Glückwünsche

»Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit«

Autor und Liedermacher Wolf Biermann Foto: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem Liedermacher Wolf Biermann zu seinem 85. Geburtstag am kommenden Montag gratuliert. »Mit Ihrem tiefen Empfinden für Aufrichtigkeit und Solidarität geben Sie Zeugnis davon, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist«, so Steinmeier in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Glückwunschschreiben.

»Was es bedeutet, wenn ein ganzer Staatsapparat damit beschäftigt ist, immer neu Angst zu verbreiten, um Menschen zu brechen, das haben Sie nicht nur erfahren, Sie haben sich vor allem dagegen gewehrt, indem Sie die Tücke zur Sprache gebracht und damit entwaffnet haben.«

demokratie Freiheit sei bis heute, was Biermann »beseelt und motiviert«, schrieb das Staatsoberhaupt weiter: »Sei es Ihre Unterstützung der weißrussischen Demokratiebewegung, sei es Ihr klares Wort gegen die Demokratieverächter und Antisemiten in unserem eigenen Land. Sie zeigen: Freiheit muss immer wieder erkämpft und verteidigt werden. Dafür stehen Sie mit Ihrem Werk genauso wie mit Ihrer Biografie.«

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Biermann zu seinem 85. Geburtstag. Als Liedermacher, Schriftsteller, Poet und Übersetzer verstehe er es in »unverwechselbarer Weise, Poesie und Politik zu verbinden«, teilte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien am Freitag mit. Biermann habe »in den schlimmsten Zeiten seine Freiheit und Existenz aufs Spiel gesetzt, um mit seiner Dichtung Position zu beziehen und die Freiheit des Wortes zu verteidigen«, so Grütters.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den Liedermacher in einem Glückwunschschreiben als »kritischen Mahner und Stimme des Widerstands in der DDR«. Dessen Weg im Schatten deutscher Geschichte sei zum Synonym für den Kampf um Freiheit geworden. Unvergessen sei Biermanns bedeutende Rolle als Kritiker des SED-Regimes.

provokateur Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD) würdigte Biermann als Provokateur, Bürgerrechtler und Querkopf. Er habe Menschen bewegt und ermutigt, »für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte aufzustehen«. Seine Ausbürgerung aus der DDR im Jahr 1976 sowie die vieler anderer Künstlerinnen, Künstler und Intellektueller habe die innere Erosion der SED-Diktatur beschleunigt

Der am 15. November 1936 in Hamburg geborene und 1953 in die DDR übergesiedelte Biermann zählt zu den profiliertesten politischen Liedermachern und Dichtern Deutschlands. Nach einer Konzertreise nach Köln 1976 wurde ihm die Wiedereinreise in die DDR verweigert, und er wurde ausgebürgert. Sein Vater, ein Jude und Kommunist, wurde in Auschwitz ermordet.

Im Sommer hatte Biermann der Staatsbibliothek Berlin sein Archiv und seine 200 Tagebücher überlassen.

Im Sommer hatte Biermann der Staatsbibliothek Berlin sein Archiv und seine 200 Tagebücher überlassen und damit ein laut Grütters »einmaliges Zeugnis deutsch-deutscher Zeitgeschichte« der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Es handelt sich um rund 100 großen Kisten mit Manuskripten, Noten, ausführlichen Korrespondenzen, einer großen Fotosammlung, einem Tonarchiv beginnend in den 60er Jahren, einem Filmarchiv, einer Plakatsammlung, Sammlungen von Kritiken sowie zeithistorischen Dokumenten der politischen Linken in Ost und West und vielem mehr. epd/kna

Berlin

Igor Levit: Fünf Prokofjew-Konzerte an drei Abenden

Von Romantik pur bis hin zu rasanten Läufen und ungewohnten Rhythmen: Im März bietet sich in der Philharmonie eine einmalige Gelegenheit

von Imanuel Marcus  24.02.2026

Kanadischer Rock

Geddy Lee Weinrib kündigt Rush-Konzerte in Deutschland an

Die letzten Auftritte des jüdischen Sängers und Bassisten sowie seiner Formation in der Bundesrepublik sind 13 Jahre her

 24.02.2026

Kino

Ein Leben als Pingpong-Partie

Timothée Chalamet glänzt in »Marty Supreme« als ambitionierter Pingpong-Spieler und Überlebenskünstler Marty Mauser, der in den 1950er Jahren den Weltmeistertitel im Tischtennis anstrebt. Auch Deutschlands bester Tischtennis-Spieler aller Zeiten, Timo Boll, ist in dem Film zu sehen

 24.02.2026

Eurovision Song Contest

Israel geht mit »Michelle« an den Start

Jetzt ist klar, welchen Song Noam Bettan im Mai beim ESC vortragen wird. Das Stück soll aber schon im März Premiere feiern

 24.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Interview

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026