Sehen!

Gerron, Ophüls, Kosterlitz

Die Stuhlreihen bleiben leer, das Festival wurde ins Internet verlegt. Foto: imago/PhotoAlto

Wegen des Corona-Lockdowns musste das 17. Internationale Festival des deutschen Film-Erbes »cinefest«, veranstaltet von CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V. und dem Filmarchiv des Bundesarchivs, vom 13. bis 22. November in diesem Jahr im Internet stattfinden. Das Thema lautete »Kino, Krieg und Tulpen. Deutsch-Niederländische Filmbeziehungen«. Der mit dem Festival verbundene 33. Internationale Filmhistorische Kongress wurde als Livestream aus dem Hamburger Metropolis-Kino übertragen.

Ausfallen mussten leider die geplanten Filmvorführungen. Dankenswerterweise haben die Veranstalter in Zusammenarbeit mit dem Eye-Filmmuseum in Amsterdam nun eine Reihe von Filmen deutscher Exilanten in den Niederlanden in den 30er-Jahren online gestellt, die nach wie vor abrufbar sind.

FLUCHT So drehte etwa der Regisseur Kurt Gerron 1935 nach seiner Flucht aus Deutschland in den Niederlanden Het mysterie van de Mondscheinsonate (»Das Geheimnis der Mondscheinsonate«), einen Krimi, der mit seinen ausgeprägten Hell-Dunkel-Kontrasten Stilelemente des Film noir vorwegnimmt. Kurt Gerron wurde 1944 in Auschwitz ermordet; seine Mondscheinsonate wurde in Deutschland erstmals 1984 im WDR gezeigt.

Auch der Regisseur Hermann Kosterlitz kam nach einer Zwischenstation in Österreich nach Holland, wo er 1935 die romantische Komödie De kribbebijter (»Der Murrkopf«) drehte. In Hollywood wurde er später unter dem Namen Henry Koster mit Filmen wie Mein Freund Harvey (1950) oder Das Gewand (1953) berühmt.

KRIEG Max Ophüls drehte nach seinem letzten deutschen Film Liebelei (1933) die satirische Komedie om geld (»Komödie ums Geld«, 1935). Es blieb sein einziger niederländischer Film, anschließend filmte er vorwiegend in Frankreich, bis er 1941 in die USA emigrierte.

Ludwig Berger machte mit seiner Version von G.B. Shaws Pygmalion (1937) die niederländische Schauspielerin Lily Bouwmeester berühmt. 1940 drehte er mit ihr das Kriegsdrama Ergens in Nederland (»Irgendwo in den Niederlanden«) und entging anschließend nur knapp seiner Verhaftung durch die Nazis. Er floh nach England und kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück. Ergens in Nederland sollte der letzte holländische Film bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bleiben.

HOLLYWOOD Ein später Emigrant war Detlef Sierck. Er hatte in Nazi-Deutschland mit Filmen wie La Habanera (1937) Zarah Leander zum Star gemacht, wanderte dann aber aus, weil er sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden lassen wollte. In Rotterdam inszenierte er 1939 nach einem Drehbuch von Carl Zuckmayer Boefje, die Geschichte eines Straßenkindes. Gleich danach ging er nach Hollywood und wurde als Douglas Sirk zum gefeierten Regisseur von Melodramen.

Auch der Tscheche Carl Lamac hatte noch recht lange in Deutschland gearbeitet, ehe er nach Großbritannien emigrierte und auf seiner Zwischenstation in den Niederlanden 1939 die Krimikomödie De spooktrein (»Der Geisterzug«) drehte. 1943 ließ er dann in Schweik’s New Adventures seinen berühmten fiktiven Landsmann die Nazis besiegen.

Alle Filme sind in niederländischer Sprache mit optionalen deutschen oder englischen Untertiteln.

https://cinefest.de/programm/online/filme-online/

Kino

Unter einem guten Stern

Jüdische Themen sind im französischen Kino immer wieder sehr gut aufgehoben. Auch »Nur ein kleines bisschen Glück« trifft mit Leichtigkeit mitten ins Herz

 11.09.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Ins kühle Nass vor den Hohen Feiertagen?

von Katrin Richter  11.09.2026

5787

Nicht so viel fluchen, Spenden verdoppeln

Das neue Jahr soll besser werden. Unsere Autorin listet ihre Vorsätze auf. Eine Glosse

von Adriana Altaras  11.09.2026

Filmfestival

25 Minuten Beifall in Venedig

Die neue Doku von Yuval Abraham und Rachel Szor beschäftigt sich mit Einsätzen der israelischen Armee in Gaza – die Macher von »No Other Land« haben Chance auf Goldenen Löwen

 11.09.2026

Zahl der Woche

100 Töne

Fun Facts und Wissenswertes

 11.09.2026

Kulturkolumne

Der Koffer meines Vaters

Wie ich versuchte, Geheimnisse zu lüften, die auch meine eigenen waren

von Sophie Albers Ben Chamo  11.09.2026

Vancouver

Boy George für Unterstützung Israels und der jüdischen Gemeinschaft geehrt

In der Synagoge Temple Sholom singt er seinen Song »We Will Dance Again« und wird vor Hunderen Gemeindemitgliedern und Gästen befragt

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026