Kunst

»Ich mag das Internationale«

Herr Avital, Sie sind internationaler Direktor der Kibbutz Contemporary Dance Company (KCDC) und spielen als Musiker in Ihrer Band »The Shuk«. Wie bringen Sie diese beiden Welten unter einen Hut?
Mit Leidenschaft und einem Ziel. Ich habe die Welt des Tanzes durch meine Frau Dorry Aben, die bereits professionell in Amsterdam tanzte, als wir uns 2008 das erste Mal trafen, kennengelernt. Sie träumte davon, bei der Kibbutz Contemporary Dance Company zu tanzen, und kurz nachdem sie der Kompanie beigetreten war, zogen wir in das International Dance Village im Kibbuz Ga’aton, wo sowohl professionelle Tänzer als auch Tanzstudenten aus aller Welt leben, kreativ sind, studieren und arbeiten. Es gibt tatsächlich einige überschneidende Themen und Überzeugungen zwischen den Werten der Kibbuz Contemporary Dance Company und meiner Band »The Shuk«. Beide versuchen, durch die Kunst, Menschen aus der ganzen Welt und mit allen Herkünften in Kontakt zu bringen.

Was zeichnet Ihre Musik aus?
»The Shuk« hat eine große Bandbreite an eklektronisch-jüdischer »Roots«-Musik aus der ganzen Welt. Wir verbinden Elemente aus Ethno, World, Jazz, Progressive, Rockmusik und Vielem mehr. Das spielen wir von Anfang an, also seit 2008, bei Auftritten in Theatern, Synagogen, Gemeinden und Veranstaltungen aller Art in über 30 Ländern. Es ist wirklich etwas Besonderes, wenn man einen Live-Auftritt vor Hunderten oder Tausenden mit einem intimieren, interaktiven und experimentelleren Workshop oder einem Kabbalat Schabbat in einer jüdischen Gemeinde, einer Synagoge oder bei einer größeren Konferenz verbinden kann. Aber man ganz abgesehen von Musik oder Tanz: Ich genieße den internationalen Aspekt meiner Arbeit. Die Kibbutz Contemporary Dance Company bietet zwei große Tanzprogramme. Eines ist ein Intensiv-Programm für 400 Tänzerinnen und Tänzer während des Sommers im International Dance Village, das sowohl für Abiturienten als auch für Studenten geeignet ist. Das andere ist »Dance Journey«, ein professionelles Auslandsstudienprogramm, das aufstrebenden und professionellen Tänzern eine echte Chance bietet, nebenbei bei einer der weltweit führenden Tanzkompanie zu studieren.

Israel hat viele berühmte Tanzkompanien. Was ist das Erfolgsgeheimnis des israelischen Tanzes?
Tanz spielte und spielt in der israelischen Kultur eine große Rolle. Es gibt ohnehin immer wieder bedeutende Veränderungen in Kunst und Kultur, sei es in der Musik, dem Tanz, der bildenden Kunst, beim Film oder beim Theater. Das einzigartige historische, religiöse und politische Klima Israels trägt sicherlich zur Tanzkultur und zu der Tatsache bei, dass Israels Tanzszene eine der stärksten der Welt ist.

Woher kommt dieser gewisse Dreh in den Choreografien von Ohad Naharin oder auch Rami Be’er?
Be’er ist ein vielfältiger Künstler durch und durch, der sich nicht nur mit Choreografie, sondern auch mit Licht, Bühnenbild, Kostüm und Musik beschäftigt. Er ist ein Meister der Bühne und dies ist ein wesentlicher Faktor für seine internationale Bekanntheit und seinen Erfolg. Als Sohn von Schoa-Überlebenden, der im Kibbutz Ga’aton geboren und aufgewachsen ist, lässt sich Be’er von allem inspirieren, was ihn umgibt, von der Natur im westlichen Galiläa bis hin zu der Diversität der Tänzer in der Kompanie, die aus Israel und aus der ganzen Welt kommen. Aber ganz klar, wird Be’er auch durch seine Erziehung in Israel und unserer Realität im Land geprägt.

Inwiefern?
Ich weiß nicht, ob man es die Überlebensmentalität nennen kann, aber Israel ist ein innovatives Land. Von der High-Tech-Industrie bis hin zur Kunst. Es ist ein Land, in dem die Menschen herausgefordert und ermutigt werden, über den Tellerrand zu sehen und – sowohl körperlich als auch mental – über sich hinaus zu wachsen.

Sie treten überall auf der Welt auf: Mussten Sie Erfahrungen mit der BDS-Bewegung machen?
Das betrifft uns nicht. Wir konzentrieren uns eher darauf, durch die Kunst Brücken zu bauen, als durch die Politik Grenzen zu errichten. Wir bekommen E-Mails von libyschen, iranischen, libanesischen Tänzern, die entweder bei uns studieren oder in der Kompanie tanzen wollen. Wir entwickeln Programme für arabische Tänzer, die sonst nicht die Möglichkeit hätten, in diese faszinierende Welt einzutauchen.

Mit Yoni Avital sprach Katrin Richter.

www.the-shuk.com
www.kcdc.co.il

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