Roman

Banale Larmoyanz

Olivier Guez Foto: imago/VIADATA

Die Geschichte ist schnell erzählt. Jacques Koskas, ein junger Mann aus gutem sefardisch-aschkenasischen Hause im Elsass, bricht auf in die große weite Welt und entdeckt die Frauen. Als Journalist ist er eher eine Nullnummer, und mit seinem Buchprojekt »Israel, eine erotische Revolution«, in dem er die These aufstellt, dass der »Zionismus mehr als eine nationale Befreiungsbewegung war, in erster Linie nämlich eine sexuelle Utopie«, kommt Jacques auch nicht so richtig vom Fleck.

Aber bei den Frauen läuft es – zumindest auf den ersten Blick. In Paris pflegt er Liebschaften mit der glamourösen Karrierefrau und »Jewish French Princess« Serena Bensoussan und mit der etwas einfacher gestrickten, dafür aber umso großbusigeren Kollegin Clémence. Doch irgendwie fehlt ihm etwas, die wirkliche Liebe ist das alles nicht. Der Protagonist landet in einer Sackgasse, die sich zu einer handfesten Sinn- und Lebenskrise steigert.

Was der Autor für Erotik hält, nervt schrecklich.

Und was passiert, wenn es mit einem nicht mehr weitergeht? Richtig, man zieht ins wilde Berlin und stürzt sich ins Abenteuer. So auch Jacques, der dort auf die blonde Barbara trifft. Nach anfänglichem Glück – sogar das gemeinsame Weihnachtsfest mit allen Elternteilen klappt ohne Katastrophen – geht er ihr aber mit seiner k.u.k. Nostalgie gehörig auf den Zeiger. Das ständige Beschwören einer Vergangenheit, in der Juden präsent und wichtig waren, interessiert sie nicht, sie will einen richtigen Kerl und keinen Loser. Es kommt zum Eklat und zur Trennung, woraufhin Jacques die sprichwörtliche Reise »zurück zu den Wurzeln« antritt, die ihn nach Czernowitz bringt, wo ein Rabbi dann für Ordnung in seinem Kopf sorgt.

RAUBTIERKÄFIG Was der Autor für Erotik hält, nervt bei dem Ganzen schrecklich. »Stürmisch knetete er das milchige Fleisch und vergrub seinen Kopf zwischen den beiden kahlen Gipfeln der Journalistin, während seine Zunge sich zeitweise auf ihre geschwollenen Brustwarzen verirrte«, heißt es da unter anderem. Überhaupt geht es in dem Roman zu wie im Raubtierkäfig, nur geruchsfrei. Serena Bensoussan ist eine »Tigerin«, und Jacques sieht sich als »brünstiger Panther«, der auch schon mal von einer wilden »Leopardin« träumt. Die ständigen Verweise auf den zelebrierten Genuss unkoscherer Gerichte wie Sahne in Kombination mit Speck oder Austern sind alles andere als originell oder witzig.

Olivier Guez hat sich als Drehbuchautor von Der Staat gegen Fritz Bauer und Autor des Romans Das Verschwinden des Josef Mengele einen guten Namen gemacht. Sein neues Buch, Koskas und die Wirren der Liebe, das einige autobiografische Züge tragen soll, scheitert aber auf ganzer Linie daran, dass sein Protagonist allenfalls zur plattitüdenhaften Larmoyanz fähig ist, deren Banalität durch peinlich-kitschige Erotikschilderungen zum Höhepunkt gebracht wird.

Olivier Guez: »Koskas und die Wirren der Liebe«. Aufbau, Berlin 2020, 336 S., 22 €

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