Finale

Der Rest der Welt

Grillhuhn – der heimliche Star eines Geburtstags Foto: Thinkstock

Wussten Sie schon, dass ich diesen Monat 45 werde? Das heißt, ich habe meinen eigenen Geburtstag bereits 44-mal überstanden, den meines Mannes 16-mal und den meiner Zwillinge neunmal – und alle im gleichen Monat! Das schlaucht! Der Geburtstagsmarathon beginnt mit meinem Mann Alain am 2. April, auch genannt: »Der Tag der unüberbrückbaren Differenzen«, denn ich liebe Geburtstage, Alain jedoch hasst sie wie die Pest.

Deshalb lege ich mich jedes Jahr total ins Zeug, um ihm irgendwie eine Freude zu machen, was aber jeweils nur ein gelangweiltes Grunzen bei ihm hervorruft.

Snack Alain, muss man wissen, hat eigentlich nur eine Leidenschaft im Leben, und die ist Grillhuhn. Also habe ich den diesjährigen 2. April spontan zum Tag des Grillhähnchens ernannt. Grillhähnchen mittags, abends und als Snack. Morgens ans Bett eine Grillhähnchen-Torte mit kleinen brathuhnförmigen Kerzen und einem überdimensionalen Plastik-Grillhuhn in der Mitte. Lassen Sie mich verraten: Es war verdammt schwer, Fondant in der passenden Brathuhn-Farbe aufzutreiben. Jedenfalls wurden meine Bemühungen von Alain mit einem zufriedenen Grunzen quittiert, was ich als gewissen Erfolg für mich verbuchte.

Als Nächstes folgte der Geburtstag der Zwillinge, die jedes Jahr immer extravagantere Wünsche äußern. Dieses Jahr wollte die eine eine singende Torte, die andere eine Piñata – also eine dieser knallbunten Figuren. Natürlich gelang es mir, Geburtstagskerzen aufzutreiben, die beim Anzünden den Triumphmarsch aus Aida schmetterten. Leider vergaß ich, die Batterien auszuwechseln, sodass die Kerzen beim Anzünden nur ein gequältes Jodeln von sich gaben. Der Erfolg war also nur mäßig.

USA Die Piñata hatte ich bei Amazon bestellt, sie war aber auf dem Postweg verloren gegangen. In einer letzten verzweifelten Aktion organisierte ich den Zwillingen eine Geburtstagsparty für ihre kleinen Freunde im Park, mit einer »Living Piñata«. Das ist der neueste Hit aus den Staaten. Die lebendige Piñata – in diesem Fall mein Göttergatte – schlüpft in alte Klamotten, auf denen mittels Klebepistole kleine Bonbons und Schokoriegel befestigt werden. Es folgt eine lustige Jagd durchs Gelände, wobei die Kids möglichst viele Süßigkeiten ergattern müssen.

Dumm nur, dass ich nicht mit einkalkuliert hatte, dass die kleinen Gören anscheinend seit Stunden nicht gefüttert worden waren und sie einfach schneller rennen als Alain, sodass sie ihm innerhalb von Sekunden die Süßigkeiten mitsamt aller Klamotten vom Leibe rissen und er sich auf den nächsten Baum retten musste, um dort seine Blöße notdürftig mit Laub zu bedecken.

Ich düste ab nach Hause, um ihm neue Sachen zu holen. Die Kleinen parkte ich in der nächstgelegenen Konditorei. Als ich wiederkam und Alain aus dem Baum befreit hatte, hatten die gierigen Kleinen einen halben Monatslohn in Form von Kuchen und Torten verfuttert, was natürlich mein Kreditkartenlimit überstieg, sodass der Geburtstag mit einer lustigen Schaumschlacht endete: nämlich in der Küche der Konditorei, wohin wir zum Abwasch verdonnert wurden, um die Torten-Orgie abzuzahlen! Kommentar meiner Zwillinge: Best Birthday Party Ever!

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