USA

Billy Joel erklärt Rückzug aus dem Popgeschäft

Billy Joel Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Billy Joel hat erstmals ausführlich erläutert, warum er seit mehr als drei Jahrzehnten kein neues Popalbum mehr veröffentlicht hat. In einem Interview mit Musikproduzent Rick Beato sagte der 77-Jährige, nach seinem Album River of Dreams aus dem Jahr 1993 sei für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, mit dem Schreiben neuer Popsongs aufzuhören. Zugleich verriet er, dass seine Kollegin Linda Ronstadt entscheidend dazu beigetragen habe, dass einer seiner größten Klassiker überhaupt veröffentlicht wurde.

Joel erklärte, nach River of Dreams habe er nicht mehr den Wunsch verspürt, erneut monatelang an einem Popalbum zu arbeiten. Sein Leben habe sich verändert: Er habe inzwischen eine Familie gehabt und andere Prioritäten gesetzt. Außerdem habe er sich gefragt, wie viele Alben ein Künstler wirklich brauche. Wenn die Beatles mit zwölf Studioalben Musikgeschichte geschrieben hätten, seien zwölf Alben auch für ihn genug gewesen.

Vor allem habe er vermeiden wollen, den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu verpassen. Viele Musiker veröffentlichten noch lange nach ihrem kreativen Höhepunkt neue Platten und schadeten damit ihrem eigenen Vermächtnis. »Ich wollte nicht so enden«, sagte der jüdische Sänger und Songschreiber.

Lesen Sie auch

Schärfster Kritiker

Ganz von der Musik verabschiedete sich der »Piano Man«-Interpret jedoch nicht. Statt weiterer Popmusik widmete er sich klassischen Klavierkompositionen – ein Projekt, das er nach eigenen Angaben schon lange verwirklichen wollte. Da er keine klassische Notenschrift beherrsche, habe er die Stücke einem Konzertpianisten Abschnitt für Abschnitt vorgespielt, der sie anschließend einstudierte und unter anderem in Deutschland, Österreich und Spanien aufführte.

Im Gespräch beschrieb Joel auch seine Arbeitsweise als Songschreiber. Fast immer entstehe zunächst die Musik und erst danach der Text. Eine der wenigen Ausnahmen sei »We Didn’t Start the Fire« gewesen. Für ihn stehe die Melodie stets im Mittelpunkt. Alle anderen Elemente müssten ihr dienen. Als sein künstlerisch geschlossenstes Werk bezeichnete er das 1982 erschienene Album The Nylon Curtain, obwohl dessen Produktion zu den schwierigsten seiner Karriere gehört habe.

Joel räumte außerdem ein, dass er sein schärfster Kritiker sei. Im Studio habe er häufig eigene Aufnahmen infrage gestellt. Ein Produzent habe ihn sogar einmal davon überzeugen müssen, ein Klaviersolo doch auf einer Aufnahme zu belassen, das er bereits streichen wollte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Das gesamte, von Rick Beato geführte Interview mit Billy Joel
»Zu kitschig«

Eine weitere Anekdote aus dem Interview betrifft den Welthit »Just the Way You Are«. Joel verriet, dass er die Ballade ursprünglich gar nicht auf sein 1977 erschienenes Album The Stranger aufnehmen wollte. »Es ist eine schöne, sanfte Liebesballade. Aber ich dachte, sie sei zu kitschig.«

Den Ausschlag gab schließlich Linda Ronstadt, die sich damals gemeinsam mit Sängerin Phoebe Snow im selben Tonstudio aufhielt. Joel spielte ihnen das Lied vor und erklärte, er halte nicht besonders viel davon. Ronstadt reagierte mit deutlichen Worten: »Bist du verrückt? Das ist ein Hit. Du musst das auf das Album nehmen. Das ist ein großartiger Song.«

Joel folgte ihrem Rat – eine Entscheidung, die sich als wegweisend erwies. »Just the Way You Are« wurde seine erste Top-Ten-Single in den USA und zählt bis heute zu seinen bekanntesten Liedern. Barry Whites Interpretation war ebenfalls sehr erfolgreich.

Auch Paul McCartney gehört zu den Bewunderern des Songs. Rick Beato erinnerte Joel im Interview daran, dass der frühere Beatle einmal gesagt habe, »Just the Way You Are« sei eines der wenigen Lieder, die er selbst gern geschrieben hätte. Joel zeigte sich davon noch immer beeindruckt: »Das hat mich umgehauen.« im

Film

Serienhit geht weiter: Warum will jeder »Nobody Wants This«?

Eine freizügige Sex-Podcasterin und ein charmanter Rabbiner verlieben sich. Ihre Geschichte ist ein gelungener Gegenentwurf zu klischeehaften Rom-Coms. So geht die Erfolgsserie weiter

von Simone Andrea Mayer  23.10.2026

Berlin

Wenn Wolf Biermann den roten Bademantel trägt

Die Stasi wollte den Liedermacher zum Alkoholmissbrauch verleiten und seine Beziehungen zerstören. Ein Film zeigt, wie er das überstand - und was er mit fast 90 macht: Kraulen in der Ostsee zum Beispiel

von Lisa Forster, Sven Gösmann  23.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus  22.10.2026

Berlin

Igor Levit spricht über eigenes Label

Der Starpianist will andere Künstler unterstützen

 22.10.2026

Bildung

»Wir müssen investieren«

Der Präsident der Bar-Ilan-Universität, Arie Zaban, über Wissenschaft in politischen Krisenzeiten und deutsch-israelische Zusammenarbeit

von Gabriele Hermani  22.10.2026

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Programm

BALAGAN, KUKURÍKU und Jazzy Diaspora: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 28. Oktober

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026