Berlin

Jüdische Geschichten

Jehoschua Sobol Foto: Uwe Steinert

Sein Theaterstück Ghetto machte ihn 1984 weltbekannt – nun war der israelische Dramatiker Jehoschua Sobol bei der Bildungsabteilung des Zentralrat der Juden in Berlin zu Gast. Den Teilnehmern der Tagung »Jüdische Geschichten – Zwischen Tradition und Moderne/ Israelische und jüdische Literatur im Fokus«, die von der Bildungsabteilung organisiert wurde, stellte der 73-jährige Sobol sein Oeuvre vor – in mehrstündigen Gesprächen, die von der Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg moderiert wurden.

Dabei betonte der Theater- und Romanautor Sobol, der als scharfer Kritiker israelischer Extremisten bekannt ist, Geschichten seien niemals ganz wahr: »Der israelische Narrativ und der palästinensische Narrativ führen zu einem tödlichen Zusammenstoß. Nur wenn man bereit ist, zuzugeben, dass die eigene Geschichte nicht bis ins Detail stimmt, kann man zusammenleben.« Frieden, so Sobol, sei immer noch machbar: »Wir Juden haben schon viele unmögliche Situationen möglich gemacht.«

Lebenswerk Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung, sagte, Sobol habe den mehr als 50 jüdischen Tagungsteilnehmern aus ganz Deutschland einen »Einstieg in sein Lebenswerk« gezeigt, der sehr neugierig mache. Auch heute sei Sobol in Deutschland weiterhin präsent – etwa mit einem neuen Theaterstück über Joseph Süß Oppenheimer in Stuttgart.

Sobol, der von seiner Großmutter Jiddisch gelernt hat und fließend Deutsch spricht, zeigte sich wiederum angetan von seinem Publikum, das bei drückender Hitze seine Plätze bis zum späten Donnerstagabend nicht verließ, um Videoaufzeichnungen von Sobols Inszenierungen Ghetto, Schuster und Schneider sowie Alma zu verfolgen: »Sie hatten sehr viel Geduld«, sagte der Dramatiker.

Definition Am Mittwochabend hatte Anat Feinberg, Professorin für Hebräische und Jüdische Literatur an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die Literaturtagung eröffnet – mit der offenen Frage, wie jüdische Literatur zu definieren sei. Im Anschluss las der junge Lyriker Max Czollek aus Berlin aus seinem Gedichtband Druckkammern.

Am Donnerstag setzten sich die Seminarteilnehmer in mehreren Workshops mit deutsch-jüdischer, russisch-jüdischer und israelischer Literatur und Sprache auseinander. Gekennzeichnet waren die Workshops von offenen und teilweise sehr persönlichen Diskussionen, bei der nicht das Vorwissen, sondern die Freude an den Texten im Vordergrund stand – und der eigene Bezug zu »jüdischen« und israelischen Themen. »Wir wollen keine Experten und Besserwisser, sondern wir wollen Spaß an der Literatur haben«, sagte Feinberg.

Mehr dazu in der nächsten Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen

Social Media

Gil Ofarim dankt neuen und alten Fans

Der Musiker liefert eine Erklärung für die Stille, die ihn seit seinem Sieg beim Dschungelcamp umgibt

 12.07.2026 Aktualisiert

Kultur

Festival Yiddish Summer in Weimar gestartet

Der 26. Yiddish Summer Weimar widmet sich in diesem Jahr den bislang wenig beachteten Stimmen jiddischsprachiger Frauen. Auf dem Programm stehen 97 Veranstaltungen, darunter drei Uraufführungen

von Jens Büttner  12.07.2026

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  12.07.2026 Aktualisiert

Kooperation

Eins plus eins ist mehr als zwei

Die deutsch-israelische Forschungsstiftung GIF feierte ihr 40-jähriges Jubiläum auf Schloss Elmau

von Gabriele Hermani  12.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Eine Tracking-App, eine Banane und wie der Sommer richtig gut wird

von Margalit Edelstein  12.07.2026

Aufgegabelt

Malabi-Eis

Rezepte und Leckeres

 12.07.2026

Musik

Der Mann, der die 13 fürchtete

Zum 75. Todestag des Komponisten Arnold Schönberg

von Axel Brüggemann  10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026