Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad (Montage) Foto: picture alliance / Panama Pictures

Nach dem Verbot eines Buches über den Gaza-Krieg durch die ägyptischen Behörden haben sich die beiden deutschen Autoren Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad enttäuscht, aber auch zuversichtlich geäußert.

Ihr Buch »Was darf Israel? - Ein Streit« war in Deutschland im vergangenen September erschienen und enthält ihren schriftlichen Disput über den Krieg nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den Nahostkonflikt. Es sollte in arabischer Übersetzung auf der derzeitigen Kairoer Buchmesse vorgestellt werden. Dies hatten die zuständigen Behörden am Sonntag jedoch untersagt.

»Anscheinend ist es in Ägypten nicht gewollt, dass ein Jude und ein Moslem in Dialog zum Gaza-Krieg treten«, sagte Engel, Chefredakteur der »Jüdischen Allgemeinen«, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag. Er und Mitautor Abdel-Samad hätten sich sehr gefreut, dass ein ägyptischer Verlag das Buch unter dem Titel »Ein Gespräch mit meinem jüdischen Freund über Gaza, Israel und den neuen Nahen Osten« veröffentlichen wollte. »Alles war schon fix verabredet«, so Engel.

Hart in der Sache, aber zivilisiert

»In dem Buch streiten mein Freund Hamed und ich über den Nahostkonflikt, hart in der Sache, aber zivilisiert.« Allzu oft werde diese Diskussion feindselig, polemisch, verletzend und unsachlich geführt. »Wir haben versucht, es besser zu machen«, betonte der Chefredakteur. Er und Abdel-Samad, der aus Ägypten stammt, ließen sich durch das Vorgehen der ägyptischen Behörden nicht einschüchtern.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Publizist und Politologe Abdel-Samad sagte auf Nachfrage der KNA, die Zensur habe auch seinen neuen Roman »Die Wolkenfabrik« von der Kairoer Buchmesse und der Veröffentlichung ausgeschlossen. »Begründungen gibt es in solchen Fällen in Ägypten fast nie.« Die Behörden riefen einfach bei einem Verlag an und sprächen das Verbot aus.

Kritik an der arabischen Welt

Das gemeinsam mit Engel veröffentlichte Streitgespräch enthalte scharfe Kritik an der arabischen Welt und auch an Ägypten, vermutet Abdel-Samad als Grund für das Verbot. Sein Roman wiederum greife das Tabuthema Sterbehilfe auf. »Beides sind Inhalte, die in Ägypten als politisch und moralisch heikel gelten und schnell als Provokation verstanden werden.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Engel fügte hinzu, nach dem Verbot seien die Reaktionen aus Ägypten überwältigend. »Wir kommen gar nicht hinterher, die Mails mit Bitten von Ägyptern und anderen arabischen Lesern, das Buch auf Arabisch per PDF kostenlos zu verschicken, zu beantworten.« Somit habe der ägyptische Sicherheitsapparat das erreicht, was er habe vermeiden wollen: »eine breite Diskussion über das Buch und ein breites Interesse an seinen Inhalten«. kna

Weltglücksbericht

Israelis und die Freude am Leben

Trotz Kriegen und Terror landet der jüdische Staat weit vorn auf Platz 8. Die Forscherin Anat Fanti erklärt, warum

von Sabine Brandes  06.04.2026

Jazz

Omer Klein: »The Poetics«

Der israelische Pianist hat ein neues Album veröffentlicht. Es ist ein analoges Klangerlebnis, das innere und äußere Räume weit öffnet

von Ayala Goldmann  06.04.2026

Iryna Fingerova

»Man darf Kulturen nicht vergleichen«

Die Schriftstellerin und Ärztin über die Folgen einer Emigration, ihr Verhältnis zur Ukraine und das Leben als Jüdin in Deutschland – allesamt auch Themen ihres Romans »Zugwind«

von Maria Ossowski  05.04.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  04.04.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richer, Imanuel Marcus  04.04.2026

Michael Brenner

»Für die Nazis durfte es ›arische Juden‹ eigentlich nicht geben«

Der Historiker erforscht das Schicksal von Konvertiten in der NS-Zeit. Ein Gespräch über Menschen, die in keine Schublade passten

von Ayala Goldmann  04.04.2026

Zahl der Woche

14

Funfacts & Wissenswertes

 01.04.2026

Aufgegabelt

Mazze-Granola

Rezept der Woche

von Katrin Richter  31.03.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Neues aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  31.03.2026