FINALE

Benis Welt

Ich möchte Sie nicht mit Privatem langweilen. Da meine Frau und ich aber gerade unser fünfjähriges Hochzeitsjubiläum feiern und von niemandem eine Glückwunschkarte bekommen haben, müssen Sie leider kurz leiden. Wissen Sie, das Fünfjahrjubiläum heißt auch Holzhochzeit. Im Rückblick gesehen waren unsere fünf Jahre natürlich nicht immer rosig, andererseits auch nicht stets hölzern. Hach, schön gesagt!

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, sieben Jahre noch länger. Und vor ziemlich genau acht Jahren bin ich meinen zukünftigen Schwiegereltern zum ersten Mal begegnet. Es war ein kalter Herbsttag, und ich lud meine damalige Freundin mit Mutter und Vater in ein Koscher-Restaurant in Berlin ein. Als Schweizer kann ich nicht so gut deutsch sprechen und vor allem nicht schnell genug. Drei Wochen zuvor bin ich bei einer mündlichen Prüfung an der Universität durchgefallen, und mein Selbstwertgefühl hatte auch schon mal besser geglänzt.

erotika Lange habe ich überlegt, wie ich den Eltern meiner Freundin gefallen könnte. Denn ich bin fromm, sie sind atheistisch. Ich hatte Angst, wie ein radikaler Muslim dazustehen, der bei Allah schwört, dass der Islam eine friedliche Blümchenreligion sei. Und genau dies war das Problem. Die Eltern meines Mädchens hatten Angst, dass sich hinter meinem kurz geschnittenen Bart ein religiöser Eiferer versteckt. Ich war sehr nervös und transpirierte ein wenig. Auf dem Weg zum Restaurant liefen wir am Sexmuseum von Beate Uhse vorbei. Interessiert guckte ich in die Schaufenster hinein und wusste endlich, wie ich meine Examinatoren überzeugen konnte.

wahrheit Als sie beide nämlich der Höflichkeit halber von mir wissen wollten, was ich in meiner Freizeit so anstelle, erwiderte ich: »Ich sammle wertvolle Erotika.« Denn alles was ich wollte, war, den Eindruck zu verscheuchen, ich würde nur den Talmud studieren. Außerdem darf man um des Familienfriedens willen lügen. Mein zukünftiger Schwiegervater sah mich kurz an und bohrte nach: »Sie sammeln also Pornovideos?« Natürlich nicht! Geschult durch mein langjähriges Talmudstudium konnte ich vom Thema wieder ablenken und den Verdacht abschütteln, ich würde ihre Tochter für meine Freizeittätigkeit benutzen. Ich weiß nicht, wie gut mir das gelungen ist. Der erste Eindruck ist der nachhaltigste, das ist mir klar.

Wenn ich also Ratschläge erteilen darf, dann folgende zwei: Ehemänner, sprecht immer die Wahrheit! Verwandte, vergesst keine Hochzeitstage!

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