Skandinavien

Neues Beschneidungsgesetz in Norwegen

Das norwegische Parlament Foto: dpa

Der Chef der jüdischen Gemeinde in Norwegen lobt die Neuregelung der rituellen Beschneidung in seinem Land. »Das neue Gesetz ist sehr wichtig«, sagte Ervin Kohn, Präsident der Jüdischen Gemeinde Oslo. »Ich bin stolz auf unser Parlament. Es hat die richtige Entscheidung getroffen. Jetzt ist Norwegen auf dem Weg, ein Ort zu sein, wo die Beschneidung Neugeborener ein normaler Vorgang ist, so wie in den Vereinigten Staaten.«

Debatte Das Gesetz wurde vergangene Woche vom Gesundheitsausschuss des Storting, des norwegischen Parlaments, angenommen. Eingebracht hatte es Gesundheitsminister Bent Hoie, nachdem es in den vergangenen Monaten eine heftige Debatte über den rechtlichen Status der nichtmedizinischen Beschneidung von Jungen unter 18 gegeben hatte.

Das neue Gesetz solle die bestehende Praxis auf ein rechtliches Fundament stellen, sagte Hoie. Es legt fest, dass die rituelle Beschneidung zwar im Beisein und unter Aufsicht eines approbierten Arztes geschehen muss, doch darf sie weiterhin von Nichtmedizinern ausgeführt werden. Wie Ervin Kohn sagte, hätten nur zwei der 20 Mitglieder des Gesundheitsausschusses gegen den Gesetzesentwurf gestimmt.

Kampagne Die Neuregelung kommt in einer Zeit, da in Skandinavien vor allem säkulare Gruppen – unter ihnen die Kinderschutzbeauftragte der nordeuropäischen Länder – eine Kampagne gegen die Beschneidung führen. Sie argumentieren, die Zirkumzision verstoße gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Viele »Aktivisten« stellen die Beschneidung von Jungen der weiblichen Genitalverstümmelung gleich.

Rechtsextreme Gruppen in Skandinavien lehnen die religiöse Beschneidung ab, weil sie darin ein »ausländisches Element« sehen. Sie sehen die nordischen Länder durch die Einwanderung aus muslimischen Ländern in Gefahr. jta/ja

Kommentar

Eine unheilvolle Allianz

Wenn wie in Frankreich die radikale Linke und Islamisten Juden für Israels Politik verantwortlich machen, ist eine Grenze überschritten

von Simone Rodan  20.10.2026

Frankreich

Anarchie und Antisemitismus

Was mit Schülerprotesten gegen schlechte Lernbedingungen begann, hat sich zu gewalttätigen politischen Unruhen ausgewachsen, befeuert von Judenhass

von Laura Sahin  19.10.2026

Dave Rich

»Jüdische Studierende schweigen oft«

Der Antisemitismus-Experte über zunehmenden Judenhass an Universitäten, mangelnde Sicherheit im Alltag und die extreme Rechte in Großbritannien

von Nicole Dreyfus  19.10.2026

Frankreich

Prozess eröffnet: Rima Hassan droht Entzug des passiven Wahlrechts

Die israelfeindliche linke Europaabgeordnete muss sich in Paris wegen mutmaßlicher Terrorverherrlichung verantworten

 19.10.2026

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

Diaspora

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026