Streaming

Bringt Gali nach Hause!

Gali (Talia Lynne Ronn) wird verdächtigt, kommerziell Drogen geschmuggelt zu haben. Foto: Apple TV

Das Bild der 23-jährigen Gali, die nach einem Indien-Urlaub beim Transit am Moskauer Flughafen von Sicherheitskräften abgeführt wird, brennt sich nicht nur ihrer Mutter Orna (Liraz Chamami) erbarmungslos ein, sondern auch den Zuschauern der neuen israelischen Thriller-Serie Unconditional. Sekunden vor dem Zugriff hören wir die junge Frau noch sagen: »Mama, alles wird gut.«

Doch hinter Gali (Talia Lynne Ronn) werden sich Türen für viele Monate schließen – die der Sicherheitsschleuse am Gate, die der Moskauer Polizeiwache, die der Untersuchungszelle. Für Orna beginnt damit ein Martyrium, das sich durch die Instanzen der russischen Justiz ziehen und zum großen Thema in den israelischen Medien werden wird.

In Galis Rucksack wurden angeblich Drogen gefunden

Der Vorwurf gegen die Tochter: Drogenschmuggel. Galis Rucksack soll Substanzen enthalten haben, deren Menge die russischen Behörden umstandslos als kommerzielle Schmuggelware werten. Der jungen Frau drohen laut russischer Gesetzeslage bis zu 18 Jahre Haft. Ohne Möglichkeit, vor Ort in Russland die Freilassung ihrer Tochter bewirken zu können, kehrt Orna in ihre Heimat zurück und beginnt in Israel eine Kampagne, die zu Galis Freilassung führen soll. Von der Unschuld ihrer Tochter ist Orna überzeugt. Doch ist es auch die israelische und internationale Öffentlichkeit?

In der Geschichte vom unschuldigen Mädchen, das ohne eigenes Zutun in die Mühlen einer fremden Justiz geraten ist, beginnen bald Risse sichtbar zu werden. Das von Adam Bizanski und Dana Idisis erdachte Drehbuch ist lose an reale Ereignisse angelehnt: an die Fälle von Naama Issachar, 2019 in Moskau wegen knapp zehn Gramm Marihuana zu siebeneinhalb Jahren verurteilt, sowie von US-Basketballerin Brittney Griner (2022) und »Wall Street Journal«-Reporter Evan Gershkovich (2023), die beide bei spektakulären Gefangenenaustauschen freikamen.

»Keshet International« aus Israel hat die Serie produziert

Produziert wurde Unconditional von »Keshet International«, der bedeutenden israelischen Fernsehschmiede – jenem Haus, das die Vorlage zu Homeland lieferte und in jüngster Zeit unter anderen mit A Small Light (über die Anne-Frank-Helferin Miep Gies) und Rough Diamonds (chassidisches Diamantenhändlermilieu in Antwerpen) bewies, wie souverän es dramatische Familienerzählungen mit geopolitisch aufgeladenen Stoffen zu verbinden versteht.

Hierzulande ist Unconditional auf Apple TV zu sehen, wo zuvor schon die israelische Spionage-Serie Tehran über drei Staffeln ein Stammpublikum fand. Auf Paramount+ wiederum hat die Keshet-Miniserie Red Alert über den 7. Oktober 2023 ein internationales Publikum erreicht – ungeachtet der grassierenden Boykottaufrufe von Anti-Israel-Aktivisten, denen sich die US-Studios anders als allzu viele Vertreter der deutschen Kulturszene nicht beugten.

Packendes Thriller-Fernsehen mit vielschichtigem familiären Unterbau

Worauf sich die Macher von Unconditional verstehen, ist packendes Thriller-Fernsehen mit vielschichtigem familiären Unterbau. Denn Orna kämpft zu Hause nicht nur für die Freilassung ihrer Tochter, sondern auch gegen die Frühdemenz ihres Mannes Benni (Yossi Marshek). Unconditional findet für den Kampf der Mutter bestechende Bilder einer Frau, deren Trauma seit dem 7. Oktober auch das ihres gesamten Landes ist.

Bezeichnenderweise heißt die Serie in Israel schlicht HaBat – »Die Tochter«. In Ornas »Bringt Gali nach Hause« hallt unverkennbar die »Bring Them Home Now«-Kampagne wider, mit der die Familien der Hamas-Geiseln nach dem 7. Oktober 2023 um ihre Angehörigen kämpften. In Unconditional wird Gali zur Tochter eines Landes. Doch droht dieses Bild im Verlauf der Handlung zu bröckeln.

Hauptdarstellerin Liraz Chamami liefert eine beeindruckende Performance als verzweifelte, zu allem entschlossene Mutter. Und Israels Serienindustrie beweist einmal mehr, wie souverän sie aus regionalen Stoffen Erzählungen formt, die international Abnehmer und Adaptionen finden.

Die Serie ist auf Apple TV zu sehen.

New York

John Legend spielt Harry Belafonte in neuem Film

»The Road Home« bringt die Geschichte der Musiker Hugh Masekela, Miriam Makeba und Harry Belafonte auf die Leinwand. Die Soul-Größe John Legend sieht seine Rolle als Privileg

 31.07.2026

London

Nach Protesten gegen sein Lied über Israel: Boy George tritt nicht mehr im London Palladium auf

Die Hintergründe

 31.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  30.07.2026

Kulturkolumne

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage?

Israelis im Ausland und die Wahl am 27. Oktober: Expats, bucht einen Flug!

von Ayala Goldmann  30.07.2026

London

Gericht verurteilt Amy Winehouses Vater zu Millionenzahlung nach gescheiterter Klage

Mitch Winehouse muss das Geld an zwei langjährige Vertraute seiner Tochter überweisen

 30.07.2026

Beziehungen

Es geht nicht um Leben oder Tod

Gute Freunde sind ein Geschenk. Und wenn es Krach gibt, sollte man tief durchatmen – und ein paar Tage später wieder anrufen

von Adriana Altaras  30.07.2026

Zahl der Woche

7 Wochen

Fun Facts und Wissenswertes

 28.07.2026

Literatur

Von der Liebe in Zeiten der ’Ndrangheta

In seinem Tatsachenroman erzählt der italienisch-jüdische Autor Roberto Saviano die Geschichte einer verschwundenen Frau

von Knut Elstermann  28.07.2026

Aufgegabelt

Marokkanische Bällchen

Rezepte und Leckeres

 28.07.2026