Finale

Der Rest der Welt

Jüdisch, makkabäisch, whatever. Wieso nennt sich Israel in der UNO nicht einfach, wie es will. Die ganze Welt wird das anerkennen – wir nicht!» Aus aktuellem Anlass fällt mir ein Zitat von Hind Khoury ein. Deren zynische Bemerkung in der Debatte um den jüdischen Staat ist schon eine Weile her – und natürlich teile ich keineswegs die Ansicht der PLO-Politikerin und palästinensischen Ex-Ministerin.

Allerdings frage ich mich in diesen Tagen nicht nur, ob wir (und damit meine ich natürlich nur mich und meine Familie) noch alle Chanukkakerzen auf dem Leuchter haben, sondern auch, ob Frau Khoury nicht eine originelle Anregung für die aktuelle Diskussion in Israel geliefert hat. Vielleicht könnte die Knesset den Streit um das «Gesetz zum Nationalstaat des jüdischen Volkes» zwei Wochen vor Beginn des Lichterfestes mit einem Befreiungsschlag beenden, indem sie den Judenstaat in «Medinat Hamakkabim» umbenennt, den Makkabäerstaat? Eine Hammer-Idee! Oder vielleicht doch nicht?

Chanukkia Problem Nummer eins: die Beleuchtung. Schließlich ist im Staatswappen Israels die Menora zu sehen – der bekanntermaßen siebenarmige Leuchter, der bei Ausrufung des Makkabäerstaates durch die neunarmige Chanukkia ersetzt werden müsste. Eine Änderung, die Milliardenkosten verursachen würde – denkt man nur an die israelischen Pässe, die allesamt mit neuen Wappen ausgestattet werden müssten.

Bei der Anzahl realer Leuchter, die mittlerweile überall im Judenstaat ihr Licht verströmen, wäre es totale Energieverschwendung, Hunderte zusätzlicher Glühbirnen einzuschrauben. Außerdem war der Leuchter, der einst den jüdischen Tempel erhellte, laut 2. Buch Mose 25,31 eindeutig siebenarmig – Makkabäer hin oder her. Würde man das Tempelsymbol entfernen, flössen die Spenden bibeltreuer Christen an Israel vielleicht nicht mehr in gewohntem Umfang.

Problem Nummer zwei: Diverse makkabäische Helden waren dem jüdischen Volk gegenüber genauso unfriedfertig wie der Seleukide Antiochus IV. Man denke nur an Alexander Jannai, der im Talmud als Tyrann beschrieben wird. Wer von uns möchte den Staat Israel, dessen Gründung die jüdische Seele 2000 Jahre erhofft hat, in eine Diktatur des Makkabbiats abdriften sehen?

Makkabi Chai Problem Nummer drei: Der Gruß «Makkabi Chai» (weltweit bekannt als Ausruf jüdischer Sportsfreunde) würde womöglich in Israel die Begrüßungen «Schalom» und «Ahalan» ersetzen, aber auch von Diasporajuden verwendet, denen zu «Makkabi» außer einer mittelmäßigen israelischen Biersorte nicht viel einfällt.

Das Erbe der Makkabäer würde ins Lächerliche gezogen – und das so kurz vor den Europäischen Makkabispielen 2015! Ich werde deshalb aufhören, der Knesset Vorschläge zu unterbreiten, und lieber meine eigenen Probleme lösen. Zum Beispiel: Wo sind die Chanukkakerzen? Gibt es eine Party, oder nicht? Und wo ist eigentlich der Schamasch geblieben?

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026