Musik

Back in Pink

Michal Shapira singt Amy Winehouse. Foto: MUPERPHOTO

Der Lidstrich sitzt, der Beehive auch – aber Amy ist es nicht. Die Stimme ist warm, das Kleid knapp, aber die Winehouse steht nicht auf der Bühne. Die Frau, die da auf dem Barhocker sitzt, ist die israelische Jazzmusikerin Michal Shapira Und die tourt ab Freitag mit ihrem Programm »When Michal met Amy« durch Deutschland.

Als Michal Amy traf, lebte die Israelin gerade in einer WG. Ihr Mitbewohner war frisch aus New York zurückgekehrt und spielte ihr »Back to Black« von einer gewissen Amy Winehouse vor. »Ich dachte, sie sei eine 60‐jährige, umfangreiche, afro‐amerikanische Sängerin, und war komplett begeistert«, erzählt Shapira. »Als ich erfuhr, dass sie ein 21‐jähriges, britisch‐jüdisches, dünnes Mädchen war, war es eine kleine Überraschung.«

Sie verliebte sich sofort in die Sängerin, deren Stimme Shapira an jene Jazz‐Ikonen erinnerte, die sie verehrt: Ella Fitzgerald, Billie Holiday oder Sarah Vaughan. »Amy war, als sie ihr erstes Album schrieb, so unfassbar jung, und das hat mich fasziniert.« Vielleicht auch, weil die heute 38‐jährige Shapira selbst früh angefangen hat, Musik zu machen und zu schauspielern.

HaKokhav HaBa In Israel ist Michal keine Unbekannte. Sie wirkte bei der beliebten Show HaKokhav HaBa mit – widmete sich dann aber doch lieber ihrer eigenen Musik und schied aus freien Stücken aus der Show aus. Sie tourte mit dem Electro‐Jazz‐Ensemble »Oppenheim« und wurde zu Jazz‐Festivals eingeladen. 2017 veröffentlichte sie ihr Album Taklit Rischon. Und nun also Amy. Nur begleitet von dem Pianisten Tamir Leibovich, verspricht Michal den Gästen einen Abend mit – natürlich – viel Musik, aber auch persönlichen Geschichten.

»Nur wenige Monate nach Amys Tod starb mein Freund und musikalischer Partner an Krebs. Das war für mich eine sehr intensive Zeit«, sagt Shapira. Durch die Trauer begleitete sie Winehouses Musik, und auch deswegen stand für Shapira fest: »Ich werde ihre Musik weitersingen. Es war wie eine Art Berufung für mich.« Um die allerdings bühnentauglich zu machen, bedurfte es einiger Anstrengungen, denn »Amys Instrument war die Gitarre«, Michal aber wird vom Piano begleitet.

»Egal, wie erfolgreich die Künstler international sind, nach Israel zurückzukommen, ist immer etwas Besonderes.«

Jena Also wurden die Songs neu arrangiert und werden vom 24. bis 28. Mai in Jena, Görlitz, Dresden und Ottersberg zu hören sein. Den Abschluss bildet am 26.Juli das Sommerfest des JazzRadio Berlin.»Ich bin sehr aufgeregt, wieder in Deutschland aufzutreten. Die Show beim ›jazzahead!‹-Festival in Bremen im vergangenen Jahr war ein tolles Erlebnis für mich.«

Shapiras Traum allerdings ist es, ihre Musik auf der ganzen Welt zu präsentieren. »Israelische Jazzmusiker gehören zu den wichtigsten überhaupt«, sagt sie. Viele haben das Land aber verlassen, um ihre Karriere weltweit voranzutreiben, wie der mit ihr befreundete Bassist Avishai Cohen. »Aber egal, wie erfolgreich die Künstler international sind, nach Israel zurückzukommen, ist immer etwas Besonderes.«

Wunsch »When Michal met Amy« könnte ein Anfang sein, um das Publikum in Deutschland auf die Sängerin aufmerksam zu machen. Genau hinzuhören, ist dabei aber ein Muss und der Wunsch der Künstlerin: »Für mich ist es sehr wichtig, die Botschaft rüberzubringen. Das Publikum soll verstehen, was ich singe und auch schauspielerisch vermitteln will.«

Und vielleicht beantwortet die Interpretation der Winehouse‐Songs ja Michals Frage, die sie ihrer musikalischen Heldin gerne noch gestellt hätte: Hat sie je etwas bereut, oder hätte sie gerne etwas anders gemacht? Wir werden es hören.

Michal Shapira unterwegs:

Freitag, den 24. Mai um 20 Uhr in der Villa Rosenthal, Mälzerstraße 11, Jena

Samstag, den 25. Mai um 21.30 Uhr in der Jazztage Görlitz, Tivoli, Dr.-Kahlbaum-Allee 14, Görlitz

Sonntag, den 26. Mai um 20 Uhr im Jazzclub Tonne, Tzschirnerplatz 3–5, 01067 Dresden

Dienstag, den 28. Mai um 20 Uhr in der Schützenhalle Kreuzbuchen‐Ottersberg, 28870 Ottersberg

Heidelberg

»Ein Versprechen für die Zukunft«

Die Hochschule für Jüdische Studien feiert ihr 40. Jubiläum

 17.06.2019

Genetik

Babys aus dem Reagenzglas

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem stellen aus Hautzellen embryonale Stammzellen her

von Sabine Brandes  17.06.2019

Alfred Bodenheimer

»Wenig komfortable Ausgangslage«

Der Basler Judaist und Autor über neuen Antisemitismus, Gesellschaft und Kriminalromane

von Peter Bollag  16.06.2019