Porträt

Masal tow, Calvin Klein!

Calvin Klein mit Brooke Shields (1981) Foto: picture alliance / Newscom

»Weißt du, was zwischen mich und meine Calvins kommt?«, fragte Anfang der 80er Jahre auf überdimensionalen Werbeplakaten eine nur mit hautengen Jeans bekleidete und sich lasziv räkelnde Brooke Shields.

»Nichts!« Die US-Schauspielerin war damals erst 15 Jahre alt, die Werbekampagne sorgte für einen Skandal - und machte Calvin Klein und seine Jeans mit einem Schlag weltberühmt. »Ich wollte überraschen, nicht schockieren«, sagte Klein, der an diesem Samstag 80 Jahre alt geworden ist, einmal der Modezeitschrift »Vogue«. »Ich wollte frische, neue Bilder kreieren, die die Menschen innehalten lassen, wenn sie durch ein Magazin blättern.«

Die hautengen Jeans und der typische Calvin-Klein-Stil - schlichte, gerade Schnitte, minimalistisch wenig Farbe - prägten das Lebensgefühl der 80er und 90er Jahre. Mit Unterwäsche, Uhren, Sonnenbrillen, Bademode, Parfüm, Haushaltstextilien und Schmuck baute Klein seine Modemarke über die Jahre zum Imperium aus.

Geboren wurde der Nachfahre ungarisch-jüdischer Einwanderer 1942 als Calvin Richard Klein im New Yorker Stadtteil Bronx - nicht weit von dem Ort, an dem nur drei Jahre zuvor sein Kollege Ralph Lauren geboren worden war. Beide zählen heute zu den bedeutendsten US-Designern.

Schon als Kind entwarf Klein Kleider für die Puppen seiner Schwester. Den Uni-Abschluss machte er am renommierten Fashion Institute of Technology in Manhattan - und traf dann eines Tages im legendären »Studio 54« seinen ersten großen Auftraggeber. »Der Club war ein Mekka für Sex, Freiheit und Fantasie - aber auch für Arbeit. Genau da hat mich eines Tages ein Industrieller um drei Uhr morgens gefragt, ob ich daran interessiert sei, Jeans zu entwerfen. Natürlich habe ich Ja gesagt.«

Seine Vorliebe für den Minimalismus sei eine Gegenreaktion auf den Einrichtungsstil seiner Mutter gewesen, erzählte Klein einmal. »Meine Mutter hatte eine Leidenschaft für das Dekorieren und für Anziehsachen. Als Kind habe ich in einem sehr dekorierten Haus gewohnt, jedes Fleckchen war mit einem Muster, einer Zeichnung oder einem Objekt gefüllt. Das hat meinen Augen weh getan, ich habe es gehasst. Später als Kunststudent habe ich dann andere Stilrichtungen kennengelernt, die japanische Ästhetik, Schwarz und Weiß, angenehm. So habe ich gemerkt, dass ich im Herzen Minimalist bin.«

Kleins Design verwischt die Grenzen zwischen den Geschlechtern. Als einer der ersten entwirft er Unisex-Parfüm. »Meine Ex-Frau Kelley hat immer darum gebeten, sich meine T-Shirts ausleihen zu dürfen - so kam es zu der Idee mit dem Parfüm-Teilen.« Auch sein privates Leben spielt sich zwischen Männern und Frauen ab. Zwei Frauen heiratet Klein, von beiden lässt er sich nach wenigen Jahren wieder scheiden. 1967 wird seine einzige Tochter Marci geboren, heute eine erfolgreiche TV-Produzentin, die es mit ihrem berühmten Vater nicht immer leicht hat. »Jedes Mal, wenn ich mit einem Mann ins Bett gehe, sehe ich den Namen meines Vaters auf der Unterwäsche.«

Das Familienleben macht Klein nicht sesshaft, im Gegenteil. Er beginnt ein wildes Partyleben, mischt das »Studio 54« auf, trinkt, nimmt Drogen und Valium. Nachdem seine Tochter kurzzeitig entführt worden war, zieht sich Klein 1978 abrupt aus der Öffentlichkeit zurück. Bis heute kämpft er nach eigener Aussage mit Drogen und Alkohol, hat mehrere Entziehungskuren hinter sich. Interviews gibt er nur höchst selten.

Inzwischen hat Klein sein Mode-Imperium längst verkauft - und lebt zwischen Southampton, New York und Los Angeles als unnahbar-eisiger Modepapst in Rente. »Als ich an dem Punkt angekommen bin, wo ich mich so gefühlt habe, als hätte ich alles gesagt, was ich sagen wollte, habe ich einfach aufgehört - und meine Aufmerksamkeit dem Reisen und der Architektur zugewandt. Und ich reise nicht mehr, um Fabriken zu besichtigen, sondern um die Schönheit der Welt zu sehen. Und das verändert alles.«

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