Ökologie

Herr des Mülls

Ein von zwei Israelis entwickeltes Spiel könnte der ganz große Hit unter den Facebook- und Smartphone-Games werden – und nebenbei das Umweltbewusstsein der Nutzer schärfen und sie für das Thema Recycling begeistern. Raviv Turner und Dan Goldman erdachten »Trash Tycoon« mit ihrer Firma »Guerilla Apps«, weil sie »als umweltbewusste Unternehmer ein Spiel kreieren« wollten, »mit dem wir die Masse der Menschen, die in sozialen Netzwerken spielen, erreichen«, wie sie in einem Interview mit einer auf Spiele-Applikationen spezialisierten Internetzeitung betonten. Inspiriert wurden die beiden Mittdreißiger nach eigenen Angaben dabei »vom Geschäftsmodell der Firma TerraCycle, die Abfall zu höherwertigen Produkten recycelt«.

Beta-Phase Das Konzept scheint aufzugehen: Bereits mehr als 200.000 Nutzer hat das Spiel schon, obwohl es immer noch in der Beta-Phase steckt, also noch getestet wird. Auch Firmen wie Kraft konnte man bereits für das Prinzip der spielerischen Müllentsorgung gewinnen – Käseverpackungen können zu wertvollen Lunchboxen verarbeitet werden, für Mülltrennung in der realen Welt sollen die Nutzer zusätzlich Extrapunkte im Spiel erhalten.

Prominente wie der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der Hollywoodstar Leonardo DiCaprio lobten Trash Tycoon bereits. Was für die Macher immens wichtig ist, denn »ein hervorragendes Spiel zu machen, kostet viel Geld«, wie Raviv Turner betont. »Man braucht eine Mindestanzahl an Softwareentwicklern, Kreativen und Marketingleuten. Ein Spiel wie Trash Tycoon zu entwickeln, kostet eine Million und mehr.«

Aviv Turner, der sich bereits vor zehn Jahren in Israel mit Games-Entwicklung beschäftigte, bevor er schließlich zum Master-Studium im Fach »Interaktive Medien« nach New York zog, ist jedoch sehr optimistisch, das investierte Geld bald wieder einzunehmen.

Auch sein Kompagnon Dan Goldman, der ebenfalls in den USA studierte, sich allerdings auf das Thema Öko-Energie und Hightech spezialisierte, sieht gelassen in die Zukunft: Durch einen Vertrag mit einem Publisher kann Trash Tycoon bald 30 Millionen Menschen zugänglich sein. »Wir erwarten, bereits in den nächsten drei Monaten den millionsten Nutzer begrüßen zu können.«

Selbstversuch Und wie funktioniert Trash Tycoon? Wer Facebook-Spiele wie das legendäre »Farmville« kennt, ist mit dem Prinzip vertraut. Nach der unkomplizierten Anmeldung erhält man eine Spielfigur, deren Aussehen man dem eigenen Look anpassen kann, und kann sofort loslegen, sprich: sofort seine kleine Stadt bestaunen – in der allerdings äußerst unordentliche Bewohner leben, die überall ihren Müll verstreut haben. Weshalb auf der Stelle aufgeräumt werden muss. Flaschen, Plastikmüll, Kompost und Papier werden zum Recyceln aufbewahrt.

Und das macht allein schon optisch ziemlich viel Spaß. In der Kompostieranlage sorgen beispielsweise kleine Würmer dafür, dass aus dem organischen Abfall später teuer zu verkaufender Dünger entsteht – wenn gerade genug Geld und Energie für die Produktion da ist, fressen sie sich durch die Essensreste und laufen dann auf eine kleine (ausnehmend niedlich anzuschauende) Holztoilette, um Dünger zu produzieren. Haben sie gerade nichts zu tun, spielen sie Ball.

Nach und nach kommen dann weitere Recyclinganlagen hinzu, zusätzlich ziehen immer mehr Bewohner in die aufgeräumte Stadt und bringen Geld. Wenn man Trash Tycoon mit Freunden spielt, kann man sich gegenseitig beim Müllbeseitigen helfen und, ganz wichtig bei Facebook-Spielen, Sachen schenken. Im Prinzip ist es allerdings auch möglich, ganz allein zu daddeln.

PayPal Wie bei den meisten Spielen dieser Art kann man bei Trash Tycoon auch zusätzliche Features kaufen. Skulpturen, mit denen die Stadt verschönert werden kann, oder Biodieselgeneratoren für umweltfreundliche Energieversorgung kosten Facebook-Credits, die in Dollar per PayPal oder Kreditkarte bezahlt werden können. »Unser Geschäftsmodell für Trash Tycoon kombiniert die traditionellen Einnahmequellen von sozialen Spielen« – also den Verkauf einer virtuellen Währung, um virtuelle Güter kaufen zu können – »mit der Möglichkeit für Unternehmen, ihre Marken in dem Spiel zu platzieren.«

Aber auch dabei legen die Macher Wert auf Nachhaltigkeit, wie Raviv Turner betont: »Jedes Mal, wenn über uns Facebook-Credits gekauft werden, kann man zwischen drei verschiedenen Spendenkategorien auf carbonfund.org auswählen: Projekte für erneuerbare Energien, Aufforstung oder Energieeffizienz. Dann spenden wir an das jeweilige Projekt zehn Prozent der verwendeten virtuellen Währung.«

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