Medizin

Magneten gegen die Sucht

Wunschtraum vieler: den Drang zur Kippe einfach löschen Foto: Illustration: Janine Martini

Medizin

Magneten gegen die Sucht

Per Hirnstimulation lässt sich das Verlangen nach Zigaretten reduzieren

von Ralf Balke  06.01.2014 17:10 Uhr

Schluss mit dem Rauchen, ich werde damit aufhören!» Gerade zu Beginn des neuen Jahres verkünden viele Zigarettenjunkies, ihrer Sucht nun für immer Lebewohl sagen zu wollen. Doch was helfen die besten Vorsätze, wenn der Wille schwach bleibt? Viele greifen dann zu Hilfsmitteln wie Nikotinpflastern oder hoffen, mittels Akupunktur ihre Entzugserscheinungen irgendwie in den Griff zu kriegen, meist jedoch ohne Erfolg. Wer eine Schachtel und mehr am Tag raucht, dem fällt das Aufhören ganz besonders schwer.

Schließlich ist Nikotin ein äußerst heimtückisches und gefährliches Nervengift, das eigentlich dem Schutz der Tabakpflanze vor Insekten dient. Es erzeugt sehr rasch eine starke Abhängigkeit und ist daher von seinem Suchtpotenzial durchaus mit Heroin zu vergleichen. Kein Wunder, dass Raucher mit einem hohen Tabakkonsum besonders große Probleme haben, die Finger endgültig vom Glimmstengel zu lassen. Wer deshalb Hilfe beim Entwöhnen sucht, sollte sein Augenmerk jetzt auf einen ganz neuen Therapieansatz aus Israel richten. Magnetstimulation lautet das Zauberwort.

Nikotin«Durch diese nichtinvasive Methode können wir das Verlangen nach Nikotin und damit den Drang zur nächsten Zigarette deutlich reduzieren», erläutert Abraham Zangen. «Die Stimulation bestimmter Regionen im Gehirn, die in Verbindung mit der Nikotinsucht stehen, kann helfen, die bestehende Abhängigkeit zu reduzieren», so der Neurowissenschaftler von der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva, «oder sogar ganz aufzuhören.»

Denn wer Nikotin inhaliert, manipuliert damit sein Belohnungssystem im Gehirn. Innerhalb weniger Sekunden gelangt das Gift via Blutkreislauf dorthin und dockt an speziellen Rezeptoren an, die anschließend die verstärkte Ausschüttung des Glückshormons Dopamin bewirken, das auf den Raucher so beruhigend und entspannend wirkt oder seine Konzentration erhöht.

Dopamin Wer aber von heute auf morgen nicht mehr zum Glimmstengel greift, dessen Gehirn schlägt Alarm, weil ihm plötzlich dieser Glücklichmacher Dopamin fehlt. Dann folgen die typischen Entzugssymptome, die sich in einer verstärkten Unruhe bis hin zu gesteigerter Aggressivität oder Depressionen manifestieren können. «Genau dieser Teufelskreislauf aber wird durchbrochen, weil wir unser Augenmerk genau auf das Belohnungssystem richten und seine Mechanismen zu imitieren versuchen», erklärt Zangen.

Für seine Pilotstudie rekrutierte er 115 Personen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 21 und 70 Jahren. Grundvoraussetzungen für eine Teilnahme: Alle Probanden mussten zum Kreis der Heavy User unter den Rauchern zählen und mindestens 20 Zigaretten am Tag konsumieren. Zudem mussten sie alle schon zweimal oder öfter mithilfe von Nikotinpflastern oder anderen Hilfsmitteln erfolglos versucht haben, sich von ihrer Abhängigkeit zu befreien.

Zangen verteilte die Teilnehmer auf drei Gruppen. Die erste wurde zwei Wochen lang fünfmal pro Woche für genau 15 Minuten mit einer Hochfrequenz-Magnetstimulation behandelt, in der dritten Woche reduzierte sich die Zahl der Sitzungen auf drei. Die zweite Gruppe bekam in derselben Taktung eine Niedrigfrequenz-Magnetstimulation. Den Rauchern in der dritten Gruppe sagte man zwar, dass ihr Gehirn in einer Reihe von Sitzungen ebenfalls magnetisch stimuliert werde, in der Realität aber blieben die Geräte ausgeschaltet, sodass ein Placeboeffekt erzeugt wurde.

Testreihen Darüber hinaus wurde vor jeder Therapiesitzung die Hälfte aller Teilnehmer der Pilotstudie mit einem visuellen Reiz konfrontiert, indem jemand aus Zangens Team vor ihren Augen eine Zigarette anzündete und genüsslich ein paar Züge paffte. Danach nahm der Forscher Teile der Großhirnrinde ins Visier und setzte sie einer wiederholten sogenannten transkraniellen Magnetstimulation aus, die ebenfalls bei der Behandlung von Tinnitus, Epilepsie oder Depressionen zum Einsatz kommen kann.

Die besten Resultate erzielte die Gruppe derjenigen, die sowohl dem visuellen Reiz als auch der Hochfrequenz-Magnetstimulation ausgesetzt waren. 44 Prozent überwanden ihre Sucht, mehr als ein Drittel davon dauerhaft. Den übrigen gelang es nachhaltig, ihren Tabakkonsum um durchschnittlich 28 Prozent zu reduzieren.

Der offensichtliche Erfolg der Forscher aus Beer Sheva führte dazu, dass ihr Therapieansatz nun weltweit in 15 medizinischen Zentren mit weiteren Testreihen unter die Lupe genommen wird. «Wenn man die magnetische Stimulation mit Methoden der Nikotinsubstituierung kombiniert, müssten die Resultate sogar noch deutlich besser ausfallen», glaubt der Mediziner Alan Manevitz vom Lenox-Hill-Hospital in New York. Nur auf die Frage, wie es in diesem Kontext mit der häufig bei Ex-Rauchern zu beobachtenden Gewichtszunahme bestellt ist, weiß keiner der Forscher eine Antwort.

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  04.02.2026

Zahl der Woche

2000 Jahre

Fun Facts und Wissenswertes

 04.02.2026

Programm

Colloquium, Konservatorium, Mysterium: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. Februar bis zum 12. Februar

 04.02.2026

Australien

Gil Ofarim entschuldigt sich bei Leipzig und Sachsen

Die zwölfte Folge des »Dschungelcamps« im Überblick

von Martin Krauss  04.02.2026

»Stefan Raab Show«

RTL löscht »Betrüger-Gen«-Clip über Gil Ofarim

Nach Berichterstattung der »Jüdischen Allgemeinen« reagiert der Privatsender

 03.02.2026

Fernsehen

Empathie im Dschungelcamp: Und dann reicht Gil Ariel die Hand

Die elfte Folge steckte voller Überraschungen

von Martin Krauß  02.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Kino

»Disclosure Day«: Steven Spielberg bringt neuen Alien-Film ins Kino

Der jüdische Regisseur legt mit seinem neuen Sci-Fi-Drama ein geheimnisvolles Werk vor, das einen ganz neuen Ansatz verfolgen soll

 02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert