Konzert

»Alle wollen Rock’n’Roll«

Will nicht »die übliche Popsoße« spielen: Asaf Avidan Foto: Flash 90

Konzert

»Alle wollen Rock’n’Roll«

Der israelische Sänger Asaf Avidan über seine Deutschlandtournee

von Katrin Richter  14.01.2010 00:00 Uhr

Asaf Avidan, Sie starten nächste Woche mit Ihrer Band The Mojos eine Deutschlandtournee. Was erwarten Sie?
Wir sind nicht zum ersten Mal in Deutschland unterwegs, doch dieses Mal wird es definitiv anders werden.

Inwiefern?
Nun, auf unserer ersten Tour wollten wir ein Statement setzen und unsere Musik präsentieren. Jetzt, da wir bei einem großen Label einen Vertrag haben, kommt noch Promotion dazu.

Wie ist das deutsche Publikum?
Früher dachten wir, alles wäre ganz anders als in Israel. Als wir anfingen, merkten wir jedoch: Menschen sind Menschen – überall. Sie atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Es ist echt lächerlich, welche Vorstellungen wir über andere Länder haben.

Gilt das auch für Sie?
Wenn Leute erfahren, dass wir aus Israel kommen, erwarten sie etwas ganz Bestimmtes. Wenn sie dann unsere Musik hören, die ja eher in Richtung amerikanischer Rock geht, sind sie überrascht. So war es, als wir nach Deutschland kamen. Wir dachten auch in diesen Stereotypen, dass das Publikum hier eher zurückhaltend oder kühl sei. Alle Menschen, denen wir begegnet sind, waren unglaublich warm und offen. Sie alle wollten nur Rock’n’Roll.

Mit welchen deutschen Bands haben Sie denn Kontakt?
Nur Herbert Grönemeyer.

Mehr nicht?
Ich weiß noch nicht allzu viel über die deutsche Szene, hoffe aber, dass sich das bald ändern wird. Im Taxi habe ich einige Male deutsches Radio gehört. Die Musik unterscheidet sich nicht besonders von der in anderen Ländern. Zu 90 Prozent wird überall die gleiche Popsoße gespielt. Aber ich habe das Gefühl, dass sich Leute auch wieder auf die Wurzeln besinnen. Die Menschen sind müde von immer gleich klingenden Casting-Show-Bands. Sie möchten wieder Musik hören, die Herz und Seele hat.
Ist das auch in Israel so?
Ja, in den vergangenen fünf Jahren hat sich viel verändert. Man kann es fühlen, man kann es hören, und ich freue mich, dass ich ein Teil davon bin. Es wächst eine große Indie- und Alternativmusikszene in Israel heran. Israel ist ein kleines Land. Das hat den Vorteil, dass sich die alternative Musikszene gut entwickeln kann. Relativ gesehen gibt es wenige Auftrittsorte, wenige Radiosendungen und Labels. Was musikmäßig gerade in Israel passiert, geschieht auch in der ganzen Welt. Doch Israel ist ein Mikrokosmos. Musiker wissen, dass sie nicht unbedingt eine Unmenge Geld brauchen oder ein bestimmtes Label, um bekannt zu werden. Aber es reicht nicht für die internationale Szene. Mein Bruder und ich haben unser eigenes Label, auf dem auch die Platten von Asaf Avidan & The Mojos veröffentlicht werden. Als wir darüber nachdachten, nach Europa zu gehen, gingen wir von einer ähnlichen Situation aus. Doch wir merkten schnell, dass der Kontinent viel zu groß ist. In Israel kennen wir die Sprache, wir kennen die Menschen. Europa als Ganzes betrachtet, ist einfach zu groß. Deswegen sind wir den Weg mit Columbia/Sony gegangen. Ein großes Label mit Künstlern wie Pink, Shakira, aber auch den Foo Fighters und Bob Dylan.

Wo ordnen Sie sich da musikalisch ein?
Auf unserem neuen Album kann man die Einflüsse hören: Old School Rock und Folk. Vielleicht ist aber doch Blues mein größter Einfluss. Ich mag Robert Johnson und John Lee Hooker. Robert Plant und Janis Joplin liebe ich, weil sie so viel von ihrem Herz und ihrer Seele in die Musik legen.

Alles unpolitische Künstler. Sind Sie das auch?
Man kann nicht in einem Land wie Israel leben, ohne eine politische Meinung zu haben. Schon von klein auf an weiß man, was im Land passiert, man kann seinen Kopf nicht in den Sand stecken. Die Ironie ist, dass meine Eltern beide Diplomaten sind. Aber bis jetzt war ich nicht in der Lage, politische Songs zu schreiben, die ich auch aus vollem Herzen singen könnte. Das kann ich nur, wenn ich über persönliche Dinge schreibe. Ich schreibe meine Lieder manchmal mitten in der Nacht, wenn mein Herz gebrochen ist oder etwas Ähnliches geschehen ist. Ich denke, wenn Menschen zu meinen Konzerten kommen und Geld dafür bezahlen, meine Lieder zu hören, dann möchte ich sie nicht mit meinen politischen Ansichten vergewaltigen.

Das Gespräch führte Katrin Richter.

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