Hochschulen

Appell an die Kultusminister

NS-Erziehung im Jahr 1941: Ein Lehrer erklärt den Umgang mit einem Gewehr. Foto: dpa

Mit einem bundesweiten Appell, die Verbrechen, Ideologie und Pädagogik der Nationalsozialisten zu einem festen Bestandteil im Studium der Erziehungswissenschaften zu machen, haben sich die Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik und Benjamin Ortmeyer an die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder und die Hochschulen gewandt.

Die beiden Wissenschaftler haben die deutschlandweit einmalige Forschungsstelle für NS-Pädagogik an der Frankfurter Goethe-Universität aufgebaut und setzen sich seit Jahren dafür ein, dass die »Erziehung nach Auschwitz« kein Spezialthema im Studium angehender Pädagogen und Lehrer bleibt, sondern zum Pflichtprogramm zählt.

Unterzeichner »Die Problematik und die Grenzen des pädagogischen Berufes wurden nirgends so deutlich wie in Theorie und Praxis der NS-Pädagogik, die ihren festen Bestandteil an der Verbreitung der NS-Ideologie und der Vorbereitung der mörderischen NS-Verbrechen hatte«, schreiben Brumlik und Ortmeyer in ihrem Appell, der von fast 200 Persönlichkeiten, Politikern und Wissenschaftlern unterzeichnet wurde. Dies zeige, warum eine »humanistische und demokratische Pädagogik nötig ist und wo Manipulation und Indoktrination auch mit dem Einsatz moderner Technik und wissenschaftlicher Forschung beginnen«.

Unterstützung findet das Anliegen beim Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. »Ihre Initiative halte ich für sehr wichtig«, unterstreicht Schuster in einem Brief an den Leiter der Frankfurter Forschungsstelle, Benjamin Ortmeyer. Dieser muss an seiner eigenen Universität selbst um den Bestand fürchten, nachdem der Fachbereich entschieden hat, keine für das Studium so wichtige Creditpoints mehr für seine Vorlesungen zu vergeben. Die Auseinandersetzung darüber hält noch an.

Antrag Mittlerweile hat der Senat der Goethe-Universität aber einen Antrag von Ortmeyer einstimmig verabschiedet, wonach kurz vor dem 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, die Universität an ihre Studenten, Dozenten und Beschäftigten in allen Fachbereichen appelliert, sich in Lehrveranstaltungen mit dem Thema Auschwitz, der NS-Zeit, ihren Verbrechen, den Folgen und damit zusammenhängenden Fragen auseinanderzusetzen. »Zusätzliche Veranstaltungen sind erwünscht und werden unterstützt«, heißt es in dem Beschluss der Universität.

Der hochschulpolitische Sprecher des AStA der Goethe-Universität, Laurien Simon Wüst, sieht nun zum ersten Mal die Möglichkeit eröffnet, »dass die Goethe-Universität als Ganzes, und nicht nur einzelne Initiativen, sehr deutlich und klar ein Zeichen setzt, dass Erinnern und Gedenken an Auschwitz kein Spezialthema ist«. Auch Benjamin Ortmeyer lobt, dass »der Senat der Goethe-Uni mal vorangeht«. Er ist gespannt, ob andere Universitäten dem Beispiel folgen werden.

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Auszeichnung

Marion-Samuel-Preis geht an Susanne Siegert für NS-Aufklärung

Die Augsburger Stiftung Erinnerung fördert Menschen, die sich gegen das Vergessen, Verdrängen und Relativieren der Nazi-Verbrechen wenden. Sie verleiht einen Preis, der mit viel Geld dotiert ist

von Christopher Beschnitt  05.05.2026

Potsdam

Jüdisches Filmfestival zeigt Vielfalt Israels

Vereinfachte Narrative werden hinterfragt und unterschiedliche palästinensische und israelische Realitäten in den Blick genommen

 05.05.2026

New York

Zoë Kravitz sorgt mit Spitzenkleid für Aufsehen

Die frisch Verlobte Darstellerin erscheint in einem schwarzen, transparenten Spitzenkleid aus dem Haus Saint Laurent, über das alle US-Modeblätter schreiben. Aber wo ist der Verlobte?

 05.05.2026

Berlin/New York

»Der Teufel trägt Prada 2« startet mit starkem Kinoerfolg

Rund 625.000 Besucher am Startwochenende: Die Fortsetzung der Modewelt-Satire begeistert das Kinopublikum in Deutschland und sorgt für einen der besten Filmstarts des Jahres

 05.05.2026

Wien

Glanzauftritt mit »Diamant«: Noam Bettan überzeugt bei erster ESC-Probe

Zum Auftakt der Performance erscheint Bettan gemeinsam mit einer Tänzerin aus dem Inneren des Bühnenelements, das einem Edelstein nachempfunden ist

 05.05.2026 Aktualisiert

»Imanuels Interpreten« (20)

Progressive Rock-Pioniere: Die Shulman-Brüder und ihre Band Gentle Giant

Mit einer Überdosis Kreativität betrieben die drei schottischen Juden Phil, Derek und Ray Shulman eine Formation, die herausstach

von Imanuel Marcus  04.05.2026

Kunst

Iran nimmt nicht an Biennale in Venedig teil

Die wichtige Kunstveranstaltung Biennale in der Lagunenstadt Venedig hat mit heftigen Kontroversen zu tun. Nun scheidet ein Teilnehmerland aus

 04.05.2026