Gwyneth Paltrow

Alles ist gut

»Ich bin wirklich eine jüdische Prinzessin«: Gwyneth Paltrow wurde am 27. September 1972 in Los Angeles geboren. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Gwyneth Paltrow

Alles ist gut

Die Schauspielerin und Unternehmerin ist 50 geworden - Grund zum Feiern hat sie allemal

von Katrin Richter  24.09.2022 21:04 Uhr

Vielleicht ist der schönste Raum im Haus von Gwyneth Paltrow die Küche. Ein heller, wie frisch aus einem riesigen Baum geschlagener langer Holztisch, zwei ebenso lange Holzbänke, bodentiefe Fenster mit Blick in den Garten, am Horizont der Pazifik. Ein Regal mit blau-weiß gemusterten Tellern an der Seite, eine Kochinsel, Schränke mit beweglicher Leiter davor, eine beachtliche Sammlung von gusseisernen Pfannen, Töpfen und Cocottes – ja, man kann sich vorstellen, wie die Schauspielerin hier morgens ihre ein bis zwei großen Gläser Wasser zu sich nimmt, mit ihrem Mann die E-Mails checkt, Nachrichten hört, bevor sie ihre beiden Kinder weckt.

Das zumindest erzählte sie einem größeren Publikum 2020 in dem Video-Clip »Everything Gwyneth Paltrow Eats in a Day« für die Zeitschrift »Harper’s Bazaar«.

START Eventuell wird die Schauspielerin am 27. September eine Ausnahme von der Wasser-am-Morgen-Routine machen und sich einen etwas opulenteren Start gönnen, denn am zweiten Tag von Rosch Haschana feiert Paltrow ihren 50. Geburtstag. Äpfel und Honig wären doch ein gelungener Auftakt. Normalerweise folgt auf die Gläser Wasser sonst immer das Morning-Skin-Superpowder von Goop – ihrem Lifestyle-Unternehmen. Der kulinarische Feenstaub soll laut Etikett voller Vitamin C und E und anderen helfenden Naturalien sein. Vielleicht wirkt die Schauspielerin deshalb so fit? Vielleicht wollte sie auch nur ein bisschen Werbung machen. Egal: Jetzt wird sie also 50.

Die Unternehmerin und Mutter zweier Kinder – Apple und Moses – blickt auf eine nennenswerte Karriere: Sie spielte in romantischen Schnulzen wie der Verfilmung von Jane Austens Roman Emma, dem Oscar-prämierten Film und eine Art Best-of-Shakespeare-Kino, Shakespeare in Love (in dieser Rolle wurde sie 1999 mit einem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet), oder in Great Expectations.

Aber Paltrow, die in Los Angeles zur Welt kam, hatte auch (Haupt-)Rollen in einigen der wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Filmen der 90er-Jahre, wie in Steven Spielbergs Fantasie-Kino Hook, in David Finchers Thriller Se7en oder in Anthony Minghellas The Talented Mr. Ripley. Die 2000er-Jahre begannen mit Wes Andersons grandioser Komödie The Royal Tenenbaums und fanden ihre Fortsetzung in vielen Iron Man- und Avengers-Filmen.

»Ich bin die klassische jüdische Mutter.«

Gwyneth paltrow

Und irgendwie wirken alle diese Rollen von immer schönen, verletzlichen, getroffenen, naiv-lustigen Frauen wie einfaches Vorgeplänkel, wenn man an die Unternehmerin Gwyneth Paltrow denkt, die 2008 – es soll übrigens auch in einer Küche gewesen sein, so der Text auf der Website – Goop gründete und seitdem einen digitalen Ort für Clean Eating, Detox, Well-being und exklusive Alltäglichkeiten geschaffen hat.

