Rezension

Ein Feel-Good-Film voller kleiner Wunder

Foto: Neue Visionen

Es beginnt mit einem Schock: Ein Neugeborenes mit einem Klumpfuß, eine Mutter, deren Welt zusammenbricht. Doch statt sich dem Schmerz hinzugeben, beschließt Esther gegen den Rat der Ärzte und ihres Umfelds, dass ihr Sohn wie alle anderen laufen wird. Mehr noch: Er soll ein außergewöhnliches Leben führen.

»Mit Liebe und Chansons« erzählt die wahre Geschichte von Roland Perez, heute erfolgreicher Anwalt und Autor. 1963 wird er in Paris als jüngstes von sechs Kindern in eine jüdische Familie marokkanischer Herkunft mit einem Klumpfuß geboren. Die Ärzte prognostizieren ein Leben in Orthesen, Schienen - doch seine Mutter Esther weigert sich, dieses Schicksal zu akzeptieren. 

Sie trägt ihn durch Paris, sucht Heiler, Ärzte, Wunder. Schließlich wendet sie sich an eine Heilerin, die Roland in eine Art Korsett steckt, das ihn über 18 Monate immobilisiert. In dieser Zeit findet er Zuflucht im Fernsehen - und in den Liedern der heute 81-jährigen Chanson- und Popsängerin Sylvie Vartan, die damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stand. 

Ken Scott (»Starbuck«) verwandelt die ungewöhnliche Lebensgeschichte und den Bestseller von Roland Perez in einen Film voller Herz, Humor und überraschender Wendungen. Dass sich der kanadische Schauspieler und Drehbuchautor als Regisseur auf Tragikomödien versteht, hat er bereits in »Starbuck« und »Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft« bewiesen.Zwischen Heilungsversuchen und skurrilen Bewegungen

Ein Glücksgriff ist das Casting - allen voran Leïla Bekhti. Die Schauspielerin (»Ein Prophet«) stemmt die Rolle der Esther über fünf Jahrzehnte hinweg mit einer Wucht, die fasziniert: anrührend und erdrückend, zärtlich und manipulierend, liebevoll und gnadenlos. Sie ist überwältigend, wenn sie gegen Ärzte und Behörden kämpft, der Sozialarbeiterin (Jeanne Balibar) trotzig beweist, dass Gebete, Wunderheilung und Vartan mehr bewirken können als jede Therapie.

Auch Jonathan Cohen (»Der Nächste, bitte!«) überrascht. Bekannt als Charmeur, zeigt er als erwachsener Roland eine neue Facette: einen Mann, der seiner Mutter alles verdankt - und doch frei von ihr sein möchte. Esther kontrolliert jeden Schritt, mischt sich sogar in Hochzeit, Beruf und Eheleben ein. Cohen fängt den inneren Konflikt zwischen Dankbarkeit, Schuldgefühlen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung nuancenreich ein.

Scott spannt Rolands Lebensgeschichte von den 1960ern bis heute, unterstützt von Archivmaterial und TV-Rekonstruktionen, die dem Film lebendiges Zeitkolorit verleihen. Mit Tempo wechselt der Film zwischen Szenen der Kindheit, wilden Heilungsversuchen, skurrilen Begegnungen und überraschenden Musikmomenten mit Vartan - und verwandelt die unglaubliche Geschichte in einen unterhaltsamen Feel-Good-Film über Entschlossenheit, bedingungslose Liebe und Befreiung. dpa

Ab dem 27. November im Kino

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