Sehen!

Arnold Daghani und Charlotte Salomon

Das Jüdische Museum Frankfurt/Main präsentiert zwei künstlerische Zeugen der Schoa

von Alexander Kluy  12.11.2012 19:08 Uhr

Ausweglos: aus Charlotte Salomons Zyklus »Leben? oder Theater?« Foto: PR

Das Jüdische Museum Frankfurt/Main präsentiert zwei künstlerische Zeugen der Schoa

von Alexander Kluy  12.11.2012 19:08 Uhr

Der Titel der neuen, überaus gut gehängten Ausstellung im Frankfurter Jüdischen Museum am Untermainkai drückt bereits prägnant aus, was zu sehen ist aus dem Werk Charlotte Salomons und Arnold Daghanis: Bilder, Worte, Erinnerungen. Salomon und Daghani sind beide Erinnerungszeugen, die gegen die Zeit anmalten und sie als Kunst bannten: die Berlinerin, die 1943, 26-jährig und schwanger, aus ihrer Exilzuflucht, der kleinen Villa L’Hermitage in Villefranche bei Nizza, deportiert und in Auschwitz ermordet wurde, und der 1909 geborene Rumäne, der seine Zeit 1942/43 im Zwangsarbeitslager Michailowka und im Ghetto Berschad in der Ukraine künstlerisch festhielt. Er konnte fliehen, emigrierte Ende der 50er-Jahre nach Israel, ging nach Vence in Frankreich, von dort weiter in die Schweiz, 1977 nach Südengland, wo er acht Jahre später in Hove bei Brighton starb.

verzweifelt Beispiele aus Salomons tausendteiligem Zyklus »Leben? oder Theater?« wurden seit der Erstpublikation 1963 immer wieder ausgestellt, zuletzt dieses Jahr auf der documenta. Daghani dagegen ist unbekannter, seine Schriften, Bilder, Bücher und Mal-Buch-Objekte sind aber fast lohnender, weil packender, düsterer, bedrängender, gereizter, den Atem verschlagender. Bis zum Lebensende verstand er sich als Zeitzeuge. Und verzweifelte in den 70er-Jahren schier an der prozeduralen Langsamkeit der deutschen Justiz, der die juristische Sachlage als unzureichend für die Aburteilung von SS-Massenmördern in der Ukraine erschien. Mit am eindrucksvollsten ist ein Schwarz-Weiß-Film mit Charlotte Salomons Eltern, der im Schlussraum läuft: 16 Minuten kurz, von Georg Stefan Troller im Jahr 1963 gedreht, wenige Wochen, bevor die Villa L’Hermitage in Villefranche vollständig abgerissen wurde.

»Erinnerung – Bild – Wort: Arnold Daghani und Charlotte Salomon«. Jüdisches Museum Frankfurt/Main, bis 3. Februar 2013
www.juedischesmuseum.de

Osnabrück

»Maler des Holocaust«

Das Nussbaum-Haus zeigt selten ausgestellte Werke des Malers Felix Nussbaum

 25.05.2020

Essay

Die Entzauberung der Welt

Die jüdische Gemeinschaft wurde im Lauf der Geschichte immer wieder von Seuchen heimgesucht – und reagierte darauf oftmals auf ganz eigene Art und Weise

von Robert Jütte  24.05.2020

Studie

Wenn »Jude« zum Schimpfwort wird

Die Soziologin Julia Bernstein untersucht Antisemitismus an deutschen Schulen aus der Betroffenenperspektive

von Jérôme Lombard  24.05.2020

Finale

Der Rest der Welt

Neues von der Schule oder Immer wieder mittwochs

von Ayala Goldmann  23.05.2020

Hannah Arendt

Kritische Gesamtausgabe der Schriften

Erstmals sollen alle veröffentlichten und unveröffentlichten Texte der Philosophin in einer Edition zugänglich gemacht werden

 22.05.2020

Judenhass

Iran veröffentlicht Bild zur »Endlösung«

Ajatollah Ali Chamenei: »Die Auslöschung Israels wird Realität werden«

 21.05.2020

Geschichte

Mediziner-Fachgesellschaft zeigt Rolle in NS-Zeit

Mehr als 230 jüdische Ärzte wurden aus Deutschland vertrieben und emigrierten, mindestens 36 wurden ermordet

 20.05.2020

Berlin

Wieder Führungen am Holocaust-Mahnmal

Der Ort der Information bleibt bis auf Weiteres geschlossen

 20.05.2020

»Briefe nach Breslau«

Liebe Großeltern

Maya Lasker-Wallfisch nähert sich in ihrem Buch ihrem eigenen Leben und dem ihrer Familie

von Katrin Richter  20.05.2020