Finale

Der Rest der Welt

Erster Preis: eine Reise auf die Malediven Foto: Thinkstock

Finale

Der Rest der Welt

Warum ich endlich auf die Malediven will

von Ayala Goldmann  11.06.2018 21:22 Uhr

Achtung, Sponsoren! Wer hat Lust, einen weltweiten Grübelwettbewerb zu finanzieren? Vorsicht, dieser Aufruf ist nicht ganz uneigennützig, denn ich hätte in diesen Tagen beste Chancen auf den Hauptgewinn. (Wer mich kennt, wird das bestätigen, ansonsten bestelle ich einen unabhängigen Gutachter.)

Und nochmals Vorsicht, es wird nicht ganz billig: Der erste Preis ist eine Reise auf die Malediven. Oder gleich zum Mond. Denn auf der Erde kippt das Klima. Oder vielleicht sind es auch die Hormone, ich wache um vier Uhr morgens auf und grübele über den Sinn des Lebens. Natürlich komme ich zu keinem Schluss.

Warum ist alles so stressig? Warum kann ich nicht meine Ruhe haben? Nächstes Jahr werde ich 50. Alle um mich herum sind zu laut. Zu schrill. Jeder denkt nur an sein kleines uninteressantes Ego. Die Menschen werden hasserfüller, die Nachrich­ten schlechter. Das war auch so eine 80er-Jahre-Illusion, eine bessere Welt zu schaffen. Nie wieder Krieg … Nette Idee.

Meeresrauschen Wir aber schaffen gar nichts. Außer neuem Streit. Nicht mal Nettas Sieg bei der Eurovision kann zur Völkerverständigung beitragen. Und Fußball? Sogar Freundschaftsspiele werden heutzutage abgesagt. Was soll das Ganze überhaupt? Ich will auf die Malediven. An einen Strand, wo alles still ist. Keine Menschen, weder Juden noch Nichtjuden, keine Geräusche, außer Meeresrauschen und Wind.

Denn alles ist eitel und Haschen nach Wind, wie schon Kohelet schrieb. Aber dass niemand ewig lebt, ist keine neue Erkenntnis. Warum kommt mir dann um vier Uhr morgens Kurt Tucholsky in den Sinn: »Es tickt die Uhr. Dein Grab hat Zeit / drei Meter lang, ein Meter breit. / Du siehst noch drei, vier fremde Städte, / du siehst noch eine nackte Grete / Noch zwanzig-, dreißigmal den Schnee – Und dann: / Feld P – in Weißensee – / in Weißensee.«

Definitiv, das hat Zeit – auch deshalb, weil Feld P längst voll besetzt ist und direkt neben Feld E 8, das für »gemischte« Begräbnisse vorgesehen ist, eine Hauptverkehrsstraße verläuft. Wer will schon in der kommenden Welt Autobahnlärm hören? Ewige Ruhe stelle ich mir anders vor.

Reiseziele Auch die »nackte Grete« ist nicht so mein Ding – Tucholskys lyrisches Du war ein Mann, ich bin stockhetero. Aber noch ein paar fremde Städte oder Länder, das wäre schön. Ich war noch nie in Kanada. Oder in Brasilien. Auch Schweden und Südafrika fehlen mir in meinem Reiseportfolio. Um aufs Meeresrauschen zurückzukommen: Vielleicht sollte ich Nachfolgerin von Eli Avivi werden und nach Achzivland auswandern, dem friedlichsten Staat im Nahen Osten?

Oder lieber erst einmal das Fundraising für den Grübelwettbewerb vorantreiben? Über den Hauptgewinn haben wir bereits gesprochen. Der zweite Preis ist eine Reise nach Neuseeland, der Trostpreis: drei Wochen Israel mit Hotel in Tel Aviv (all inclusive samt Krach machenden Hotelgästen mit vielen kleinen Kindern). Mehr Urlaub habe ich nicht am Stück. Aber ganz ehrlich, ich hätte den ersten Preis verdient. Und wenn ich erholt zurückkomme, profitieren auch die Leser – also Sie. Sponsoren, meldet euch!

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