Hightech

Durchblicker

Die Erklärung von Ari Grobman, Business Development Manager der israelischen Firma Lumus, klingt verlockend – und gleichzeitig sehr nach Szenen, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen kennt: »Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Meeting und wollen ihre E-Mails lesen. Sie könnten einfach eine Taste auf ihrem Handy drücken und hätten die Nachrichten vor Augen, ohne dass es jemand bemerken würde.«

Das in Rehovot beheimatete Unternehmen möchte dafür sorgen, dass die Vision vom bildschirmlosen Internetsurfen nicht erst in der fernen Zukunft wahr wird, sondern schon bald – und stellte nun den Prototyp vor. Das Hightechgerät sieht aus wie eine ganz normale Brille – nur die Bügel sind etwas dicker. Die Technik selbst ist verblüffend einfach, denn in diesen Bügeln befinden sich kleine Videoprojektoren, mit denen Bilder auf die durchsichtigen Brillengläser projiziert werden können – ganz wie im Kino oder wie bei einem Beamer.

hochauflösend Der Physiker Yaakov Amitai hatte Lumus im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, genau solche Videobrillen zu entwickeln. Er schaffte den Durchbruch, als es ihm gelang, hochauflösende Bilder mit Hilfe einer winzigen transparenten Linse auf eine extrem kleine Fläche zu projizieren und die zugrundeliegende Technik patentieren zu lassen. Dennoch sollte es noch mehr als zehn Jahre dauern, das Produkt zur Marktreife zu entwickeln.

Eines der größten Probleme dabei war die Projektionsfläche. Wer schon einmal versucht hat, ein Bild mit einem Diaprojektor oder Beamer tagsüber auf eine Fensterscheibe zu projizieren, weiß, dass das Ergebnis nur sehr schwer zu erkennen ist, fast keinen Kontrast bietet und Details dabei völlig verschwinden. Die Brille von Lumus steuert dagegen Helligkeit und Kontrast so, dass selbst ein HD-Videobild klar erscheint, die Ränder um das Videobild herum aber durchsichtig bleiben.

Der Benutzer nimmt gar nicht wahr, dass das Bild nur auf das Brillenglas geworfen wird. Stattdessen glaubt das Gehirn, das Bild sei äußerst scharf und perfekt ausgeleuchtet auf eine entfernte Fläche projiziert – schaut man gerade auf die Fassade eines weit entfernten Hochhauses, wird das Bild mit wahrhaft gigantischen Ausmaßen wahrgenommen – größer als jede Kinoleinwand. Betreiben lässt sich die von Lumus nun vorgestellte Brille mit Hilfe eines iPhones, langfristig auch mit anderen mobilen Geräten.

partner Doch die Firma will nicht selbst Brillen produzieren, das Unternehmen sucht Partner, die das Prinzip in ihre eigenen Produkte integrieren wollen. Da im Prinzip nur die Projektoren und die Verbindung zu einem Computer oder einem Smartphone in eine herkömmliche Brille integriert werden müssen, dürften die Anwendungsmöglichkeiten einen riesigen Bereich abdecken. Und hier kommt die »Augmented Reality« (sinngemäß: angereicherte Wirklichkeit) ins Spiel.

Der Begriff bezeichnet die Erweiterung der Wahrnehmung der realen Welt durch zusätzliche Informationen aus dem Computer. Mit modernen Handys klappt das auch ohne Lumus-Brille schon recht gut: Auf Städtereisen kann man sich etwa durch die City führen lassen und bekommt zusätzlich Informationen zu den Sehenswürdigkeiten, die in der Nähe liegen. Einen großen Nachteil hat das moderne Sightseeing jedoch: Man ist gezwungen, das Gerät ständig in der Hand zu tragen und oft auf den Bildschirm zu schauen – nicht sehr komfortabel.

3D-Filme Die Videobrille ist daher schon seit einigen Jahren ein großes Ziel der Entwickler, die im Bereich Augmented Reality arbeiten. Bisher waren diese Brillen jedoch eine klobige Angelegenheit. Eingesetzt wurden praktisch kleinste Fernseher mit hoher Auflösung – vor jedem Auge einer. Das macht die Brillen nicht nur voluminös, sondern auch noch schwer – und die Umgebung erkennt man nur noch, wenn das Bild einer nach vorne gerichteten Kamera ebenfalls auf die Bildschirme übertragen wird.

Die neue Technik hingegen ließe sich zum Beispiel in Skibrillen integrieren und könnte so dem Skifahrer bei der Abfahrt eine schematische Darstellung der Piste einblenden – oder eben einen Film oder ein Buch, wenn mal wieder eine längere Wartezeit am Lift anfällt. Touristen könnten einen virtuellen Stadtführer im Display haben, während beide Hände frei sind. Und weil jedes Auge ein eigenes Bild bekommen kann, ist auch das Abspielen von sehr real wirkenden 3D-Filmen möglich.

Das sind nur erste Anwendungsmöglichkeiten – in Zukunft könnte die Technik unsere gesamte Umgebung verändern. Zum Beispiel könnte es brillenförmige Handys geben. Noch umfassender wäre die Revolution allerdings bei Computern. Notebooks bestünden nur noch aus einer Tastatur mit Computer-Innenleben – das Display wäre lediglich eine Brille.

Aber vielleicht wird das Smartphone auch ganz zum sprachgesteuerten Computer. So könnte diese Entwicklung selbst die Computerecke im Wohnzimmer überflüssig machen – und Schreibtische wieder in den Zustand der 80er-Jahre versetzen, als sie meist wenig genutzte Ablageorte für Papiere waren.

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