Israeli American Council

Von wegen bester Freund

Donald Trump am Sonntag vor rund 4000 vor allem jüdischen Zuhörern in Hollywood, Florida. Foto: imago images/ZUMA Press

Es war ein gutes Wochenende, zumindest aus Donald Trumps Pers­pektive – und das ist die einzige, die für den US-Präsidenten wirklich zählt. Fernab von den Impeachment-Fährnissen im ungeliebten Washington hatte Trump in Hollywood, Florida, ein Heimspiel.

Der Veranstaltungsort, in den der Israeli American Council (IAC) geladen hatte, ist gerade einmal 80 Kilometer von Trumps neuem ersten Wohnsitz Mar-a-Lago in West Palm Beach entfernt.

jubel Der Ballsaal des Diplomat Beach Resort war mit 4000 Menschen prall gefüllt, die meisten von ihnen Juden, die »Four more years!« (Noch vier Jahre!) skandierten. Eingeführt wurde der Präsident unter anderem von Sheldon Adelson, dem größten Spender des IAC, einem ebenso reaktio-
nären wie reichen Republikaner.

Reich wurde der Sohn eines Bostoner Taxifahrers mit der von ihm initiierten Technikmesse »Comdex« in Las Vegas. Seine geschätzt 38 Milliarden Dollar Vermögen machte Adelson allerdings mit der weltweit größten Kasino-Gruppe Las Vegas Sands, zu der etwa das Venetian in Las Vegas und das Marina Bay Sands in Singapur gehören.

Doch der 86-jährige Adelson ist nicht nur Unterstützer des IAC, er ist auch der größte Sponsor von Donald Trump. 25 Millionen hat der greise Geldgeber seinem Präsidentenfreund bisher gespendet. Und mit 410 Millionen Dollar hat er das Birthright-Programm, das junge Juden nach Israel bringt, praktisch im Alleingang finanziert.

In einem ist Trump aufrichtig: Er scheint zu glauben, was er sagt.

Adelson ist ein Jude ganz nach Trumps Geschmack: politisch der Meinung des Präsidenten, loyal also – wie die große Mehrheit im Ballroom an diesem Abend nach Schabbatausgang.

Loyalität Mit den demokratischen Juden ist es da schon schwieriger. Im August hatte Trump, nicht nur in den USA, für einen Sturm der Entrüstung gesorgt, weil er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus konstatierte: »Meiner Meinung nach ist jeder Jude, der die Demokraten wählt, entweder gänzlich ahnungslos oder von größter Illoyalität.« Es ist bis heute nicht überliefert, welche Loyalität wem gegenüber der Präsident da einforderte, aber die Erfahrung legt nahe, dass er die vermeintliche Undankbarkeit auf sich selbst bezog.

Sein Auftritt in Hollywood jedenfalls untermauerte für außenstehende Beobachter, dass Trump zumindest in einer Angelegenheit zutiefst aufrichtig ist: Er scheint ernsthaft zu glauben, was er sagt.

So mokierte sich selbst die doch recht Trump-treue »Jerusalem Post« ausführlich darüber, dass der Präsident in weiten Teilen seiner rund 55-minütigen Rede weihevoll seine eigenen Verdienste um Israel und das jüdische Volk lobte. Von seinem Busenfreund Benjamin Netanjahu war absolut keine Rede, was bei diesem Thema eine besondere Leistung ist.

slapstick Was aber von dem manchmal slapstickartigen Narzissmus des US-Präsidenten übertüncht wird, ist die Tatsache, dass er auch bei Juden antisemitische Klischees benutzt, wie es ihm gerade recht ist.

So waren es in Hollywood die unsympathischen Immobilienhaie, die er als »brutale Killer« bezeichnete – aber ihnen scheinbar jovial hinterherrief, sie hätten ohnehin keine Chance, etwas anderes als Trump zu wählen, wollten sie nicht von den Demokraten unter Führung von »Pocahontas« in die Pleite getrieben werden. Pocahontas, mit dem rassistischen Begriff für indigene Nordamerikaner ist die Mitbewerberin ums Präsidentenamt, Eliza­beth Warren, gemeint.

Die Botschaft ist klar und unverstellt: Euch ist doch Geld ohnehin am Allerwichtigsten, also lasst den Mist mit den Demokraten. Bei mir behaltet ihr euer Geld, die Rendite stimmt weiter, eine Reichensteuer wird es nie geben.

Saal Selbst der so linientreu gefüllte Ballroom raunt und lacht verlegen, als Trump diese Ausflüge in antisemitische Sümpfe unternimmt, in denen er sich rhetorisch so häufig verläuft.

Auch reiche und rechte Juden hören ungern, dass Geld ihnen über Haltung gehe. Das American Jewish Committee, nicht gerade für Linksaußen-Positionen bekannt, twitterte sarkastisch: »Lieber POTUS (President Of The United States), so sehr wir Ihre unerschütterliche Haltung Israel gegenüber begrüßen, müssen wir doch feststellen, dass es sicherlich einen besseren Weg gibt, bei jüdischen amerikanischen Wählern gut anzukommen, als Sie das in Florida mit Geld-Anspielungen gemacht haben, die steinalte und hässliche Stereotypen bedienen. Sie sollten sich nicht auf dieses verminte Gelände begeben.«

Konziliant im Ton, wahrscheinlich zu komplex für den großen Vereinfacher, aber durchaus hart in der Sache.

Ausgrenzung Es ist Amerikas Juden, auch denen auf der konservativen Seite, nicht entgangen, wie sehr Trumps generelle Argumentation von Ausgrenzung, Rassismus und eben auch Antisemitismus durchwirkt ist.

Wer den Nazimob von Charlotte mit den Worten, dort gebe es »einige ganz feine Kerle« verharmlost, der sorgt automatisch für Alarm unter Amerikas Juden.

Außerdem nehmen es Konservative übel, wenn ein hochdekorierter Offizier, Oberstleutnant Alex Vindman, über Trumps Mann fürs Grobe, Rudy Giuliani, mit dem alten Narrativ der doppelten Loyalität öffentlich delegitimiert wird, weil der gebürtige Ukrainer es für seine patriotische Pflicht hält, wahrheitsgemäß über das umstrittene Trump-Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten auszusagen. All das sind Signale, die auch die nicht allzu vielen Republikaner-Wähler unter Amerikas Juden hellhörig werden lassen.

Auch reiche rechte Juden hören ungern, dass Geld ihnen über Haltung gehe.

»Ein US-Regierungsangestellter, der of­fensichtlich zwei Regierungen beraten hat? Kein Wunder, dass er verwirrt ist und unter Druck steht«, befeuerte Giuliani die antisemitische Mär vom niemals loyalen jüdischen Diener zweier Herren.

Hollywood Die Claqueure in Hollywood mögen über Trumps antisemitische Passagen hinweggehüstelt haben. Das ohnehin nur knappe Drittel jüdischer Republikaner-Wähler hingegen dürfte Donald Trump mit solchen Ausfällen nicht dauerhaft an sich binden.

Seine Janusköpfigkeit in Sachen Judentum könnte dem selbstgewissen »besten Freund der Juden im Weißen Haus« beim Endspiel an den Wahlurnen kommenden November noch gehörig auf die Füße fallen. Es war also doch nicht so ein gutes Wochenende.

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