Toronto

Israelischer Comedian wird stundenlang am Flughafen festgehalten

Toronto Foto: picture alliance / Anadolu

Der israelische Comedian Guy Hochman konnte wegen eines Protestes von israelfeindlichen Aktivisten in New York nicht auftreten. Laut »Ynet« informierte er seine Fans darüber, indem er schrieb, eine »propalästinensische« Demo habe vor dem Veranstaltungsort stattgefunden. Die Teilnehmer hätten den Eingang blockiert. Daraufhin habe die Polizei entschieden, das Event nicht stattfinden zu lassen.

Ein erhebliches Problem hatte Hochman auch im kanadischen Toronto. Laut »The Canadian Jewish News« gab es »erhebliche Spannungen« rund um seinen einzigen Auftritt im Land. Der Comedian wurde demnach bei seiner Einreise am Flughafen Pearson über mehrere Stunden von den kanadischen Grenzbehörden festgehalten. Offiziell sprach die zuständige Behörde von einer routinemäßigen »sekundären Inspektion«.

Hochman selbst erklärte jedoch, ihm sei gesagt worden, dass mehrere Anwälte und Organisationen – darunter die Hind Rajab Foundation und Canadian Lawyers for International Human Rights – Beschwerden gegen ihn eingereicht hätten. Hintergrund seien seine öffentlichen Auftritte und Videos im Zusammenhang mit dem von der Hamas begonnenen Krieg im Gazastreifen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Hilfe von Sa’ar

Nach eigenen Angaben durfte Hochman erst weiterreisen, nachdem er Israels Außenminister Gideon Sa’ar kontaktiert hatte. Kurz darauf sei ein Vertreter des israelischen Konsulats erschienen. Die israelische Botschaft in Kanada bestätigte den Vorfall, wollte sich aber nicht zu Details äußern. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es lediglich, Hochman sei befragt worden und habe anschließend wie geplant nach Kanada einreisen dürfen.

Der Auftritt selbst im Prosserman Jewish Community Centre in North York (Ontario) begann mit etwa einer Stunde Verspätung, unter anderem wegen umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen. Vor dem Gebäude demonstrierten mehrere israelfeindliche Gruppen. In Aufrufen bezeichneten sie Hochman als »Kriegsverbrecher« und warfen ihm vor, Gewalt im Gazastreifen zu verherrlichen.

Der Veranstaltungsort liegt auf einem großen jüdischen Campus, für den seit Sommer 2025 eine sogenannte »Bubble Zone« gilt, die Demonstrationen in unmittelbarer Nähe einschränkt. Dennoch kam es zu lautstarken Protesten.

Manager leicht verletzt

Nach der Show konfrontierte Hochman die Demonstranten selbst. In Videos, die er veröffentlichte, ist zu sehen, wie er den Besuchern dankt und den Protestierenden Parolen entgegenruft. In einem weiteren Clip wird ein Mann gezeigt, der offenbar versucht, auf Hochman und dessen Begleiter loszugehen, bevor er von der Polizei zu Boden gebracht wird. Hochman erklärte, sein Manager sei dabei leicht verletzt worden, der Angreifer festgenommen.

Lesen Sie auch

Die Proteste und der Polizeieinsatz führten später auch zu einer Festnahme aufseiten von Hochmans Unterstützern. Ein jüdischer Aktivist wurde von der Polizei wegen Körperverletzung angezeigt. Die Polizei erklärte, es werde geprüft, inwieweit die geltenden Auflagen der »Bubble Zone«-Regelung eingehalten worden seien. Stadt und Polizei betonten, dass die Verordnung zwar den Zugang zu sensiblen Einrichtungen schützen solle, friedliche Proteste jedoch grundsätzlich erlaube.

Parallel zu den Ereignissen in Toronto versuchten dem Bericht zufolge mehrere Organisationen, Hochmans Auftritte auch in den USA zu verhindern. Die Hind Rajab Foundation kündigte an, bei den amerikanischen Behörden auf ein Einreiseverbot für den Comedian zu drängen. Der Vorwurf: Er verherrliche Kriegsverbrechen und sei selbst an der Zerstörung der Raed-al-Altar-Moschee im Gazastreifen beteiligt gewesen.

Als angebliche Beweise publizierte die Stiftung Ausschnitte aus Hochmans Social-Media-Accounts. Der angebliche Beweis für seine Teilnahme an der Zerstörung der nach einem Hamas-Kommandeur benannten Moschee besteht aus einem 13-sekündigen Videoclip. Darin wirft ein Soldat, der Hochman ähnlich sieht, ein blaues Paket in die Luft. Die Explosion der Moschee ist nicht zu sehen. Die Hamas hat in der Vergangenheit immer wieder Moscheen für militärische Zwecke missbraucht. ja

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026

Kulturkolumnne

Bis 120 oder Wie wir doch noch zu Muskeljuden werden

In der heutigen Zeit ziehen körperliche Optimierungstrends nicht spurlos an uns vorbei. Sollen wir uns davon beherrschen lassen?

von Laura Cazés  05.11.2026

Kino

Im Angesicht der Schmerzen, der Angst und Scham

»Block 10« beleuchtet die medizinischen Experimente an Frauen in Auschwitz – und versteht sich auch als eine Antwort auf die Gegenwart

von Chris Schinke  05.11.2026