Andrea Kiewel

»Sollen die Israelis sich abschlachten lassen?«

Moderatorin Andrea Kiewel bei der Saison-Eröffnung des ZDF-Fernsehgartens im Mai Foto: picture alliance / DeFodi Images

Andrea Kiewel

»Sollen die Israelis sich abschlachten lassen?«

Die »Fernsehgarten«-Moderatorin äußert sich im »Zeit«-Magazin erneut deutlich politisch zu ihrer Wahlheimat

 08.07.2025 16:58 Uhr

ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel hat dem »Zeit«-Magazin ein ausführliches Interview über ihr Leben zwischen ZDF-»Fernsehgarten« und Bunker gegeben. Die 59-Jährige pendelt seit Jahren zwischen Tel Aviv und Mainz – auch in Kriegszeiten. Inzwischen ist sie mit ihrem israelischen Partner verlobt.

Gegenüber dem Chefredakteur des Magazins, Sascha Chaimowicz, dessen Vater Kind polnischer Holocaust-Überlebender ist, äußerte sie sich nun erneut deutlich politisch zu ihrer Wahlheimat.

»Ich bin emotional erschöpft vom Besorgtsein«, gesteht Kiewel. Nicht erst seit den Raketen aus dem Iran, sondern seit dem 7. Oktober sei Israel wie ein Patient auf der Intensivstation »Manchmal schlägt die Therapie an, und dann gibt es wieder schlimme Rückfälle.« Wenn die Sirenen in Tel Aviv heulen, erzählt Kiewel, renne sie aus dem fünften Stock in den Keller ihres Hauses »wie um mein Leben«.

Verlobung mitten im Krieg

Noch während der iranischen Angriffe reiste Kiewel über den Landweg nach Ägypten und flog nach Deutschland, um den »Fernsehgarten« zu moderieren. Doch statt über den Krieg zu sprechen, hielt sie ihren Verlobungsring in die Kamera: »Ich wollte den Menschen sagen: Schaut mal, was ich für ein großes Glück habe. Ich bin gebettet in Liebe.« Ihr Partner, ein ehemaliger Soldat, der nach dem Hamas-Angriff als Reservist reaktiviert wurde, schaute aus Israel zu.

Auf die Bemerkung des Interviewers, viele dächten bei israelischen Soldaten zuallererst an Kriegsverbrechen, kontert Kiewel: »Wer nicht versteht, dass dieses Land sich verteidigen muss, den frage ich: Was erwartet ihr eigentlich? Sollen die Israelis sich einfach abschlachten lassen?« Und erinnert: »Die Hamas ist noch nicht zerschlagen. Sie hält immer noch Dutzende Geiseln.«

Kiewel bekräftigt Israels Bedrohung durch Iran

Wie die Mehrheit der Israelis habe sie auch den Angriff auf den Iran befürwortet. Sie ist sich sicher: Hätte das iranische Regime es geschafft, Atomsprengköpfe zu bauen, »wäre Israel ausradiert worden.« Die Aussage von Kanzler Merz, Israel erledige im Iran die Drecksarbeit für uns, habe sie gerührt.

Kritisch äußert sich die Moderatorin zur monatelangen Blockade humanitärer Hilfe für Gaza im Frühjahr: »Das war ein großer Fehler«, so Kiewel. In ihrem Umfeld gebe es niemanden, der das nicht so sehe. Unter der Blockade hätten vor allem die Zivilisten gelitten. »Ich weine, wenn ich Bilder von Menschen in Gaza sehe, die ihre Hände in den Himmel recken.«

Auch wenn sie in ihrem deutschen Umfeld viel Interesse und Zuneigung spüre, setze es ihr zu, Bilder von anti-israelischen Aktionen, wie die der verwüsteten Hörsäle in Berlin, zu sehen. Ihre Eltern seien glühende Kommunisten gewesen. Dass sich nun Linke mit Israelhassern verbünden, mache sie wütend und beschämt.

Lesen Sie auch

Vergangenen Sommer war Andrea Kiewel in die Kritik geraten, weil sie im Fernsehgarten eine Kette mit einem Israelanhänger trug, der die Umrisse des Landes mit Gazastreifen und Westjordanland zeigte. Darauf im Interview angesprochen erklärt sie, sie habe sich sehr bewusst dagegen entschieden, die Kette noch einmal im Fernsehen zu tragen. Ihr Mann habe ihr geraten, sich zu überlegen, welche Schlachten sie schlagen wolle. »Stattdessen bin ich in der nächsten Sendung in einem blau-weißen Kleid aufgetreten.«

Auch wurde in den sozialen Medien diskutiert, ob Kiewel ihre wöchentlichen Flüge aus Tel Aviv nach Mainz von Rundfunkgeldern finanziere. Im Interview stellt sie aber klar: »Ich zahle immer alles selbst.« ja

Hamas-Terror

Ein Jahr Freiheit – doch die Narben bleiben

Vor einem Jahr war die Freude unbändig, als die letzten 20 lebenden Geiseln nach 738 Tagen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nach Israel zurückkehrten

von Sabine Brandes  14.10.2026

Sicherheit

Unerlaubter Pilot an Bord: Maschine muss wieder umdrehen

Weil ein indonesischer Kapitän an Bord war, wurde einem Frachtflug von Ethiopian Airlines die Landung in Israel verweigert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026