Finale

Der Rest der Welt

Wir sitzen auf einer Bank, Jossi und ich. Unter uns fließt die Sihl, ein kleiner, schmutziger Fluss. Jossi wird in drei Wochen heiraten und hat ein Problem: Er ist noch Jungfrau und weiß nicht so viel über Frauen. Seit einem Monat geht er jeden Montag und Donnerstag zu Rabbiner Bollag in die Aufklärungsstunde. Dieser ist ein alter, weiser Rabbi.

In seinem Studierzimmerchen stapeln sich die frommen Bücher bis zur Decke hoch. Alle jüdischen Männer, die an der Schwelle zur Hochzeit stehen, gehen zum alten Rabbi Bollag. Der hat nämlich ein Buch zum Thema geschrieben: Die Heiligkeit der jüdischen Frau. Wenn es also jemanden gibt, der Ahnung von Frauen hat, dann bestimmt dieser Greis.

Psyche Jossi ist aber trotzdem ein wenig bekümmert. Er weiß jetzt zwar die aramäische Übersetzung von den primären Geschlechtsmerkmalen, beherrscht die komplizierte Berechnung der Unreinheitstage der jüdischen Frau und hat das Einmaleins ihrer Psyche gelernt. Aber wie genau berührt man eine Frau? Was muss man da genau machen?

Jossi guckt mich an. Über vieles hat er mit dem Rabbiner gesprochen. Aber wie man eine Frau zielorientiert streichelt, darüber hat der Rabbi nichts geschrieben. Deswegen lädt mich Jossi zu einer Cola ein, um von meinen Erfahrungen zu lernen. Ich bin etwas überrascht. Gewiss, ich bin schon seit zehn Jahren verheiratet. Würde ich in Spanien leben, hieße ich wahrscheinlich »Benioso el Toro« Frenkel. Aber ich lebe ja in Zürich, in der Nähe des Sihl-Flusses, und ich habe viel Stress. Ich weiß auch nicht, wie und wo man Frauen eigentlich berühren muss.

Ohrläppchen Das vor Jossi zuzugeben, fällt mir schwer. Er soll nicht unwissend in die Ehe starten. Mich hat er als seinen Vorspiel-Tutor auserwählt, also muss ich ihm auch helfen. Ich erwähne das Ohr. »Frauen«, ich gucke Jossi an, »mögen es, beim Ohrläppchen gekitzelt zu werden.« »Ohrläppchen«, wiederholt Jossi, um sich die Stelle zu merken, »beide Ohrläppchen?«.

Gute Frage. Ich überlege. »Nein, nur das eine. Und mit der anderen Hand berührt man die Nase«. »Wo genau?« »Beim Nasenbein«, denke ich laut. Ich komme ein wenig in Fahrt. »Und dann berührst du ihren Hals und ihre Schulter«, »beide Schultern?«, »Ja! Aber sanft und in kreisförmigen Bewegungen. Langsam gleitest du runter, bis du...«, Jossi unterbricht mich. Ich bin ihm peinlich.

Schade, denn zum ersten Mal machte ich mir ernsthafte Gedanken: Am Abend küsste mich meine Frau und guckte mich fragend an. Ob alles in Ordnung sei mit mir und ob ich irgendwann ihr Nasenbein wieder loslasse. »Un momento«, säuselte ich, »Benioso el Toro hat doch gerade erst angefangen...«

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Nachruf

Israels verkanntes Musikgenie

Unser Autor hörte Matti Caspi schon als Kind bei einem Konzert im Kibbuz. Eine persönliche Erinnerung an den Sänger und Komponisten, der mit 76 Jahren an Krebs gestorben ist

von Assaf Levitin  11.02.2026

Kultur

Ensemble, Schmäh und Chalamet: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. Februar bis zum 18. Februar

 11.02.2026