Wie funktioniert eigentlich Trash-TV? Lassen wir es doch Ariel selber sagen. »Ich möchte dich nicht provozieren, sondern mit der Wahrheit konfrontieren: Dass du ein kranker Lügner bist.«
Diesen offensichtlichen Widerspruch, nämlich dadurch nicht zu provozieren, indem man beleidigt, hat die umstrittene Schweizer Dschungelkandidatin formuliert. Angesprochen hat sie den umstrittenen deutschen Dschungelkandidaten, Gil Ofarim. Die beiden prägen das bisherige Camp.
»Gestört«, »geisteskrank«, »irre«. Kaum ein Begriff aus der Kiste der zur Recht in der Wissenschaft ausgemusterten psychologischen und pathologischen Begriffe ist bei diesem Dschungelcamp noch nicht gefallen. Und kaum ein Bewohner hat nicht irgendeine dieser Beleidigungen schon benutzt. Schließlich ist nicht nur Ariel das Dschungelcamp, sondern alle dringebliebenen und ausgeschiedenen Kandidaten bilden zusammen diese Show.
Nun wäre aber ein Fernsehformat, in dem jeder jeden nur und ständig beleidigt, aber keiner der Angegriffenen verärgert reagiert, auch ein bisschen ungewöhnlich. Doch genau dieses Modell findet erstaunlich oft statt.
Gil beispielsweise hat auf die Beschimpfungen bislang meist stoisch reagiert. Bislang war jedem seiner Blicke, seiner ganzen Körpersprache und seinen oft geseufzten »Jetzt ist aber gut«-Sätzen anzumerken, dass er sich sehr zusammenreißen muss. Doch, was niemand zu prognostizieren gewagt hatte, die Strategie des »Ich darf doch nichts sagen« scheint aufzugehen. Die dieses Dschungelcamp prägende Frage »Was ist damals in diesem Leipziger Hotel wirklich passiert?« wird mit Sicherheit nicht mehr beantwortet werden, zumindest nicht in diesem merkwürdigen Urwaldfernsehcamp. Damit haben sich fast alle arrangiert.
»Man hat irgendwann keinen Bock mehr«, formuliert Samira ihre Passivität und fügt hinzu: »Ich bin ja kein Richter.« Der Satz dürfte auch ungegendert nicht falsch sein.
Die einzige, die sich an diese, nennen wir es: etwas andere Form der Verschwiegenheitserklärung partout nicht halten möchte, ist Ariel. »Was du Menschen antust, ist Schmutz!«, haut sie Gil um die Ohren. »Ich werd’s dir morgen wieder sagen und übermorgen wieder.«
Es gibt im Bürgerlichen Gesetzbuch die Konstruktion der »Geschäftsführung ohne Auftrag«. Was Ariel im Dschungel ins Strafrecht einführen möchte, ist die »Anklage ohne Auftrag«.
Dem Konflikt, den Ariel sucht, steht der Versuch entgegen, B-Promis zuzusehen, wie sie sich im ungewöhnlichen Urwaldalltag arrangieren. Dieses Verständnis von Trash-TV wird von Gil repräsentiert, aber nicht nur. Es scheint, als würde die Frage, wie das, was wir doch bislang vor allem als Krawallfernsehen kannten, in dieser Dschungelcamp-Staffel neu verhandelt.
Simone beispielsweise sorgt mit ganz offensichtlich guten Kochkünsten für gute Stimmung im Lager. Und Samira oder Hardy schlagen mit vielen Gesprächen Brücken. Und Gil hatte an diesem 10. Tag der diesjährigen Dschungelshow nicht nur mit acht Sternen dafür gesorgt, dass Simone für alle etwas Gutes kochen kann. Sogar als talentierter Yogalehrer hat Gil sich etablieren können — was ihm gleich den interessanten Tipp von Samira einbrachte, wenn es mit der Musikerkarriere nicht mehr klappen sollte, könnte er ja in dieser Branche reüssieren.
Zunächst aber geht der Kampf um die meisten Telefonvoten in die nächste Runde. Für sich warb Ariel mit dem Spruch: »Ich bin das Feuer.« Gil hingegen versuchte es mit einem kurzen »Schalömchen zusammen.« Noch dürfen beide im Camp bleiben, sie sind ja tatsächlich prägende Charaktere dieser Show mit großen Followerzahlen.
Raus musste Mirja. Im Trash-TV muss es halt trashig zugehen.