Kunst

Der Maler vom Wannsee

»Sehen Sie doch mal mein ›Schloss‹ am See an. Übermütig siehts nicht aus (…), aber ich glaube, dass es nach mir aussieht«, schrieb Max Liebermann einmal an einen Kunstkritiker. Seit 1910 zog sich der berühmte Berliner Maler jeden Sommer in sein Landhaus am Großen Wannsee zurück. Liebermann hielt die klassizistische Villa – und vor allem den dazugehörigen großzügigen Garten – in unzähligen Gemälden, Pastellen und Zeichnungen fest.

Unscheinbar, so gar nicht »übermütig«, wirkt das Haus auf dem 1926 entstandenen Gemälde »Haus am Wannsee«. Die großen Birkenbäume auf dem Grundstück und das satte Grün dominieren den Bildeindruck. Die Alte Nationalgalerie in Berlin zeigt dieses Gemälde nun neben zwölf weiteren Werken Liebermanns aus der hauseigenen Sammlung in einer Ausstellung anlässlich des 175. Geburtstags des Künstlers.

lebenslauf »Ich, Max Liebermann, bin am 20. Juli 1847 in Berlin geboren. Mein Vater, Louis Liebermann, erzog mich, treu dem Glauben der Väter, in der jüdischen Religion.« Diese Sentenz stammt aus einem Lebenslauf, den Max Liebermann zu seinem Abitur schrieb. Sein Judentum versteckte er zeitlebens nicht. Liebermann bezeichnete sich vielmehr als einen »eingefleischten Juden«, der »sich im Übrigen als Deutscher fühlt«.

Liebermann bezeichnete sich selbst als »eingefleischten Juden«.

Studien und längere Reisen führten den jungen Künstler nach Weimar sowie in die damalige Kunstmetropole Paris, aber auch nach Holland, das Liebermann zur selbst erklärten »Malheimat« wurde. 1898 gründete er mit weiteren Kollegen die progressive Künstlervereinigung »Berliner Secession« und wurde deren Präsident. 1920 wurde er Präsident der Preußischen Akademie der Künste, deren Sitz wenige Schritte entfernt von Liebermanns Wohn- und Atelierhaus am Pariser Platz lag.

In der Alten Nationalgalerie lässt sich Max Liebermanns künstlerische Entwicklung anhand exemplarischer Meisterwerke besichtigen. Während die »Gänserupferinnen« noch in der Weimarer Studienzeit um 1871 entstanden, zeugt das Gemälde »Flachsscheuer in Laren« aus dem Jahr 1887 vom starken Einfluss der holländischen Malerei auf Liebermanns Werk. Das »Selbstbildnis mit Sportmütze an der Staffelei« von 1925 zeigt den damals 78-jährigen Maler und einflussreichen Akademiepräsidenten in eleganter Aufmachung, jedoch keineswegs auftrumpfend.

machthaber Vom »Abschluss einer Epoche« und dem »Ende einer reichen, unwiederbringlich dahingegangenen Zeit« war am 15. Februar 1935 in der hebräischen Zeitung »Haaretz« in einem Nachruf auf Max Liebermann zu lesen. Eine Woche zuvor war der von den nationalsozialistischen Machthabern verfemte Maler in seinem Haus am Pariser Platz gestorben.

Beigesetzt wurde er in der Grabanlage der Familie Liebermann auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg.
Dass sein künstlerisches Werk bis heute nachwirkt, möchte die Alte Nationalgalerie in Form von Videos mit kurzen Statements verdeutlichen. Ob Museumsaufsicht, Künstlerin oder Filmschauspieler, Kind oder Jugendlicher: Die persönliche Begeisterung für Max Liebermann scheint sich durch etliche Alters- und Gesellschaftsschichten zu ziehen.

Die Ausstellung ist vom 20. Juli bis 13. November in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen.

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