TV-Tipp

Der »gute Nazi«

Am 6. Oktober 1945, vor 75 Jahren, unterzeichneten die Ankläger der vier alliierten Mächte in Berlin die Anklageschrift gegen »Hermann Wilhelm Göring und andere«. Foto: imago

Albert Speer ist ein grausames Exempel dafür, wie gefährlich die Macht der Inszenierung sein kann. Wie konnte es gelingen, dass einer von Hitlers engsten Vertrauten, der Leibarchitekt und Reichsminister, der ab 1942 für zwölf Millionen Zwangsarbeiter verantwortlich war, so lange einen Ruf als »guter Nazi« genoss?

So wie Speer Adolf Hitler einschüchternd in Szene setzte, indem er ihn, wie wir in Vanessa Lapas Dokumentarfilm Speer goes to Hollywood erfahren, auf Parteitagen mit umgebauten Opernscheinwerfern ausleuchtete, genauso verstand er es auch, an seinem eigenen Mythos zu feilen.

zurechtbiegen Genau diesen Prozess, dieses Zurechtbiegen der eigenen Historie, macht Lapa in ihrem vor Ruhe berstenden Film sichtbar. »Hinter der Fassade war er ein größenwahnsinniger Narzisst, für den das Leben von Menschen keinen Wert hat, und der jeden ausnutzt, den er trifft.« So fasste es die israelische Regisseurin und Journalistin, die zuvor mit Der Anständige einen Film über Heinrich Himmler gemacht hat, im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen zusammen.

Es ist furios, wie sie in Speer goes to Hollywood das historische Material alleine sprechen lässt: Montage als Mittel der Aufklärung. In 47 Bild- und Filmarchiven und neun Audioarchiven hat Lapa Material für ihren Film gesammelt.

Im Zentrum steht die Geschichte der nie umgesetzten Verfilmung von Speers Welt-Bestseller Erinnerungen von Paramount Pictures. 1971 besucht der britische Drehbuchautor Andrew Birkin den fünf Jahre zuvor nach 20-jähriger Haft entlassenen Speer, um mit ihm die erste Drehbuchfassung der Verfilmung durchzugehen. Diese von Birkin aufgezeichneten Gespräche bilden einen dramaturgischen Rahmen in Lapas Film, der den Aufstieg Speers zeigt und immer wieder auch in den Gerichtsaal der Nürnberger Prozesse ab 1945 springt.

HITLER Mit Entsetzen folgt man den Gesprächen, in denen sich Speer ganz offen gibt. »Es war Liebe auf den ersten Blick« sagt er über seine Beziehung zu Hitler. Und ebenso offen versucht der gebildete Nazi, der seinen Gast zu Wein und Essen einlädt, seine Weste mit dem im Entstehen begriffenen Film weiter reinzuwaschen.

Es hat etwas Monströses, wie unmonströs Speer im Film wirkt und mit wie viel Kalkül er an seiner Geschichte webt. Speer goes to Hollywood ist filmhistorisches Dokumentarfilmkino par excellence, ein so erschreckendes wie brillantes Schlaglicht in die Schatten der deutschen Geschichte.

Der Film »Speer goes to Hollywood« wird am Montag, 13. März, um 22.25 Uhr auf 3sat (TV-Erstausstrahlung) gezeigt. Ab jetzt auch in der Mediathek.

Fernsehen

Gil Ofarim: »Das kann es nicht gewesen sein«

Was genau er damit meint und ob er sich auf den Skandal bezieht, der das öffentliche Bild von ihm zuletzt geprägt hatte, lässt Ofarim als Cliffhanger offen

 28.01.2026

"Dschungelcamp"

Anwalt von Gil Ofarim warnt vor Grenzüberschreitungen

Alexander Stevens sagt, es würden teils unwahre Tatsachenbehauptungen verbreitet, die strafrechtliche Konsequenzen haben könnten

 28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Fernsehen

»Bin ich die einzige Normale?«

Die Frage stellt Dschungelcamperin Ariel – doch Ferndiagnosen verbieten sich auch bei TV-Stars

von Martin Krauss  28.01.2026

Zahl der Woche

13 Sommer- und Winter-Machanot

Fun Facts und Wissenswertes

 27.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 27.01.2026

USA

Kanye West entschuldigt sich erneut für Antisemitismus

In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal schreibt der Rapper: »Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.«

 27.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026