Exodus im Kino

Prophet und Leinwandheld

Oscarpreisträger Christian Bale in »Exodus« (2014) Foto: imago

Es gibt viele Arten, Pessach zu feiern. Doch zur Einstimmung auf das Fest gibt es – zumindest für Cineasten – keinen besseren Weg, als sich noch einmal die wichtigsten Spielfilme zum Auszug aus Ägypten anzusehen. Ob Charlton Heston, Mel Brooks oder Christian Bale: Die Liste der Schauspieler, die Moses in den vergangenen Jahrzehnten gespielt haben, ist lang.

Eine der kuriosesten Besetzungen ist in dem von Robert Iscove 2006 inszenierten Filmmusical Die Zehn Gebote zu sehen, in dem Ex-Batman Val Kilmer den Moses sichtbar gelangweilt und lustlos verkörpert. Dabei hatte Kilmer seine Stimme Moses schon 1998 in Simon Wells’ Zeichentrickfilm Der Prinz von Ägypten gegeben.

Hollywood Wer vorher bereits Superhelden gespielt hat, besitzt also gute Karten für die Rolle. Das beweist nicht nur Christian Bale in Exodus, ebenfalls Batman-Darsteller, sondern auch Charlton Heston und Burt Lancaster, die beiden wohl körperlichsten Leinwand-Recken des klassischen Hollywood.

Lancaster spielte die Rolle allerdings in fortgeschrittenen Jahren: Als er sich in Europa mit Autorenfilmern wie Luchino Visconti und Bernardo Bertolucci eine zweite Karriere aufbaute, drehte er zwischendurch in Israel und Italien die Miniserie Moses (1974), deren Drehbuch immerhin Anthony Burgess schrieb, und die damals auch gekürzt ins Kino kam. Ingrid Thulin und Irene Pappas spielten mit, die Musik stammt vom legendären Ennio Morricone.

Von alttestamentarischem Ausmaß ist Os Dez Mandamentos, eine derzeit ausgestrahlte, für den Weltmarkt produzierte brasilianische Telenovela, die auf 170 Folgen (!) angelegt ist. Das antike Ägypten ersteht darin in der chilenischen Wüste wieder auf, Moses wird von drei Darstellern verkörpert.

Stummfilm Die bekanntesten Verfilmungen stammen aber aus Hollywood. Gleich zweimal verfilmte Cecil B. DeMille den Stoff und schuf die einflussreichsten Bilder für Moses, die Juden in Ägypten und ihren Auszug nach Israel. In der Stummfilmversion (1923) nimmt diese Geschichte nur ein gutes Drittel ein – der Rest spielt in der Gegenwart und wendet den Stoff in eine Erbauungsgeschichte mit deutlich christlicher Tendenz.

Ganz anders sein Tonfilm-Remake Die zehn Gebote von 1956 in leuchtenden Technicolor-Farben und Breitwand. Der Handlungsschwerpunkt liegt auf Ägypten, Charlton Heston als Moses hat mit dem faszinierenden Yul Brynner als Pharao einen ebenbürtigen Kontrahenten – kalter Krieg am Nil.

Ähnlich wie später Cleopatra befriedigt der Film auch alle exotistischen Sehnsüchte des amerikanischen Unterbewusstseins jener Jahre. Die wahre Sensation dieses Spektakelkinos sind aber die Effekte: Fast 1,5 Millionen Liter Wasser sprudelten beim Dreh der Teilung des Roten Meeres am Set.

kryptisch-grell
Nur der britische Hollywood-Veteran Ridley Scott kann da einigermaßen mithalten. Sein Exodus von 2014 arbeitet mit den Mitteln modernster Digitaltechnik und zitiert diskret, aber unverkennbar, die großen Vorbilder. Auch in anderer Hinsicht bleibt Scott in seiner Version vom Auszug aus Ägypten Hollywood treu: Tierfelle auf dem Boden und kryptisch-grell gemusterte Stoffe an der Wand, Schlangen als Haustiere und hübsche Sklavinnen als Spielzeug der Despoten sind bei dem Regisseur ein Muss.

Christian Bales Moses ist der Gegenentwurf zu solcher hedonistischen Dekadenz. Der Oscarpreisträger spielt ihn als einen Asketen und Idealisten. Als Schweiger und kühlen Denker, Kämpfer und mitreißend-charismatischen Führer.

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  28.09.2026

Berlin

Verschollene Golem-Filmmusik feiert Berliner Erstaufführung

Der Komponist Hans Landsberger, ein späteres Holocaust-Opfer, hatte die sinfonische Begleitmusik für den Film geschrieben. Seine Komposition gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Filmmusik

 28.09.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Wöchentliche Papierflut oder Die kleinen verkannten Kunstwerke

von Nicole Dreyfus  27.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  27.09.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

"Es ist kein Einzelfall, dass jungen Frauen die Kette mit dem Davidstern vom Hals gerissen wird": Ute Cohen

Literatur

Kein Licht im Club der Versehrten

Ute Cohen zeigt in ihrem neuen Roman »Willents Brut« wie die deutschen Dämonen in einer Nachkriegsfamilie zerstörerisch nachwirken

von Stefan Meetschen  25.09.2026

Berlin

Vor 70 Jahren lief »Das Tagebuch der Anne Frank« auf deutschen Bühnen

Ihr Tagebuch gehört zur Weltliteratur. Das gleichnamige Theaterstück polarisierte dagegen

von Nikolas Ender  25.09.2026

Yotam Ottolenghi

Auch einfach lecker

Der israelisch-britische Koch hat sein neues Buch »Simple Too« in Berlin vorgestellt

von Katrin Richter  25.09.2026