« sei dem Neuen Testament entnommen. Allerdings wird an mehreren Stellen im griechischen Urtext der christlichen Bibel das griechische Wort »Synagoge« synonym für den Begriff »Versammlung« verwendet.

Vor einigen Jahren machte Elpadaro F. Electronica Allah, wie der 43-jährige Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, schon einmal mit Rothschild Schlagzeilen: Er war zeitweilig mit Kate Rothschild liiert, einem Spross des britischen Zweigs der jüdischen Bankiersfamilie.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  08.09.2026

Philosophie

Zwischen Mensch und Maschine

Vor rund 100 Jahren kam Hilary Putnam 1926 in Chicago zur Welt. Der amerikanische Denker revidierte regelmäßig seine Positionen. Seine Philosophie ist überraschend dialogisch – was eine wenig bekannte judaistische Perspektive eröffnet.

von Richard Blättel  08.09.2026

Jubiläum

60 Jahre »Star Trek«: Faszinierend!

Vor 60 Jahren landete das Raumschiff »Enterprise« in den US-Wohnzimmern - und damit auch ein jüdischer Segen

von Alexander Brüggemann  08.09.2026

Kino

Wie ein Holocaust-Überlebender in Ostfriesland Frieden fand - Doku über die letzten Lebensjahre von Albrecht Weinberg

Albrecht Weinberg überlebte den Holocaust und wollte Deutschland für immer den Rücken kehren. Doch zum Ende seines Lebens fand er in seine Heimat Friedland zurück. Ein neuer Dokufilm zeigt seine letzten Jahre

von Kira Taszman  08.09.2026

Literatur

Shortlist für Deutschen Buchpreis veröffentlicht

Dana Vowinckel und Shida Bazya sind für die Auszeichnung nominiert – der Preisträger wird am 5. Oktober bekanntgegeben

 08.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  08.09.2026

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 08.09.2026

»Imanuels Interpreten« (24)

Stan Getz: Der Saxofon-Poet

Wenn Getz live spielte, wollten alle da sein und zuhören. Der Vollblutmusiker kämpfte jedoch über Jahrzehnte hinweg mit Dämonen, die ihn zerstörten

von Imanuel Marcus  08.09.2026

Der deutsch-brasilianische Philosoph Carlos Fraenkel

Potsdam

Philosoph Fraenkel neuer Direktor des Potsdamer Einstein-Forums

Das Einstein-Forum in Potsdam hat mit dem Philosoph Carlos Fraenkel einen neuen Direktor. Für seine Zeit formuliert er deutliche Ziele

von Benjamin Lassiwe  07.09.2026