Finale

Ayalas Welt

Den Juden bleibt wirklich kein Ärger erspart. Nun gönnen ihnen die Ägypter nicht einmal die Dächer auf den Laubhütten. Oder wie würden Sie die Meldung verstehen, dass die ägyptische Regierung wenige Wochen vor Sukkot den Export des Lulaw – junge Palmwedel – an Israel untersagt hat? Was für ein Pech, auch für die Bauern im Sinai! Eigentlich könnten sie am Auszug der Israeliten aus Ägypten vor mehr als 3.000 Jahren bis zum heutigen Tag gut verdienen. Im vergangenen Jahr lief das Geschäft noch rund: 1,4 Millionen ägyptische Palmwedel wurden an Israel und an Juden in aller Welt geliefert.

Viele Juden deckten bisher mit den ägyptischen Zweigen ihre Laubhütten und folgten so dem Gebot aus 3. Buch Mose 23,40: »Ihr nehmt am ersten Tag des Festes die schönsten Früchte eurer Bäume, dazu Palmzweige und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden.« Nun aber musste das Landwirtschaftsministerium in Jerusalem die israelischen Bauern ermutigen, ihr Lulaw-Angebot zu erhöhen – während ihre ägyptischen Kollegen auf den Palmwedeln sitzen bleiben.

reparationen Doch sind es wirklich die aktuellen politischen Spannungen zwischen Israel und Ägypten, die zum Lulav-Boykott geführt haben? Ich habe da eine andere Theorie. Seit Jahren verlangen ägyptische Gelehrte von Israel milliardenschweren Schadensersatz – für die Gold- und Silbergeräte, die die Israeliten angeblich beim Auszug aus Ägypten hätten mitgehen lassen. Dabei berufen sich die Experten auf das 2. Buch Mose 11,2: »So sage nun dem Volk, dass jeder sich von seinem Nachbarn und jede sich von seiner Nachbarin silberne und goldene Gefäße geben lasse.«

Doch bereits 1986 wies ein Kommentator des israelischen Rundfunks die Forderung zurück: Erst einmal, so der Journalist, sollten die Ägypter die Juden für die Sklavenarbeit entschädigen, die die Israeliten vor ihrem Auszug geleistet hätten: »Seien Sie bitte so freundlich, die Löhne auszurechnen, die die Ägypter den Juden schulden, dazu die Summe, die ihnen wegen der Zurückhaltung der Löhne seit 3.000 Jahren zusteht. Wenn Sie die genaue Berechnung erledigt haben, fordern Sie bitte Ihre Regierung auf, uns den ausstehenden Rest zu überweisen.«

schulden Darauf wiederum gingen die Ägypter nicht ein – ihr Frust schwelte weiter. 17 Jahre später präzisierte Nabil Hilmi, der Dekan der juristischen Fakultät der Universität Al-Zaqaziq, die ägyptischen Forderungen: Unter der Führung von Moses, so Hilmi, hätten die Israeliten über 300 Tonnen Gold aus dem Reich der Pharaonen mitgehen lassen. Bei fünf Prozent Zinsen jährlich. ergebe die historische Schuld der Juden heute einen Wert von 1.125 Trillionen Tonnen Gold.

Und von all diesem Gold hat der ägyptische Staat bis heute kein Gramm gesehen! Da kann man schon verstehen, dass die Ägypter nun keine Lust mehr haben, den Juden zu gedeckten Laubhütten zu verhelfen. Doch wie ein altes israelisches Sprichwort sagt: »Wir haben den Pharao überlebt, wir werden auch den Palmwedel-Boykott überleben.« In diesem Sinne: Chag Sukkot Sameach!

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026

Geburtstag

Für immer Captain Kirk: William Shatner wird 95

Mit der »Enterprise« brach er in den 60er Jahren in die »unendlichen Weiten« des Weltalls auf. »Star Trek« machte den jüdischen Schauspieler weltberühmt

von Holger Spierig  22.03.2026

Aufgegabelt

Tahini-Gugelhupf mit Kardamom und Orange

Rezept der Woche

von Katrin Richter  21.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Genuss

Koschere Frühlingsblumen

Warum der Sederabend für Weinliebhaber kein Albtraum mehr sein muss

von Jacques Abramowicz  20.03.2026