Interview

»Kein Recht auf Fördermittel für antisemitische Kunst«

Joe Chialo (CDU) Foto: Hans-Christian Plambeck

Herr Chialo, Künstler in Berlin müssen neuerdings Stellung gegen Antisemitismus beziehen, wenn sie öffentlich gefördert werden wollen. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, diese Antidiskriminierungsklausel durchzusetzen?
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat im März 2019 das Landeskonzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention verabschiedet. In der damaligen Umsetzungsstrategie war bereits ein Passus für Zuwendungsbescheide angedacht. Das wurde jedoch nicht umgesetzt. Dann kam der 7. Oktober. Eine Zäsur – nicht nur in Israel, sondern auch in Berlin. Nach diesem Tag war klar, dass jetzt endlich realisiert werden muss, was im Abgeordnetenhaus bereits 2019 beschlossen wurde. »Nie wieder« ist jetzt und nicht übermorgen. Der Part zur Antidiskriminierung ist bereits im Landesantidiskriminierungsgesetz klar definiert und geregelt, daher haben wir in der Klausel den Schwerpunkt auf die Definition von Antisemitismus gelegt.

Werden neue Stellen beim Senat geschaffen, um die Klausel umzusetzen?
Nein. Die Förderrichtlinien werden entsprechend ergänzt, und es gibt eine verpflichtende Selbsterklärung für die Zuwendungsempfänger. Die Klausel enthält kein grundsätzliches Verbot. Veranstaltungen werden wie bisher von den Kultureinrichtungen, Projekten und Künstlern selbst gestaltet. Wenn sich eine Einrichtung, ein Projekt oder eine Künstlerin oder ein Künstler unsicher sind, ob ein Projekt, ein Exponat oder eine Ausstellung möglicherweise bestimmte Ismen erfüllt, so kann die Frage mit der zuständigen Ansprechperson in meinem Haus besprochen werden.

Kulturverbände sprechen von einer Gesinnungsklausel …
In Teilen der Kulturszene trifft die Einführung der Klausel in der Tat auf große Kritik. Eines ist völlig klar: Die Kunstfreiheit muss natürlich gewahrt bleiben, und das wird sie auch. Es gibt aber kein Recht auf eine Bewilligung von Fördermitteln aus Steuergeldern, schon gar nicht für diskriminierende oder antisemitische Kunst. Dementsprechend gibt es auch sehr viele sehr positive Rückmeldungen. Einige Bundesländer und Städte haben bereits bei uns nachgefragt. Die Diskussion über die Einführung einer Klausel ist mir bereits aus anderen Bundesländern bekannt, und ich bin mir sicher, dass nach Schleswig-Holstein und Berlin nun weitere folgen werden. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Kritiker halten eine Orientierung an der Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) nicht für allein maßgeblich, um Kulturförderung zu rechtfertigen. Was erwidern Sie?
Bereits das Berliner Landeskonzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention von 2019 nimmt auf die IHRA-Definition Bezug. Der Deutsche Kulturrat hat die IHRA Ende 2023 allen Kultureinrichtungen zur Annahme empfohlen. Eine Definition, auf die sich alle einigen, wird es wohl nie geben. Die Klausel soll klar die rote Linie in Bezug auf Diskriminierung und Antisemitismus aufzeigen. Natürlich ist das gesamte Thema sehr komplex, viel diskutiert, streitbar. Aber gerade das Existenzrecht Israels ist an dieser Stelle nicht verhandelbar. Davon abgesehen, werden wir viele Befürchtungen in Bezug auf die Klausel und eine Einschränkung der Kunst- oder Meinungsfreiheit in Gesprächen und Dialogformaten ausräumen können.

Die Fragen stellte Ayala Goldmann.

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  17.04.2026

Rebecca Zlotowski

»Womöglich bin ich Masochistin«

Ein Gespräch über ihren Film »Paris Murder Mystery« und Drehs mit Jodie Foster und Natalie Portman

von Patrick Heidmann  17.04.2026

Streaming

Schichtende bei »The Pitt«

Die letzte Episode der zweiten Staffel der erfolgreichen Krankenhaus-Serie ist nun bei HBO zu sehen – Fans warten auf die dritte Staffel

von Katrin Richter  17.04.2026

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

Paris

Einen Picasso für 100 Euro gewonnen

Das Auktionshaus Christie’s hat ein Gemälde des berühmten Malers für einen wohltätigen Zweck verlost. Gewonnen hat ein 59-Jähriger aus Paris

von Nicole Dreyfus  16.04.2026

»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Nach 16 Jahren Pause geht es weiter mit der amerikanischen Krankenhaus-Serie. Aber funktioniert das Konzept noch?

von Ralf Balke  16.04.2026

Kulturkolumne

Wenn der Moderator nur sich selbst hört

Armin Laschet und die Absicht, ein Interview zu geben: Über Ambiguitätstoleranz im Deutschlandfunk

von Maria Ossowski  16.04.2026

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026