Kinotipp

»Familie Brasch«

Klaus, Peter, Marion und Thomas Brasch Foto: pr

Kinotipp

»Familie Brasch«

Ein Dokumentarfilm von Annekatrin Hendel

von Katrin Richter  14.08.2018 11:06 Uhr

Treffen Sie die Braschs aus Ost-Berlin: Horst und Gerda, die Söhne Thomas, Klaus, Peter und die Tochter Marion. So weit, so unspektakulär. Dieser allerdings ganz und gar nicht unspektakulären Familie hat die Regisseurin Annekatrin Hendel ihren Dokumentarfilm Familie Brasch gewidmet – ein Porträt, das deutsch-deutsche Geschichte so dicht und so spannend wie vielleicht selten zuvor erzählt.

Treffen Sie also die Braschs: Horst, den stellvertretenden DDR-Kulturminister, der seinen ältesten Sohn anzeigte, Gerda, die jüdische Wienerin, die davon träumte, Künstlerin zu sein.

Thomas, einen der bekanntesten DDR-Autoren, der ins andere Deutschland ging, in dem er frei schreiben und veröffentlichen konnte. Klaus, den Schauspieler, der in Klassikern wie Solo Sunny oder Jakob der Lügner mitspielte. Peter, den Schriftsteller, und Marion, die Radio-Moderatorin, die die Geschichte der Familie in ihrem Buch Ab jetzt ist Ruhe witzig, traurig und mit großer Sensibilität aufschrieb.

New York Sie, die Jüngste, begleitet Regisseurin Hendel nach New York, um von dort aus rückblickend das Ringen der Kinder mit den Eltern und die Auseinandersetzung mit der DDR zu zeigen. Und um die Geschichte von Horst Brasch zu erzählen, der als jüdisches Kind, das katholisch erzogen wurde, in einem Kindertransport nach Großbritannien gerettet wurde und später die DDR-Massenorganisation Freie Deutsche Jugend mitgründete. Um das Zerbrechen der unglücklichen Mutter, die nie wirklich nach Ost-Berlin wollte, zu zeigen.

Hendel gelingt es, sich an die Familie vor allem durch Gespräche mit Freundinnen und mit Wegbegleitern so nah heranzutasten, das für die Dauer des Films eine Vertrautheit entsteht. Künstler wie die Liedermacherin Bettina Wegner, die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Maler Florian Havemann oder der Autor Christoph Hein erzählen vom Kennenlernen, vom Lieben, von Brüchen und von viel zu vielen, viel zu frühen Abschieden.

Berlinerisch Aber auch die nächste Generation kommt zu Wort: Lena, Marion Braschs Tochter, setzt sich mit der Familiengeschichte am Theater auseinander, und Thomas Braschs Sohn, Benjamin Schlesinger, sagt, wie man es wohl nur auf Berlinerisch ausdrücken kann, was er über seinen Großvater und Vater denkt.

Überhaupt, und das ist vielleicht auch das, was die Dokumentation so authentisch, schnörkellos und sympathisch macht: Alle berlinern! Ein Genuss für die Ohren und ein Gewinn fürs Kino.

»Familie Brasch« von Annekatrin Hendel läuft am 16. August in den Kinos an.

Der Trailer zum Film:
www.youtube.com/watch?v=UdSDuNJJVuw

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