Next Step

Gemeinsame Schritte

Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann (r.) mit den Teilnehmern des Fortbildungsprogramms Foto: Peter Bollag

Wieso habe ich keinen Erfolg?» Dani Neubauer wirft die Frage etwas provokativ in die Runde und schiebt gleich eine weitere nach: «Wer hindert mich daran, Erfolg zu haben, bin ich es vielleicht gar selbst? Oder gibt es jemand anderen, der mich bremst oder zurückhält?»

Dani Neubauer trägt Jeans, das Hemd lässig über der Hose, eine kleine Kippa auf dem kahlen Kopf. Um ihn herum sitzen 30 junge Frauen und Männer, die nur wenig jünger als Neubauer zu sein scheinen, und nehmen die Fragen interessiert und engagiert auf. An die Wand sind Sätze gepinnt wie «Führung (Leadership) und Lernen kommen nicht ohne einander aus. / John F. Kennedy» oder «Wenn du davon träumst, dann kannst du es auch tun. / Walt Disney». Alles wirkt zwar locker, gleichzeitig herrscht offensichtlich aber auch eine Atmosphäre gespannter Aufmerksamkeit.

Zürich In einem Seminarraum der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) findet an diesem Sonntagmorgen der letzte Tag von «Next step» statt, einem gemeinsamen Fortbildungsprogramm der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland, der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG).

Der SIG übernahm an diesem Wochenende die Rolle des ersten Gastgebers, im Juli folgt der zweite Teil von «Next step» in Berlin, und im November ist dann Wien an der Reihe. Zum Wochenende gehörten auch eine Stadtführung, gemeinsame Mahlzeiten und Kabbalat Schabbat sowie selbstverständlich auch Freizeit.

«Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um ein Pilotprojekt», betont Jonathan Kreutner, SIG-Generalsekretär. Schon lange hätten die jüdischen Verbände der drei Länder grundsätzliche Kooperationen beschlossen, nun sei es darum gegangen, auch konkret etwas umsetzen zu können. Die Zielgruppe der 25- bis 40-Jährigen, der sogenannten «Young professionals», sei für die jüdischen Verbände ausgesprochen wichtig. «Es geht auch darum, einen Pool zu bilden für jüdische Nachwuchskräfte, für die Gemeindearbeit, aber auch für jüdische Institutionen und die Spitzenverbände», sagt Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann.

Klub Entsprechend wurden auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von «Next step» ausgesucht (jeweils zehn Personen aus den drei Ländern). Da ist die deutsche Pressereferentin, die nebenbei auch noch die regelmäßigen Gottesdienste in einer Synagoge mitbetreut. Ein österreichischer Vertreter möchte einen jüdischen Jugendklub, den es schon lange gibt, der aber nicht mehr besonders angesagt ist, wieder populär und bekannt machen. Eine junge Schweizerin hat die Absicht, einen Bar- und Batmizwa-Klub zu gründen und dann auch zu begleiten.

Netzwerk Sie und wohl auch die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhoffen sich von dem dreiteiligen Seminar Anleitungen, praktische Tipps und Hilfe bei ihren verschiedenen Vorhaben. Wie zum Beispiel auch Daphne Laster aus Wien, hauptberuflich im Online-Marketing tätig und unter anderem Mitglied der Bildungskommission der Israelitischen Kultusgemeinde: «Ich hoffe ein bisschen darauf, dass hier ein Netzwerk entsteht, auf das ich zukünftig bei Gelegenheit zurückgreifen kann.»

Ähnliches erhofft sich Nadine Grzeszick, erst kürzlich nach Berlin gezogen: «So ab 25 Jahren, nach Studium oder Berufslehre und ersten Jahren im Beruf, dünnen bei vielen die jüdischen Kontakte etwas aus. Das ist eigentlich nicht akzeptabel.» Auf diesem Gebiet erhofft sich nicht nur diese junge Frau Unterstützung – auch und gerade zu einem Zeitpunkt, da Jüdinnen und Juden auch in den deutschsprachigen Ländern stärkeren Druck von außen spüren als früher und wo es auch schon mal einfacher war, Kontakte mit der nichtjüdischen Umwelt zu pflegen: «Es hat auch gutgetan, zu erkennen, dass ich nicht auf einer Insel lebe, sondern Gleichgesinnte habe, die ähnliche Probleme haben», sagt Nadine.

Vision Dessen ist sich auch Seminarleiter Dani Neubauer durchaus bewusst. Der überwiegend in Deutschland Aufgewachsene, der mit seiner Familie seit Kurzem in Zürich lebt, wo er für eine große Versicherungsgesellschaft Lernprogramme ausarbeitet, meint, dass Faktoren wie Antisemitismus oder Israelhass auch bei solch einem Training natürlich nicht einfach außen vor gelassen werden können: «Aber grundsätzlich geht es natürlich erstmal um Fragen wie beispielsweise: ›Wie treffe ich meine Entscheidungen?‹ oder ›Wie setze ich meine Visionen um – privat und beruflich?‹.»

Solche Fragen beantworten zu können, sei ebenso wichtig wie der richtige Einsatz der eigenen Möglichkeiten und Ressourcen. Denn irgendwann würden auch viele junge Nachwuchskräfte merken, dass man nicht etwas vertreten könne, von dem man nicht überzeugt sei und das man nicht «verkaufen» könne. «Und das gilt natürlich auch und gerade für die jüdische Thematik.»

In Berlin und Wien sollen diese Themen in den beiden nächsten Seminaren im Sommer und im Spätherbst vertieft und auch trainiert werden. Im Sommer kommenden Jahres steht dann noch eine gemeinsame Reise nach Israel auf dem Programm.

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  01.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026