Wuligers Woche

Nikolausi? Osterhasi? Multikulti!

Als Höhepunkt des neuen Feiertages könnte auf Höhe der Gedächtniskirche die Schlacht um Jerusalem von 1967 nachgestellt werden. Foto: Thinkstock

Wuligers Woche

Nikolausi? Osterhasi? Multikulti!

Berlin sucht einen neuen gesetzlichen Feiertag

von Michael Wuliger  05.12.2017 11:24 Uhr

In Berlin, das bekanntermaßen sonst keine Probleme hat, wird gestritten, ob die Hauptstadt nicht einen zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag braucht. Ins Rollen gebracht hat die Debatte die AfD. Sie will den Reformationstag am 31. Oktober im Kalender verankern. Schließlich sei Berlin protestantisch. Zudem hätten Berliner Arbeitnehmer bundesweit die wenigsten arbeitsfreien Tage. Schon weil der Vorschlag von der Rechtspartei kam, wurde er im Abgeordnetenhaus natürlich mit großer Mehrheit abgelehnt.

Dem sozialpolitischen Aspekt aber wollten die anderen Fraktionen sich nicht verschließen. Welcher Politiker will sich schon Arbeitnehmerunfreundlichkeit nachsagen lassen? (Bis auf die FDP natürlich, die – pfui, neoliberal – meinte, bevor Berlin einen zusätzlichen Feiertag einführe, solle die Stadt erst einmal zur durchschnittlichen Wirtschaftskraft der übrigen Republik aufschließen.)

Und so diskutiert Berlin jetzt darüber, an welchem weiteren Tag im Jahr Beschäftigte ausschlafen dürfen. In der Diskussion sind unter anderem der 8. Mai (Befreiung vom Nationalsozialismus), der 23. Mai (Tag des Grundgesetzes) oder der 27. Januar (Befreiung von Auschwitz). Aus den Reihen der regierenden SPD kam zudem der Vorschlag, einen multireligiösen gemeinsamen Feiertag für Christen, Muslime und Juden einzuführen. Die Idee hat Charme. Zumal es ein solches Datum potenziell bereits gibt.

Interreligiosität Alljährlich am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan begehen radikale Islamisten weltweit den Al-Quds-Tag zur Befreiung Jerusalems vom zionistischen Joch. In Berlin sammeln sich an diesem Tag traditionell Anhänger des Mullah-Regimes und der Hisbollah (Muslime), unterstützt von biodeutschen Links- und Rechtsextremen (Christen?), am Adenauerplatz und marschieren den Kurfürstendamm herunter.

Ebenso traditionell stellen sich ihnen dort Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und andere Freunde Israels entgegen, unter ihnen ebenfalls Christen und vor allem Konfessionslose, die in der Berliner Religionsstatistik eh die größte Gruppe stellen. Für die notwendige Interreligiosität ist also gesorgt. Nur der Name sollte erweitert werden: »Al-Quds-/Jerusalemtag/Jom Jiruschlajim« hätte den nötigen multikulturellen Sound. Über das Copyright für den hebräischen Namen müsste man noch mit den Israelis verhandeln.

Als Höhepunkt des neuen Feiertages – und als weiteres touristisches Highlight nach Christopher Street Day und Karneval der Kulturen – könnten beide Gruppen dann auf Höhe der Gedächtniskirche die Schlacht um Jerusalem von 1967 nachstellen. Die endete bekanntlich mit einem jüdischen Sieg. Die unterlegene muslimische Seite würde sich geschlagen, aber unbelehrbar, zurückziehen und blutige Rache beim nächsten Mal schwören, nur um dann erneut auf die Schnauze zu fliegen. Die Christen dürften derweil vergeblich friedliche Verständigung beschwören. Und so weiter jedes Jahr, da capo al fine. Ganz wie im richtigen Leben.

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  21.07.2026