Sehen!

»After the Hunt«

Julia Roberts als Professorin Alma Imhoff und Andrew Garfield als Hank Foto: Amazon MGM Studios

Wie bitte? Hat sich Kim Syers, Doktor der Psychologie, verhört? Läuft in der Studi-Kneipe ein Song von »The Smiths«? In der Tat: Es ist »Heaven Knows Iʼm Miserable Now«, stellt Syersʼ Kollegin Alma Imhoff fest – Doktor der Philosophie und jüngste Professorin mit Festanstellung in der Geschichte der Universität von Yale. »Gewagt«, findet Syers.

Die Kluft zwischen dem Weltbild von Sänger Steven Patrick Morrissey und den Studierenden von heute könnte größer nicht sein. Und doch sitzen die beiden Professorinnen in dieser 90er-Jahre-Location bei einem Glas Wein zusammen. Aber ihr Gespräch ist alles andere als locker, denn Syers bricht ihre Schweigepflicht, als sie über eine Studentin Imhoffs zu sprechen beginnt.

Es geht um Margaret Resnick, genannt Maggie, die auf dem Nachhauseweg von einer Party der Professorin von deren Kollegen Hank vergewaltigt worden sein soll. Als die Studentin Imhoff nach dem womöglichen Vorfall um Hilfe bittet, reagiert die Professorin eigenartig, sogar abweisend. Hat Hank die junge Frau wirklich gegen ihren Willen angefasst? Oder handelt es sich um eine Retourkutsche, weil Hank Maggie beschuldigt, es mit den wissenschaftlichen Standards bei ihrer Dissertation (Stichwort: Plagiat) nicht genau zu nehmen?

Sehenswert und durchgestylt

Trotz der Schwere des Konflikts ist Luca Guadagninos jüngster Film After the Hunt ein sehenswerter und zudem ein ausgesprochen durchgestylter und spannender Film mit Julia Roberts als coole Philosophie-Professorin Alma, Michael Stuhlbarg (bekannt unter anderem aus A Serious Man der Coen Brothers) als noch coolerer Psychologen-Ehemann Frederik mit tollem Musikgeschmack und seltsamer Fürsorge, Ayo Edebiri als ehrgeizige Studentin Maggie und Andrew Garfield als mutmaßlicher Vergewaltiger Hank.

Täter oder Opfer? Guadagninos Film spielt mit Erwartungen, hinterfragt Machtstrukturen und lässt bewusst Raum für Interpretation, anstatt klare Urteile zu fällen. Es ist diese schwammige Schönheit, die die zwei Stunden und 19 Minuten von After the Hunt nicht nur zu gelungener Unterhaltung macht, sondern auch Fragen diskutiert wie die, warum es »bold« ist, The Smiths in einer Yale-Studi-Kneipe laufen zu lassen.

Zahl der Woche

4 Etagen

Fun Facts und Wissenswertes

 05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Potsdam

Forschung zu NS-Geschichte von Naturwissenschaften

International bekannte Forschungsinstitute haben ihren Sitz auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Ihre Vorgeschichte insbesondere in der NS-Zeit wird nun Thema eines Wissenschaftsprojekts

 04.08.2026

Film-Klassiker

So wurde »Stand by Me« der beste Jugendfilm der Geschichte

Vier Jungs suchen Ende der 50er in der US-Provinz eine im Wald liegende Leiche. Der Kult-Film ist zum 40. Jubiläum nun etwa auch beim ZDF im Stream. Mit welchen Tricks Regisseur Rob Reiner arbeitete

von Gregor Tholl  04.08.2026

London

Bandcamp wirft Pro-Israel-Song von Boy George von der Plattform

Der Sänger bleibt standhaft und überwindet erneut eine Hürde. »We Will Dance Again« kann wieder heruntergeladen werden

von Imanuel Marcus  04.08.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  03.08.2026

Singapur

»Massive Attack« bekommt wegen Palästina-Flagge ein Einreiseverbot

Die Frontmänner der britischen Band hatten die Fahne bei einem Konzert hochgehalten

 03.08.2026

Social Media

Wegen eines hebräischen Wortes: Ronaldo-Partnerin bekommt unzählige Hass-Kommentare

Georgina Rodríguez postete ein Bild von ihr und Ronaldo auf Mallorca und benutzte dabei ein einziges Wort Hebräisch. Die hämischen Kommentare ließen nicht lange auf sich warten

 03.08.2026