Finale

Der Rest der Welt

State of Mind: Noch 24 Stunden, bis der Bus abfährt. Foto: Getty Images / istock

Wie nennt man es, wenn fünf Dutzend Jugendliche unbeaufsichtigt ein ganzes Wochenende in einer kalten, zugigen, angeranzten Hütte irgendwo in der Pampa verbringen, sich nur von Chips und kalten Kartoffeln ernähren, die ganze Nacht durchfeiern und sich zwischendurch Mayonnaise und Zahnpasta in die Haare schmieren? Schabbat Kwuza, der jährliche Ausflug der Jugendgruppe.

Und wenn die Kartoffeln auch noch um Tiefkühlschnitzel ergänzt werden, alles glatt koscher ist und das Ganze ein Vermögen kostet? Dann ist das die Schabbat Kwuza der Antwerpener Bnei Akiva.

Bnei Akiva Der Höhepunkt des Wochenendes ist wie immer der »Asch Laila«, also das nächtliche Wecken der Chanichim, wobei die Mayonnaise-Zahnpasta-Kombi wieder voll zum Tragen kommt und sich alle bei null Grad im Pyjama auf offenem Feld wiederfinden, Fackeln schwingen und Bnei-Akiva-Lieder brüllen.

Kurzum: Diese Ausflüge sind nur etwas für ganz hart gesottene Kinder, nichts für Weicheier mit schwachen Nerven.
Was aber, wenn das Weichei mit den schwachen Nerven unbedingt mitfahren will zum Schabbat Kwuza? Wenn das neunjährige, unsportliche weinerliche Brüderlein auch mal wie die coolen großen Schwestern sein will? Tja, dann sollte sich Muttern erst einmal eine Vorratspackung Valium holen und tief durchatmen, denn es stehen harte Zeiten an.

Noch eine Woche, bis der Bnei-Akiva-Bus abfährt, und das kleine Weichei ist völlig hysterisch. Der Koffer steht gepackt neben der Tür. Alles wird wieder ausgeräumt und in eine Sporttasche gequetscht, denn Koffer wirken so uncool. Dann bemerkt das Weichei, dass es keine coolen Klamotten hat, schmeißt alles aus der Tasche raus und zwingt seine Mutter zu einer nervigen Shoppingtour durch die Stadt.

Alsdann fällt dem Weichei ein, dass seine Haare zu lang sind und es einen coolen Haarschnitt braucht. Muttern chauffiert es zum Friseur. Was folgt, ist ein mittlerer Nervenzusammenbruch, denn die Haare sind zu kurz! Das Weichei versteckt alles unter einer übergroßen Baseballmütze und weigert sich, sie abzusetzen.

Baldrian Muttern wirft ein paar Baldrianpillen ein. Noch 48 Stunden, bis der Bus abfährt. Dem Weichei fällt ein, dass sein bester Freund Gili nicht mitfährt und es niemanden sonst in der Gruppe kennt. Mit zitternden Fingern hängt sich Muttern ans Telefon und bekniet Gilis Mutter, ihn doch auch mitzuschicken. Sie willigt ein. Noch 24 Stunden, bis der Bus abfährt.

Gili sagt, er will im Bus nicht neben dem Weichei sitzen. Das Weichei kriegt einen Ausraster. Muttern besticht es mit Bergen von Süßigkeiten. Als der Bus mit dem flennenden Weichei endlich abfährt, sind beide Eltern um Jahre gealtert. Der Schabbat Kwuza ist natürlich ein voller Erfolg, simsen die großen Schwestern. Noch nie habe sich das Weichei so gut amüsiert!

Und die Eltern? Die haben inzwischen in ein kinderfreies Spa-Hotel eingecheckt. Ob sie da sein werden, um das kleine Weichei Sonntagabend vom Bus abzuholen? Bei Redaktionsschluss war diese Frage noch offen.

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Kulturkolumne

Tikkun Olam am Abend

Das Geheimnis der Waldschnepfe

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Tel Aviv

Gal Gadot will mit ihrer Familie nach Israel zurückkehren

Die Hintergründe

 29.10.2026