Glosse

Der Rest der Welt

Fahrradfahren heißt glücklich zu sein. Foto: Getty Images

Glosse

Der Rest der Welt

Wie mir Fahrradfahren dabei hilft, den Menschenfreund in mir zu entdecken

von Margalit Edelstein  31.05.2020 12:42 Uhr

Mein kleiner Menschenfeind, so nennt mich meine Tante immer liebevoll. Ja, stimmt! Hat jemand was dagegen? Ich hasse es, wenn andere Menschen meinen Personal Space mit ihrem nervigen Gelaber oder ihrem Zigarettenrauch oder ihrem Kaugummigeschmatze stören oder einfach nur mit ihrer unangenehmen Visage. Und mein Personal Space, der ist ungefähr so groß wie ein Häuserblock. So isses.

PARK Während also alle anderen ihre tägliche Corona-Jeremiade abspulen, bin ich echt fein raus. Im Park bin ich völlig ungestört auf weiter Flur, habe endlich mal eine Bank für mich allein!

Ich liebe die ruhigen Vormittage. Keine hyperaktiven Kleinkinder und ihre nervigen Mütter, denn die Spielplätze sind noch zu. Aber auch keine blökenden Schulkinder, denn die Schule hat bereits angefangen! Ruhe und Frieden. Was will der Mensch mehr?

Und das bringt mich zu der zweiten Sache, die ich hasse wie die Pest: Während der Rest der Welt sich, glitschig vor lauter Sonnenöl, in der Sonne aalt und wendet wie ein Grillwürstchen auf dem Rost, bin ich völlig allergisch gegen die Sonnenhitze!

KLIMAANLAGE Temperaturen von 24 Grad aufwärts sind ein Albtraum für mich! Normalerweise würde ich jetzt in mein angenehm klimatisiertes Auto steigen und abdüsen in Richtung Küste, nach Knokke, dem belgischen Strandmekka!

Ab auf meine supersofte Sonnenliege am VIP-Nobelstrand – es weht eine angenehme Brise, und das Wort Personal Space wird hier großgeschrieben: Meine Luxusliege ist auf allen Seiten abgeschirmt durch strahlend weiße Zeltplanen – toll! Nicht ganz billig natürlich, aber eben das totale Mekka für kleine Menschenfeinde wie mich!

Aber, wie meine Tante immer sagt, was gibt der liebe Gott? Er schickt uns Corona, und die ganze belgische Küste ist gesperrt! Niemand darf mehr nach Knokke fahren, und die belgische Polizei kontrolliert sogar die Autobahn. Also muss ich in meinem Antwerpener Domizil vor mich hin schmoren. Es ist zum Aus-der-Haut-fahren. Ich will hier raus!

DRÄNGLER Mein Mann schlägt eine Fahrradtour vor. Aber ich hasse Radfahrer! Diese aggressiven Drängler, die glauben, die Straßen gehören ihnen allein. Anders ist das natürlich, wenn man selbst auf dem Fahrrad sitzt, wie ich bald schon merke.

Mit der ganzen Family kurven wir vergnügt durch die Grünanlagen. Endlich mal schneller sein als alle anderen und allem, was nervt und stresst, davonfahren! Vorbeirauschen durch eine Wolke von duftigem Grün, Vogelgezwitscher und Sonnenlicht. Sieht so aus, als hätte sich mein Leben für einige Stunden in einen kitschigen Werbespot verwandelt.

Wieder zu Hause angekommen, schwinge ich mich vom Sattel. Da sausen ein paar Teenager auf ihren hochgetunten Tretrollern an mir vorbei, ich stolpere und will gerade einen wüsten Fluch ausstoßen, da bemerke ich, wie happy alle diese Roller-Teenies aussehen. Sie strahlen ja richtig. Vielleicht nennt man das ja Tretroller-High, vergleichbar mit einem Joggers High oder vielleicht einem Fahrrad-High?

Ich lächele den Teenies zu, und sie grinsen zurück, einer hält sogar den Daumen hoch – und für wenige Minuten bin ich vielleicht fast so etwas wie ein Menschenfreund – oder so etwas Ähnliches.

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Cannes

Hüller als Erika Mann, Eidinger als Gestapo-Chef

Das Programm der Filmfestspiele ist vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Ein Beitrag außerhalb des Wettbewerbs sorgte für Überraschungen

von Patrick Heidmann  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Aufgegabelt

Schawuot: Käse-Bourekas

Rezepte und Leckeres

 21.05.2026

Berlin

Daniel-Ryan Spaulding: Pro-israelischer Comedian aus Kanada in Deutschland

»Wenn wir Freiheit, Demokratie und säkulare Werte verteidigen wollen, dann sollten wir alle an der Seite Israels stehen«, sagt der Künstler, der auch zum Aktivisten wurde

von Imanuel Marcus  21.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026

Leipzig

Ausstellung zu jüdischem Leben und Bach

Johann Sebastian Bach hat sehr wahrscheinlich keine persönlichen Kontakte zu Jüdinnen und Juden gepflegt. Doch seine Werke wurden schon im 18. Jahrhundert von der jüdischen Community aufgeführt und verbreitet

von Katharina Rögner  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026