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Marc Blitzstein

Der Komponist Marc Blitzstein (1905–1964) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

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Marc Blitzstein

Beim Musikfest Berlin wird die »geometrische Oper« des amerikanisch-jüdischen Komponisten aufgeführt

von Stephen Tree  19.09.2025 13:15 Uhr

Marcus Samuel Blitzstein, Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Philadelphia, ist ein musikalisches Wunderkind, das schon mit sieben Jahren Mozart konzertreif spielen kann. Er studiert Anfang der 1920er-Jahre in Europa Komposition, um danach in Amerika ein bekannter »linker« Avantgarde-Komponist zu werden, der für den aufstrebenden Regiestar Orson Welles Schauspielmusiken und Gewerkschaftsopern schreibt und die Dreigroschenoper für das amerikanische Publikum adaptiert.

Blitzstein ist ein wichtiger Mentor seines 13 Jahre jüngeren Schülers und Freundes Leonard Bernstein. Offen schwul, heiratet er 1933 die Künstlertochter und Schriftstellerin Eva Goldbeck, die er 1936 an ihre Magersucht verliert. Die letzte Arbeit von Blitzsteins umfangreichem Werkkatalog, ein Opernabend nach zwei Kurzgeschichten von Bernard Malamud, muss von einem Schüler vollendet werden, nachdem Blitzstein 1964 im Alter von 58 Jahren nach einer Kneipentour auf Martinique gewaltsam zu Tode kam.

Wie sehr Marc Blitzstein seiner Fähigkeit zur musikalischen Umsetzung vertraute, zeigt sich an seiner 1929/30 für das Bauhaus Dessau komponierten »geometrischen Oper«, die erst vor Kurzem im Bauhaus-Archiv wiederentdeckt wurde: die Geschichte der großen Liebe von »Parabola« (Parabolkurve) und »Circula« (Kreis), die zwei Kinder, »Rectangula« (Rechteck) und »Intersecta« (Punkt) haben. Eine glückliche Familie, bis Parabola, angestiftet durch die Figuren Prisma, Linie und Geodäsie (Erdvermessung), die geometrische Vollkommenheit ihres Partners nicht mehr ertragen kann und ihn durch einen aggressiven Vektor zerstört, worauf die armen Kinder Rectangula und Intersecta verwaist und verzweifelt zurückbleiben.

Das Musikfest Berlin widmet Marc Blitzstein am kommenden Sonntag zwei Konzerte in der Philharmonie: nachmittags unter dem Motto »From Bauhaus to Broadway« und am Abend mit der Welturaufführung von Parabola and Circula durch das norwegische Norrköping Symphony Orchestra, gefolgt von Leonard Bernsteins 2. Symphonie.

Ausstrahlung im Deutschlandfunk Kultur am 25. September um 20 Uhr

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