Lesen!

Hund und Katze

In ihrem neuen Buch schaut die jüdische Autorin Eva Lezzi weit über den Tellerrand ihrer eigenen Community hinaus

von Ayala Goldmann  13.02.2021 18:30 Uhr

In ihrem neuen Buch schaut die jüdische Autorin Eva Lezzi weit über den Tellerrand ihrer eigenen Community hinaus

von Ayala Goldmann  13.02.2021 18:30 Uhr

Die erste Überraschung ist das Cover: Eva Lezzis neues Jugendbuch heißt Kalter Hund – zu sehen ist eine schwarze Katze. Nicht der einzige Spagat in der Geschichte, die sich um die 16-jährige Berlinerin Gülay alias Gabi und ihre Abenteuer dreht. Auch die Handlung, in der Gülay wie eine Katze sieben Leben hat, lässt scheinbar unvereinbare Charaktere aufeinandertreffen.

Auf der Flucht vor ihren anstrengenden Eltern, der magersüchtigen Schwester und den Erwartungen ihres braven Freundes, der sie unbedingt dazu bringen will, die nur knapp bestandenen MSA-Prüfungen zu wiederholen, flüchtet sich Güley in die Arme von Hacke, eines Ur-Berliners, der sich leider als Anhänger einer Neonazi-Gruppierung herausstellt.

identität Obwohl Gülay sich ihm als »Gabi« vorstellt, kommt ihre Identität schnell ans Licht: »Bin nämlich Dreiviertel-Türkin, jedenfalls, wenn man so beknackt mit den Großeltern rumrechnet wie die Nazis. Dreiviertel-Türkin trotz deutscher Staatsbürgerschaft und roten Haaren«, sagt Gülay über sich.

Beide sind so verliebt, dass sie ignorieren, was sie trennt – doch dann beteiligt sich Hacke, der »kalte Hund«, an einem Überfall auf einen Asia-Imbiss, bei dem »nebenbei« eine junge Türkin halb zu Tode geprügelt wird.

Gülay hat den Abend des Überfalls in Hackes Wohnung verbracht – wird sie gegen ihn aussagen?

»Bleib weg, Kätzchen«, warnt er Gülay, die tatsächlich weit weg fliegt – zu ihrer langweiligen Tante Hatice nach Istanbul. Während sich die 16-Jährige dort nach neuen Abenteuern umschaut, erreicht sie schon eine Vorladung des Kriminalgerichts in Berlin-Moabit: Hacke und seinen Freunden wird wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung der Prozess gemacht. Gülay hat den Abend des Überfalls in Hackes Wohnung verbracht – wird sie gegen ihn aussagen?

Ob solche Gerichtsverfahren immer so schnell beginnen? Davon abgesehen: In Kalter Hund schaut die jüdische Autorin Eva Lezzi – wie schon in ihrem Jugendbuch Die Jagd nach dem Kidduschbecher – weit über den Tellerrand ihrer eigenen Community hinaus. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite!

Eva Lezzi: »Kalter Hund«. Hentrich & Hentrich, Berlin 2021, 164 S., 12,90 €. Empfohlen ab 14 Jahren. Die Buchvorstellung ist online zu sehen.

»I Dance, But My Heart is Crying«

Der Sound des Scheunenviertels

Der Film des Regisseurs Christoph Weinert feierte in Berlin seine Premiere

von Florentine Lippmann  12.04.2024

Fernsehen

»Die Zweiflers« räumen in Cannes ab

Die Serie erzählt die Geschichte einer jüdische Familie und von deren Delikatessengeschäft in Frankfurt

 12.04.2024

Musikalischer Botschafter

Yuval begeistert Jury und Publikum in »The Voice Kids«

In der SAT1-Musikshow sang er den Song »Yasmin« der israelischen Band »Hapil Hakachol«

 11.04.2024

Kino

Amy Winehouse und der Davidstern

»Back to Black« geht auch den jüdischen Wurzeln der Sängerin nach

von Jens Balkenborg  11.04.2024

Sehen!

»Ein Glücksfall«

Der neue Film von Woody Allen ist nett anzusehen, doch einen wirklichen Drive entwickelt er nicht

von Jens Balkenborg  11.04.2024

Kino

»Helen Mirren ist ein fantastischer Anker«

Der deutsch-schweizerische Regisseur Marc Forster über seinen Film »White Bird« mit der britischen Oscar-Preisträgerin

von Patrick Heidmann  11.04.2024

Antilopen Gang

Oktober in Europa

Ein Raptrack gegen Antisemitismus mischt die linke Szene auf – und erntet Lob aus ungewöhnlicher Richtung

von Mascha Malburg  11.04.2024

Berlinale-Skandal

Ist etwa das ZDF an allem schuld?

Der Ausschuss für Kultur und Medien arbeitete den Antisemitismus-Eklat beim Filmfestival auf – oder auch nicht

von Michael Thaidigsmann  11.04.2024

Nachruf

Richard Serra, ein Poet des Stahls

Zum Tod des Bildhauers Richard Serra

von Katharina Cichosch  10.04.2024