Ernährung

Morgens viel, abends wenig

Machen nur nachmittags dick: süße Kalorienbomben Foto: thinkstock

Wir schnallen den Gürtel weiter!», heißt es regelmäßig zu Beginn der Hohen Feiertage. Wie jedes Jahr bogen sich auch diesmal die Tische an Rosch Haschana unter den vielen Leckereien. Die Äpfel mit Honig dürften dabei noch das Leichteste und Gesündeste gewesen sein. Anschließend kam, ebenfalls wie jedes Jahr, das übliche Jammern und Klagen über kneifende Hosen und zu eng gewordene T-Shirts – und der Vorsatz, das neue Jahr mit einer Diät zu beginnen.

Wie lange dieser Vorsatz anhält, weiß jeder aus eigener Erfahrung. Da kommt eine neue Studie von Daniela Jakubowicz von der Sackler-Fakultät für Medizin und Diabetes am Wolfson Medical Center in Holon gerade recht. «Esst mehr», lautet das Credo der Professorin, «aber nur am Vormittag.» Mit zahlreichen Studien über die richtige Ernährung, um schlank zu werden und gesund zu bleiben, ist Jakubowicz zur Hohepriesterin des reichhaltigen Frühstücks avanciert.

Sogar den Konsum klassischer Dickmacher zur frühen Stunde empfahl sie bereits. Denn wer morgens Schokolade nascht oder zum Donut greift, sich aber sonst strikt an erlaubte Gesamtkalorienmengen für den restlichen Tag hält, brachte nach einer achtmonatigen Diät im Schnitt 20 Kilo weniger auf die Waage, so jedenfalls das Ergebnis einer ihrer Studien vor anderthalb Jahren.

Kalorien Jetzt hat Jakubowicz gemeinsam mit den Wissenschaftlern Julio Wainstein von der Universität Tel Aviv sowie Maayan Barnea und Oren Froy von der Hebräischen Universität in Jerusalem weitere Erkenntnisse zur Bedeutung des Frühstücks präsentiert. 93 Frauen, die nur aufgrund der Tatsache ausgewählt wurden, dass sie ziemliches Übergewicht hatten, erhielten zwölf Wochen lang eine 1400-Tageskalorien-Diät mit moderaten Kohlenhydrat- und Fettanteilen. Rund die Hälfte von ihnen konsumierte in diesem Zeitraum 50 Prozent der erlaubten Kalorien bereits am Morgen, 500 Kalorien am Mittag und magere 200 Kalorien am Abend.

In der zweiten Gruppe wurde die Reihenfolge auf den Kopf gestellt: 200 Kalorien zur frühen Stunde, 500 mittags und 700 als letzte Mahlzeit des Tages. Wie zu erwarten, purzelten bei allen irgendwann die Kilos. Aber die Frauen, die morgens ordentlich zugelangt hatten, speckten durchschnittlich um 17,8 Pfund ab und verloren rund 7,7 Zentimeter Hüftumfang, während die mit dem reichhaltigeren Abendessen lediglich 7,3 Pfund abnahmen und 3,6 Zentimeter weniger um die Hüfte hatten.

blutfette Das war nicht das einzige bemerkenswerte Resultat der Studie. «Dass ein protein- und kohlehydratreiches Frühstück wie ein Dämpfer für das bei Diäten so oft zu beobachtende gesteigerte Hungergefühl funktioniert, ist eigentlich längst bekannt und mehrfach belegt», bringt die Medizinerin die Ergebnisse auf den Punkt. «Die Gruppe mit dem reichhaltigen Frühstück zeigte darüber hinaus aber auch deutlich niedrigere Insulin-, Glukose- und Triglyceridwerte als die mit dem ausgiebigen Abendessen.»

Gerade Letztere gehören zu den Blutfetten, die einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen, wenn sie erhöht in Erscheinung treten. «Noch wichtiger war jedoch die Tatsache, dass die Frauen, die morgens ordentlich gefrühstückt hatten, keine großen Schwankungen in ihrem Blutzuckerspiegel aufwiesen, wie sie nach einer Mahlzeit normalerweise typisch sein können», so Jakubowicz.

«Diese Ausschläge sind noch gefährlicher als kontinuierlich hohe Werte, weil sie Bluthochdruck verursachen und damit eine größere Belastung für das Herz darstellen.» Und, was jeder Diätskeptiker gerne hören wird: «Das Frühstück muss nicht unbedingt aus den typisch als gesund geltenden Haferflocken oder Müsli bestehen», erklärt sie. «Wir konnten die gleichen Ergebnisse auch erzielen, wenn morgens Kuchen oder andere ›verbotene Dinge‹ auf dem Tisch standen.»

Eigenverantwortung Studien über das nachhaltige Abnehmen ohne große Quälerei werden immer wichtiger. Erst im Juni erklärte die American Medical Association (AMA) Übergewicht offiziell zu einer Krankheit, unter der allein in den Vereinigten Staaten fast 80 Millionen Erwachsene und zwölf Millionen Kinder und Jugendliche leiden.

Israelische Experten wie Elliot Berry, ein renommierter Ernährungswissenschaftler an der Hebräischen Universität, sehen diese Entscheidung mit gemischten Gefühlen. «Die Einstufung als Krankheit halte ich für äußerst kontraproduktiv, weil sie das Individuum von seiner Eigenverantwortung freispricht und diese dem Gesundheitssystem aufbürdet.» Zudem entstehe der Eindruck, als ob ein Kraut gegen die Fettleibigkeit gewachsen sei. «Aber es gibt kein Zaubermittel. Nur weniger essen und mehr Bewegung helfen nachhaltig.»

Das und seine Verhaltensweisen ändern. Morgens mehr zu essen als abends, sollte kein unüberwindbares Problem sein. Zumindest bis Chanukka: Latkes zum Frühstück dürften nicht jedermanns Sache sein.

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  12.08.2026

TV-Kritik

Geschäftsmodell Hass - ARD zeigt Serie über gewaltbereite Hooligans im israelischen Fußball

Die Dramaserie »Hooligans« blickt in den Abgrund rechtsextremer Fußballgewalt. Dass sie es ausgerechnet in Israel tut, macht den Achtteiler zur hochpolitischen Unterhaltung

von Jan Freitag  12.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Hamburg

Art Garfunkel kommt für ein Konzert nach Deutschland

Der Vorverkauf für den Auftritt in der Elbphilharmonie am 24. Oktober hat begonnen

 12.08.2026

Reportage

Unter die Haut

Für viele Jüdinnen und Juden ist ein Tattoo nicht nur Körperschmuck – sondern auch ein Bekenntnis zur eigenen Identität. Vier tätowierte Menschen erzählen

von Nicole Dreyfus  12.08.2026

Glosse

Der Rest der Welt

New Yorker Geschichten: Zu viele Bücher kann es gar nicht geben

von Katrin Richter  11.08.2026

Filmkritik

»Noga« - Porträt der Sängerin Noga Erez zeigt persönliches Ringen

Ein dokumentarisches Porträt der israelischen Musikerin Noga Erez, deren internationaler Erfolg seit dem Hamas-Massaker und den antiisraelischen Kulturattacken ausgebremst wird

von Kathrin Häger  11.08.2026

Literatur

Tomer Gardi und Dana Vowinckel für Deutschen Buchpreis nominiert

Die Jury hat die Auswahl der 20 Kandidaten bekanntgegeben. Unter ihnen sind auch bekannte Autoren mit jüdischem Hintergrund

 11.08.2026