Anlässlich des Pessachfestes hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zahlreiche aus dem gesamten Land angereiste Rabbiner und Gemeindevertreter in seinem Kyjver Amtssitz empfangen. Neben Rabbiner Meir Stambler, Ratsvorsitzender der Föderation Jüdischer Gemeinden der Ukraine, nahmen unter anderem auch sein Stellvertreter, Rabbiner Raphael Rutman, sowie Ukraines Militärrabbiner Yakov Sinyakov an dem Treffen teil.
In seiner auf Instagram veröffentlichten Ansprache gratulierte Selenskyj den Jüdinnen und Juden in der Ukraine und der gesamten Welt zu Pessach und wünschte ihnen und ihren Familien Gesundheit. Der ukrainische Präsident dankte den versammelten Rabbinern und Gemeindevertretern für ihre Unterstützung des gesamten ukrainischen Volkes, ihre Gebete für die Ukraine sowie für ihre Arbeit in den jüdischen Gemeinden. »Pessach handelt vom Sieg der Freiheit«, sagte Selenskyj. Genau dafür kämpfe die gesamte Ukraine heute, so der Präsident des von der Russischen Föderation angegriffenen Landes.
Meir Stambler überreichte Wolodymyr Selenskyj die erste vollständig ins Ukrainische übersetzte Tora. Die zweisprachige Ausgabe wurde in Charkiw hergestellt – trotz andauernden russischen Beschusses der ostukrainischen Großstadt und der beteiligten Druckerei, wie die Gemeindeförderation und der ukrainische Präsident in ihren Instagram-Posts betonten. Meir Stambler bezeichnete die erstmalige Übersetzung der Tora ins Ukrainische als »geistige Stütze für das Land« und als »Schritt zu einem gerechten Frieden«.
Da vor allem die älteren Mitglieder der über 150 von Chabad betreuten jüdischen Gemeinden in der Ukraine keine ausreichenden Hebräischkenntnisse haben dürften, sind zweisprachige Tora-Ausgaben unverzichtbar. Ebenso wie in Deutschland sind in den ukrainischen Synagogen bislang wohl russische Übersetzungen zum Einsatz gekommen. In den vergangenen Jahren hat die in Dnipro ansässige Gemeindeföderation nach eigenen Angaben Gebetbücher, Tehilim sowie ukrainischsprachige Kinderbücher verlegt und den Gemeinden zur Verfügung gestellt.
Einige dieser Bücher brachten die Rabbiner und Gemeindevertreter zum Treffen mit Wolodymyr Selenskyj mit. Die vom Gemeindeverband auf Instagram veröffentlichten Fotos zeigen einen regen Austausch zwischen dem ukrainischen Präsidenten und seinen Gästen. Im Beisein von Meir Stambler und Militärrabbiner Yakov Sinyakov signierte Selenskyj zudem ukrainische Flaggen. In einer Zeit, in der die Ukraine um ihre Existenz kämpfe, käme solchen Begegnungen ein besonderes Gewicht zu, betonte die Gemeindeföderation: Sie demonstrierten Einigkeit, gegenseitigen Respekt und Unterstützung.
