Berlin

Philharmoniker spielten die »Violins of Hope«

Nie wieder sollen sich Juden in Deutschland bedroht fühlen, betonte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei dem Konzert zum Gedenken an die Opfer der Nationalsozialismus am Dienstagabend in der Berliner Philharmonie. Die »Violins of Hope«, die der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein gesammelt hat, seien Zeugen des Mordes an Juden geworden.

Hinter den Instrumenten stünden sechs Millionen Menschen, zitierte Steinmeier den Geigenbauer, der selbst mehr als 360 Verwandte während der Schoa verloren hat. Die Besitzer wurden vertrieben und ermordet. Somit erzähle jedes Instrument eine schmerzvolle Geschichte.

Cello 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz spielten die Berliner Philharmoniker am Dienstag ein besonderes Konzert – nicht aufgrund der Stücke, sondern der Instrumente wegen. Denn 15 Geigen und ein Cello aus der Sammlung Weinsteins erklangen.

Auf dem Programm standen Werke von Gustav Mahler, Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven, die gerne bei Konzerten der Jüdischen Kulturbundes während der Nazizeit gespielt wurden. Ebenso erklangen die »Hebräische Melodie« von Joseph Achron, Max Bruchs »Kol Nidre« und die »Elegie« von Samuel Adler.

Das Stück »Violins of Hope« des israelischen Komponisten Ohad Ben-Aris, ein Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, rundete das Programm ab. Solist Zvi Plesse übernahm den Cellopart. Der Schauspieler Ulrich Matthes las Texte aus Elie Wiesels Die Nacht so eindringlich vor, dass im Anschluss völlige Stille herrschte.

häftlings-orchester Guy Braunstein, ehemaliger Konzertmeister der Philharmoniker und Initiator des Konzertes, wählte an diesem Abend ein Instrument, das ein unbekannter Häftling in Auschwitz gespielt hatte. Sechs sogenannte Häftlings-Orchester hatte es in diesem Vernichtungslager gegeben, die zum Ein- und Ausmarsch der Zwangsarbeiter, bei der Ankunft neuer Häftlinge, bei Hinrichtungen und beim Gang zur Gaskammer spielen mussten.

Dieser unbekannte Geigenbesitzer wollte nie wieder auf diesem Instrument spielen und tauschte es nach der Befreiung gegen Essen ein. Über Umwege gelangte es nach Tel Aviv in die Werkstatt Weinsteins. 1944 warf ein Mann, der aus Frankreich deportiert wurde, einem Bahnwärter seine Geige zu. »Da, wo ich hingebracht werde, brauche ich sie nicht mehr«, soll er gesagt haben.

Bach Der italienische Schiffsbauingenieur Gualtiero Morpurgo überlebte: Seine Geige, die die ihm seine Mutter geschenkt hatte, begleitete ihn durch die Flüchtlingslager, in denen er abends noch Werke von Bach spielte.

Ab 1945 reparierte er für die Alija Bet Schiffe, die Hunderte Holocaust-Überlebende nach Palästina brachten. Zwei Jahre vor seinem Tod beendete er sein Geigenspiel. Er starb mit 97 in Chile. Auch diese Geige wird in der Ausstellung »Violins of Hope – Verfolgte Juden und ihre Musikinstrumente« im Foyer des Kammermusiksaales gezeigt.

Zum Schluss des Abends führte Steinmeier einen gerührten Amnon Weinstein auf die Bühne. Weinstein wurde mit stehenden Ovationen geehrt. Dass diese Instrumente von den Berliner Philharmonikern gespielt wurden, sei für ihn Glück und Triumph, hatte er in einem Interview gesagt. »Die Nationalsozialisten wollten nicht nur Menschen töten, sie wollten die jüdische Kultur auslöschen. Und diese Geigen würden nun sagen: Wir sind hier. Für immer!«

www.berliner-philharmoniker.de/titelgeschichten/2014-2015/violinen-der-hoffnung

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