Alles begann mit einem Newsletter, der an sage und schreibe 10.377 Abonnenten verschickt wurde. Eine Mail mit unter anderem zwei Rezepten, eines für Truthahn-Ragout und eines für Bananen-Nuss-Muffins, so verrät es die Goop-Timeline, in der Gwyneth Paltrow schlicht GP abgekürzt wird. Von einfachen Rezepten erzählen die Newsletter mittlerweile nicht ausschließlich. Heute steht Goop für einen Lebensstil, den sich nicht alle leisten können.

Paltrow arbeitet mit TV-Größen wie Oprah Winfrey zusammen, sie schreibt Kochbücher, die zwar »New York Times«-Bestseller wurden, aber wegen ihrer vielen gluten- und zuckerfreien Rezepte und dem hohen Anteil an Gemüsekochideen auch belächelt werden.

In der Küche fühlt sich Paltrow ihrem 2002 verstorbenen Vater, dem Regisseur Bruce Paltrow, auch heute noch am nächsten. Im Vorwort zu ihrem Kochbuch My Father’s Daughter schreibt sie, dass sie immer das Gefühl habe, ihr Vater würde ihr über die Schulter schauen und »Sei vorsichtig mit dem Messer« sagen oder vor Freude über einen Bissen lamentieren in einer Art, »wie es nur ein Jude aus Long Island« könne.

KONVERSION Vater Bruce hatte osteuropäisch-jüdische Wurzeln. Die Familie Paltrowic lebte ursprünglich in Polen und in der westrussischen Stadt Nischni Nowgorod. Der »Guardian« zitierte die Schauspielerin einmal mit dem Satz: »Es gab etwa 17 Generationen von Rabbinern – Sie sehen also: Ich bin wirklich eine jüdische Prinzessin.«

Die Familie Paltrowic lebte ursprünglich in Polen und in der westrussischen Stadt Nischni Nowgorod.

Gwyneth Paltrows Mutter, die Schauspielerin Blythe Danner, ist nicht jüdisch. Die Tochter wuchs christlich-jüdisch auf und soll als Erwachsene zum Judentum konvertiert sein. Ihre eigenen Kinder wollte Gwyneth Paltrow in der jüdischen Tradition aufziehen. Apple und Moses sind heute im besten Teenager-Alter, und wie einst Paltrow, haben auch sie einen berühmten Vater: Chris Martin, Sänger der britischen Popband »Coldplay«.

Womit wir bei den Männern wären. Denn Paltrow, die seit 2018 mit dem Regisseur Brad Falchuk verheiratet ist, war zuvor 13 Jahre Ehefrau von Chris Martin und soll vorher mit Schauspieler Brad Pitt und danach mit seinem Kollegen Ben Affleck liiert gewesen sein.

TRAUMHAUS Aber erst mit Falchuk erdachte sie sich ihr Traumhaus, in das sie im Februar 2022 das Team des Architekturmagazins »Architectural Digest« einlud, um es allen, die es interessiert, zu präsentieren. Das YouTube-Video wurde bis heute 1.316.421-mal aufgerufen. Auch bei Instagram zeigt Paltrow regelmäßig die Schönheit des Hauses im kalifornischen Montecito sowie den Spa oder den Garten, die beide ganz wundervoll zu den Goop-Produkten zu passen scheinen, die Paltrow – meistens ungeschminkt, clean und bestimmt detoxed – fleißig bewirbt.

Und wo wird sich die Schauspielerin-Unternehmerin wohl in diesem zu Stein gewordenen Traum in Kalifornien an ihrem Geburtstagsabend aufhalten? Vielleicht in der optisch gewöhnungsbedürftigsten Ecke ihres Hauses? Einer »Onyx-Bar«, gräulich, hell, schwarze Marmorierung mit einem goldenen Regal, Gläsern und japanischem Whisky. Vielleicht wird sie genau dort noch ein Glas auf ihren 50. Geburtstag trinken, wenn ihre Kinder schon längst im Bett sind und alle E-Mails – mögen es nur Glückwünsche gewesen sein – beantwortet sind. Masal tow und bis 120!

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