Finale

Der Rest der Welt

Anmerkung der Redaktion (2. August 2023):

Als dieser Text von Fabian Wolff in der Jüdischen Allgemeinen erschien, glaubte die Redaktion Wolffs Auskunft, er sei Jude. Inzwischen hat sich Wolffs Behauptung als unwahr herausgestellt.

Nach den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten frage ich mich, wie es mit Israel weiter gehen soll. Vielleicht wird es Zeit, sich woanders umzusehen. Gott schließt keine Tür, ohne ein Fenster zu öffnen. Die spanische Regierung will ein Gesetz verabschieden, dass sefardischen Juden die Einbürgerung erleichtert – als Wiedergutmachung für die Verfolgung und Vertreibung im Mittelalter. Das ist, natürlich, die Chance für das nächste große zionistische Projekt des 21. Jahrhunderts.

Drei Millionen Sefardim gibt es weltweit. Wenn die alle nach Spanien ziehen, die Staatsbürgerschaft annehmen, wäre das in einem Land mit 47 Millionen Einwohnern schon ganz passabel groß. Damit kann man arbeiten. Gleichzeitig erhält jeder, der in Spanien ein Haus kauft, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Damit könnten auch Aschkenasim und Misrachim bei Bedarf kurzfristig Asyl finden. Das größte Problem dieser ersten Phase des Projekts ist der Anreiz zur Migration.

Löwen Hat die Geschichte nicht gezeigt, dass man sich nicht mit weniger als Israel zufrieden geben sollte? Schon das britische Uganda-Programm, das vor 110 Jahren die Gründung eines jüdischen Staates in Ostafrika vorsah, scheiterte aus zwei Gründen: fehlende spirituelle und religiöse Verbindung zum Gebiet und zu viele Löwen. Aber in Al-Andalus, der Iberischen Halbinsel unter muslimischer Herrschaft, erreichte die jüdische Kultur einen ihrer Höhepunkte.

Wo Judah Halevi und Maimonides gewirkt beziehungsweise geboren wurden, da kann man sich niederlassen. Und Löwen gibt es in Spanien auch nicht sehr viele. Phase zwei des Projekts ist mit größeren Anstrengungen verbunden. Die Sefarden müssen sich möglichst rasch um eine Einbürgerung der anderen Juden bemühen. Vielleicht kann man Shlomo Sand dazu bewegen, in einem neuen Buch die diesmal wirklich endgültige Wahrheit über die Juden zu enthüllen und den historischen Geburtsort irgendwo in der Nähe von Barcelona zu verorten.

Elite Eine solche Einwanderungs- und Einbürgerungswelle könnte den Argwohn der Einheimischen hervorrufen. Zumal in einem Land wie Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit im Sommer noch 53 Prozent betrug. Doch auch das ist eine Chance: Die künftige Elite des Landes ist über die ganze Welt zerstreut, auf der Suche nach Jobs. Dieses Vakuum lässt sich mit jüdischem Unternehmergeist füllen, der genügend neue Arbeitsplätze für die Bevölkerung schafft. Statt der Ausweisung wird es diesmal Lobeshymnen der Dankbarkeit geben. Bleibt allein das Problem der Kirche. Doch hier sollte man sich großzügig zeigen und ihr ihre Eigenarten lassen.

Am Ende steht dann ein jüdischer Staat Spanien mit einer katholischen, aber dankbaren Mehrheit. So die Vision. Zwar wiederholt sich Geschichte immer, einmal als Tragödie, einmal als Farce. Aber die Tragödie haben die Juden in Spanien schon hinter sich. Selbst wenn es diesmal wieder schiefgehen sollte, gäbe es also wenigstens was zu lachen. Von daher: Si lo queréis, no es un sueño. Ob die Orangen nun aus Jaffa oder Valencia kommen, ist ja eher nebensächlich.

Berlin

Igor Levit: Fünf Prokofjew-Konzerte an drei Abenden

Von Romantik pur bis hin zu rasanten Läufen und ungewohnten Rhythmen: Im März bietet sich in der Philharmonie eine einmalige Gelegenheit

von Imanuel Marcus  24.02.2026

Kanadischer Rock

Geddy Lee Weinrib kündigt Rush-Konzerte in Deutschland an

Die letzten Auftritte des jüdischen Sängers und Bassisten sowie seiner Formation in der Bundesrepublik sind 13 Jahre her

 24.02.2026

Kino

Ein Leben als Pingpong-Partie

Timothée Chalamet glänzt in »Marty Supreme« als ambitionierter Pingpong-Spieler und Überlebenskünstler Marty Mauser, der in den 1950er Jahren den Weltmeistertitel im Tischtennis anstrebt. Auch Deutschlands bester Tischtennis-Spieler aller Zeiten, Timo Boll, ist in dem Film zu sehen

 24.02.2026

Eurovision Song Contest

Israel geht mit »Michelle« an den Start

Jetzt ist klar, welchen Song Noam Bettan im Mai beim ESC vortragen wird. Das Stück soll aber schon im März Premiere feiern

 24.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Interview

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026