Kooperation

Ein Algorithmus für alles

Die Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva Foto: Flash 90

Dieser Algorithmus kann fast alles, meinen die Forscher der Ben-Gurion-Universität des Negev. Die Computerbiologin Esti Yeger-Lotem und der Datenwissenschaftler Michael Fire haben für maschinelles Lernen eine besondere Methode erarbeitet, die das Verständnis der menschlichen Biologie und von Krankheiten verbessern soll. Gleichzeitig sollen damit soziale Medien analysiert und Fake-Profile aufgedeckt werden.

Die Entwicklung des neuen Algorithmus kombiniert die Expertise von Yeger-Lotem im Bereich Proteinnetzwerke mit der Netzwerkanalyse-Expertise von Fire, die dieser aus seiner Erforschung sozialer Netzwerke gewonnen hat. Gemeinsam mit den Kollegen Jubran Juman von der Abteilung für klinische Biochemie und Pharmakologie und Dima Kagan aus Fires Labor machten sich die beiden Wissenschaftler ans Werk.

Die neue Methode names Weighted Graph Anomalous Node Detection (WGAND) ist von der Analyse sozialer Netzwerke inspiriert und soll Proteine mit bedeutenden Rollen in verschiedenen menschlichen Geweben identifizieren. WGAND ist mittlerweile im Open Science Journal »GigaScience« veröffentlicht worden. Denn der Algorithmus ist eine Open Source und ermöglicht es Forschern weltweit, ihn zu nutzen und weiterzuentwickeln. Das Yeger-Lotem-Labor bietet außerdem Webtools, die auch Forschern ohne Informatikkenntnisse einen einfachen Zugang ermöglichen sollen.

Proteine sind essenzielle Moleküle in unserem Körper und interagieren in komplexen Netzwerken.

Proteine, auch Eiweiße genannt, sind essenzielle Moleküle in unserem Körper und interagieren in komplexen Netzwerken, den sogenannten Protein-Protein-Interaktionsnetzwerken (PPI). Die Untersuchung dieser Netzwerke hilft Wissenschaftlern, zu verstehen, wie Proteine funktionieren und wie sie zu Gesundheit und Krankheit beitragen. WGAND wird zur Analyse von PPI-Netzwerken eingesetzt, um »anomale« Proteine zu erkennen, also solche, die sich durch ein einzigartiges Muster auszeichnen.

Auch bei cybersicherheitsbezogenen Analysen sozialer Netzwerke geht es um atypische Muster. Eine Identifizierung derartiger Muster kann betrügerische Transaktionen oder verdächtiges Nutzerverhalten aufdecken. Die innovative Erkenntnis der neuen »GigaScience-Studie« besteht darin, dass dieselben Algorithmen, die Anomalien in sozialen Netzwerken aufdecken, auch auf die Proteinnetzwerke in einzelnen Zellen angewendet werden können. Durch die Fokussierung auf diese Anomalien kann der Algorithmus Proteine identifizieren, die in bestimmten Geweben wie Gehirn, Herz und Leber eine entscheidende Rolle spielen.

WGAND identifizierte zudem erfolgreich Proteine, die mit gewebespezifischen Erkrankungen assoziiert sind, beispielsweise Hirn- und Herzerkrankungen. Der Algorithmus erkannte außerdem Proteine, die an kritischen biologischen Prozessen beteiligt sind, wie der neuronalen Signalübertragung im Gehirn und der Muskelkontraktion im Herzen. WGAND habe andere bestehende Methoden in Bezug auf Genauigkeit und Präzision übertroffen, gab die Universität an.

»Dieser innovative Algorithmus hat das Potenzial, wichtige Proteine in bestimmten Kontexten zu identifizieren und Wissenschaftlern so zu helfen, gezieltere und wirksamere Behandlungen für verschiedene Erkrankungen zu entwickeln«, erklärt Yeger-Lotem. Fire findet es spannend zu sehen, »wie die Kombination von Expertise aus Bioinformatik und Cybersicherheit zu Durchbrüchen im Verständnis der menschlichen Biologie führen kann«. Es gebe große Anstrengungen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern: »KI ist zu einem integralen Bestandteil vieler verschiedener Bereiche geworden, und deshalb arbeite ich mit Menschen aus vielen anderen Bereichen zusammen.«

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Musik

Mike D in Berlin: Ein Beastie Boy meldet sich zurück

Das Berliner Säälchen am Holzmarkt wird zur Kulisse des einzigen Deutschland-Konzerts des »Beastie Boys« Mike D. Hunderte Fans sind begeisterte Zeugen des überraschenden Comebacks ihres Idols

 12.06.2026

Weltmeisterschaft

Die Kraft des Gemeinsamen

Vom Hoffen, Mitfiebern und Leiden: Eine Liebeserklärung an die Macht und die Möglichkeiten des Fußballs

von Awi Blumenfeld  11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Kritik an Auftritt von Bassem Youssef in Berlin

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Festival in Köln

»Shalom-Musik.Koeln« 2026 bringt jüdische Musik in die ganze Stadt

Avi Avital, Sharon Brauner, Omer Klein und Bar Zemach sind nur vier der vielen Künstler, deren Performances auf dem Programm stehen

 11.06.2026

Hollywood

Hasswelle gegen Gwyneth Paltrow wegen Israel-Werbung

Die Datstellerin mit jüdischem Familienhintergrund ist das Werbegesicht für das israelische Luxusbauprojekt 51 Park in Herzliya. Die Quittung: Sie wird online als »genocide queen« beschimpft

 11.06.2026